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Demokraten aus Nah und Fern feiern gemeinsam "Bad Nenndorf ist bunt"

Rechten die kalte Schulter gezeigt

Bad Nenndorf (tes). Vom Lehrling bis zur Richterin: Beim Kulturfest "Bad Nenndorf ist bunt" hat jeder auf seine Weise dem Rechtsextremismus die kalte Schulter gezeigt: gewaltfrei und angereichert mit Kulturbeiträgen, Musik, kreativen Spielangeboten vom Jugendzentrum, Kinderschminken, Hüpfburgen und dem Spielmobil des Landkreises. Auch die Jüdische Gemeinde reichte ihren demokratischen Mitbürgern die Hand und bereicherte mit dem Chor "Sudaruschka" und der bundesweit bekannten Klezmer-Band "Mizwa" die Veranstaltung.

veröffentlicht am 31.07.2006 um 00:00 Uhr

Mit der Band "Mizwa" erklingt Klezmer-Musik im Kurpark. Foto: te

"Etwas Gutes tun", laute eineÜbersetzung von "Mizwa", erklärte Sängerin Olga Beckermann im Gespräch mit Christine Fischer, die das Fest mit Klaus Strempel moderierte. Das Musikprogramm startete mit "Das Fröhliche Dutzend" und dem Pannonia-Orchester und machte nachmittags dem Nachwuchs Platz. "Bunt und laut", hieß dann die Devise bei Hardcore von "End is forever", Skapunk von "Choke ISP", "20:23" mit Hip-Hop und "Brimstone and Fire" mit Reggae. Speisen aus aller Welt rundeten das Angebot ab. Stephan Hartmann von "Schaumburg ist bunt" zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf. Die Kreisgeschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Heidemarie Hanauske, wünschte sich, dass sich das Kulturfest unter dem Titel "Schaumburg ist bunt" etabliert und jedes Jahr wiederholt wird. "Das Fest kann sich zu einem echten Standortfaktor für Bad Nenndorf entwickeln und steht für Weltoffenheit in Schaumburg", so Hanauske. Schirmherr Heinz-Gerhard Schöttelndreier dankte den Besuchern für ihre Zivilcourage: "Wir wollen keine Nazis in Bad Nenndorf." Der Aufmarsch sei "ein Spuk, der hier nichts zu suchen hat". Die Initiative "Schaumburg ist bunt" sei nötig und "soll ein aktives Netzwerk werden". Ein dickes Lob bekam die Kurstadt von einem Besucher aus Bangladesch: "Super, dass so viele Leute die Aktion unterstützen", lobte Ahmed Sharaf die gute Organisation und Atmosphäre in der Stadt. "Das werde ich in meiner Heimat erzählen", versprach er. Denn: In Indien sei es schon ein Thema, wie Deutschland heute mit seiner Vergangenheit umgehe. Von Rechtsextremisten war bei dem bunten Fest nichts zu sehen oder zu hören. Wer zuletzt lacht: Einige Clowns demonstrierten mit Plakaten für "Besser leben ohne Nazis". Ihr Fazit des Tages fand große Unterstützung bei den Demokraten: "Das Lachen ist auf unserer Seite." "Der Rechtsextremismus ist zwar nicht besonders ausgeprägt in Schaumburg, hat hier aber ein erschreckend junges Gesicht", betonte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, wie wichtig es sei, "ein sichtbares Zeichen zu setzen gegen Intoleranz und Rechtsextremismus" und deutlich zu machen: "Wir überlassen den Rechtsextremisten nicht die Köpfe der Jugendlichen." Entscheidend sei, junge Menschen auf dem Weg zu demokratischen Bürgern zu begleiten. Denn: "Demokratie ist nicht selbstverständlich" und "Die Würde des Menschen ist unantastbar", dafür erntete Edathy Beifall.

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