weather-image
Vor Gericht: Urteil zu WEZ-Fall

Raubüberfall mit Pistole und Maske: Haft für "Gangster"

Stadthagen (men). Zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten hat das Jugendschöffengericht Stadthagen einen 19-jährigen Mann verurteilt, der im September vergangenen Jahres mit einem Komplizen in skepkatulärer Weise den WEZ-Markt überfallen hatte.

veröffentlicht am 08.01.2008 um 00:00 Uhr

"Das ist einÜberfall" - Mit diesen Worten stürmten zwei junge Männer in den WEZ-Getränkemarkt und versetzten die junge Kassiererin in Angst und Schrecken. Die Gesichter verhüllt mit weißen Wollmasken, Waffen in der Hand, verlangte das Duo nach dem Geld in der Kasse. Die 18-jährige Auszubildende, zu später Geschäftszeit allein im Verkaufsraum, wusste nicht mehr wie, aber es gelang ihr, Alarm auszulösen. Schrille Töne trieben die Räuber ohne Beute in die Flucht. Mitberücksichtigt sind zwei weitere Schuldsprüche wegen Diebstahls und wegen Fahrens ohne Führerschein, miteingeflossen ist außerdem eine Vorstrafe von sechs Monaten auf Bewährung vom Juni dieses Jahres. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Mittäter beim Raubüberfall wurde abgetrennt. Im Strafverfahren war die Frage aufgetaucht, ob statt Haft für den 20-Jährigen die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie geboten sei. Der Stadthäger ist schwer trunksüchtig und möglicherweise persönlichkeitsgestört, nach einer Kindheit in totaler Verwahrlosung mit alkoholabhängigen Eltern. Bevor ihm aufs Neue der Prozess gemacht wird, soll ein Gutachter die Schuldfähigkeit untersuchen. Für den Freund bestand keine Alternative zum Gefängnis. Der gescheiterte Überfall ist die bisherige Krönung seiner kriminellen Laufbahn. Es ist fast genau ein Jahr her, dass der junge Mann auf der Anklagebank Verfahrensbeteiligte rühren konnte. Die zahlreichen Autodiebereien, die er begangen hatte, wurden als sowas wie ein Hilferuf empfunden. Einsam und verstoßen wirkte der junge Mann damals, wie ein Schäfchen ohne schützende Herde. Alle bemühten sich, dem jungen Mann auf die Beine zu helfen. Er hat es seinen Helfern schlecht gedankt, eine milde Strafe war noch nicht rechtskräftig, da klaute er schon wieder. Aus einer Unterkunft, die ihm das Jugendamt kurzfristig vermittelt hatte, nahm er die Kasse mit. Sich selber hat er damit den schlechtesten Dienst erwiesen. In der Berufung kassierte er für die Autodiebstähle dann acht Monate ohne Bewährung. Kaum auf freiem Fuß, wurde er im Juni für den Gelddiebstahl zu sechs Monaten mit Bewährung verurteilt. Man glaubte, frisch aus dem Gefängis habe der 19-Jährige seine Lektion gelernt. Weit gefehlt: Er wurde quasi stehenden Fußes wieder rückfällig. Er klaute Autoschlüssel und fuhr mit dem dazugehörenden Mercedes davon. Er überfiel den Getränkemarkt. Alle Vorwürfe hat der gebürtige Neustädter gestanden, höflich und kooperativ ist er. Die Kurzhaarfrisur wirkt keck mit den hochgestellten Stirnstoppeln, ein heller Pullover eine ordentliche Jeans, kurzum, der Junge ist nett anzusehen; er könnte der hilfsbereite Gymnasiast aus der Nachbarschaft sein. Der Eindruck täuscht. "Ich halte Sie für einen Gangster", schimpfte Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein am Ende seines Plädoyers. Der Verteidiger machte für den schnellen Rückfall in die Kriminalität die Haftbedingungen verantwortlich. Er kritisierte die fehlende Vorbereitung auf das Leben in Freiheit. Das soll diesmal anders laufen. Der 19-Jährige plant den Realschulabschluss und will einen sozialen Trainingskurs absolvieren. Die Vorsitzende Richterin Gudrun van Lessen empfahl dem jungen Mann denn auch dringend, sich bietende Chancen wahrzunehmen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare