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Schulleiter Horst Kynast: "Feuerwehrlehrer" kommt, Klassenteilung problematisch

Realschule: Zu große Klassen, zu kleine Räume, zu wenige Lehrer

Rinteln (wm). An der Realschule laufen die Eltern Sturm: Weil zwei Lehrkräfte schon seit längerer Zeit erkrankt sind, würden die Fächer Deutsch und Englisch nur noch sporadisch unterrichtet. Ein weiteres Problem: Alle drei 8. Klassen haben über 32 Schüler, also mehr als nach den Richtlinien des Kultusministerium vorgesehen, vor allem erheblich mehr, als in die Fachräume passen.

veröffentlicht am 24.10.2006 um 00:00 Uhr

Schulleiter Horst Kynast: "Situation nicht glücklich". Foto: tol

Im Chemieunterricht beispielsweise, so schilderte eine Schülerin, würden viele Experiment gar nicht mehr durchgeführt, weil sich der Sicherheitsabstand nicht einhalten lasse, viele Schüler säßen auf "Notsitzen", von einem geregelten Unterricht könne nicht immer die Rede sein. Obwohl noch in den Herbstferien, bestätigte gestern Schulleiter Horst Kynast grundsätzlich, die Situation sei "nicht glücklich" - doch man sei dabei, Abhilfe zu schaffen. Zumindest ein "Feuerwehrlehrer" für das Fach Deutsch sei ihm noch vor den Herbstferien von der Landesschulbehörde in Hannover zugesichert worden. Außerdem hoffe man auf eine dauerhafte Gesundung einer Lehrkraft. Sollte sich die Situation nicht positiv entwickeln, werde man im Februar "intern umschichten", um einen regelmäßigen Englisch-Unterricht sicherzustellen. Die vom Elternrat geforderte Klassenteilung der achten Klassen sieht Kynast zwiespältig, das habe Vor- wie Nachteile. Grundsätzlich gebe es Klassenteilungen nur in der 5., 7. und 9. Klasse, nicht in den achten Klassen, dafür müsse die Landesschulbehörde eine Ausnahmegenehmigung erteilten. Die habe er beantragt, das sei aber in Hannover abgelehnt worden. Lehrer halten entgegen, hier sei schlicht der Zeitpunkt versäumt worden, rechtzeitig einen Antrag auf Teilung zu stellen. Für den Schulelternrat schilderte Wilhelm Witte, es habe ein Gespräch mit der Schulleitung und dem zuständigen Dezernenten des Landesschulamtes, Jürgen Landfester, gegeben, mit der Zusage, Ende der Ferien werde der Elternrat eine schriftliche Stellungnahme der Landesschulbehörde zu diesem Thema erhalten. Zu überlegen sei, ob nicht zumindest eine Aufteilung im Fachunterricht sinnvoll sei, um das Platzproblem zu lösen. Den Eltern drängt sich bei der ganzen Diskussion um das Für und Wider von Klassenteilungen inzwischen der Verdacht auf, "hier wird auf Zeit gepokert, bis das Schuljahr vorbei ist". Landfester wollte sich gestern in einem Telefongespräch nicht zu der Situation äußern. Auch den Eltern ist klar, dass eine Klassenteilung eine weitere personelle Verstärkung bei den Lehrkräften erfordern würde. Offensichtlich gebe es hier einen Widerspruch in der Politik, denn Kultusminister Bernd Busemann habe in diversen Pressemeldungen behauptet, es gebe genügend "Feuerwehrlehrer", dafür sei auch Geld da. Die untere ministerielle Ebene dagegen erkläre, es gebe keine Lehrkräfte, die man einsetzen könne. Von Schülern, Eltern wie einigen Lehrern kann man hören, das Schulgebäude am Kollegenplatz sei für die Realschule zumindest bei den derzeitigen Schülerzahlen unterdimensioniert, es sei eine Fehlentscheidung gewesen, in dieses Gebäude zu ziehen, das ursprünglich für rund 400 Schüler geplant war und jetzt rund 650 beherbergt. An diesem grundsätzlichen Problem hätten auch die Umbauten durch den Landkreis nichts geändert. Für 25 Schüler seien die Klassenräume ausreichend, schon bei 30 Schülern müssen alle zusammenrücken. Die Mensa im Keller sei außerhalb der Essenausgabe geschlossen, Ausweichräume gebe es nicht, und für eine Schulversammlung müsse die Turnhalle leergeräumt werden. Beim Landkreis Schaumburg ist die Situation bekannt, doch weitere bauliche Maßnahmen sind an der Schule nicht geplant - auch hier setzt man auf Zeit - nämlich auf sinkende Schülerzahlen.

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