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Georg Schröder komponierte moderne Variante / Instrumentalversion ist beim Freilichtspiel zu hören

Rattenfängerlied klingt auch im Reggae-Sound

Hameln (amg). Leise summt Georg Schröder die Melodie vor sich hin, wippt mit dem Kopf, während seine Hände rhythmisch schwingend den Takt angeben. Er legt die Silberscheibe in den CD-Player, drückt auf die On-Taste, betätigt schnell einige Rädchen, bis die richtige Klangfarbe getroffen ist. Die Geschichte, die da besungen wird, hat 725 Jahre auf dem Buckel. Doch was aus den Boxen in das kleine Studio im heimischen Kellerraum schallt, hört sich alles andere als verstaubt an. Als flotter Reggae-Sound kommt das Rattenfängerlied daher: „Ich bin ein fahrender Musikant, zieh’ mit Gesang durch das weite Land und spiel, spiel, spiel spiele für euch meine schönsten Melodien.“

veröffentlicht am 08.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.06.2009 um 10:30 Uhr

Georg Schröder komponierte eine moderne Variante des Rattenfänge

Sicher, Georg Schröder ist nicht der einzige Künstler, der sich vom geheimnisvollen Verführer inspirieren ließ. „Es gibt viele Lieder vom Rattenfänger, aber wohl kein so modern arrangiertes“, sagt der Urheber des Hameln-Songs, der vor zehn Jahren auf CD erschienen ist. Der Hobby-Komponist, der mehr als 100 Musikstücke verfasst hat, lieferte damals auch gleich die englische Ausführung, die es bis dahin ebenfalls noch nicht auf CD gegeben habe. „Der englische Text stammt von Michael Boyer“, sagt Schröder. Gerade einmal 500 CDs waren es, die er auf eigene Kosten im JUM-Studio von Jörg Matusczyk in Reher aufgenommen hatte und die von Sony produziert wurden – sie seien im Nu verkauft gewesen.

In deutschen Grundschulbüchern ist das Rattenfängerlied aus der Feder von Georg Schröder abgedruckt, Anklang findet das pfiffige Lied auch in fernen Ländern: „Australien, Amerika, Japan – im Laufe der Jahre sind immer wieder Anfragen aus dem Ausland gekommen. Von Leuten, die wissen wollten, wo man die CD, vor allem wegen der englischen Fassung, kaufen könne.“ Heute sei die Scheibe nicht mehr im Handel erhältlich, und eine Neuauflage, so Schröder, sei aus Kostengründen nicht drin, „Doch ich besitze noch die Demo-CD, und manchmal kopiere ich die Lieder und verschenke sie.“

Lange Zeit, so Schröder weiter, gab es einen ganz offiziellen Weg, das zweisprachige, von Ronny Rickfelder gesungene Rattenfängerlied zu Gehör zu bekommen: „Man konnte es vom Internet-Portal der Stadt kostenlos downloaden.“ Auf diese Weise sei es um die Welt gegangen. Dass die musikalische Ansichtskarte nun nicht mehr übers Netz abrufbar ist, liege an den Ansprüchen, die die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) stelle, erklärt der Geschäftsführer der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) Harald Wanger. Vor etwa zweieinhalb Jahren habe man alle GEMA-pflichtigen Musikstücke von der Webseite genommen, darunter eben auch das Rattenfängerlied von Georg Schröder. Im Übrigen seien Web-Seiten ein lebendiges Medium, die ständigen Änderungen und Aktualisierungen unterliegen. Schröder findet es trotzdem „schade“. „Außerdem könnte es auch Kindergärten und Schulen zur Verfügung gestellt werden“, sagt der gebürtige Magdeburger, den es vor 20 Jahren in die Rattenfängerstadt zog.

Musical schlummert in der Schublade

Mit der fühlt er sich so verbunden, dass er nicht nur deren weltberühmte Sage im Reggae-Stil vertont, sondern zudem ein Musical – Musik, 16 Songtexte und Libretto – verfasst hat. „Teile davon wurden aufgeführt, so etwa in einer Sondersendung von Bayern TV“, sagt Schröder. Als komplettes Opus jedoch konnte das Musical bislang keine Premiere feiern, schlummert seit nunmehr zehn Jahren in der Schublade. „Um das Werk aufzuführen, fehlen die Mittel.“

Immerhin: Das Schrödersche Rattenfänger-Reggaelied ist nicht ganz verstummt: „Die Instrumentalversion ist als Eröffnungsmelodie beim Rattenfänger-Freilichtspiel zu hören.“



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