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Saisoneröffnung der Hartingschen Wassermühle mit restaurierter historischer Eiersortiermaschine

Rappelnd setzen 1,5 PS die "Hexe" in Bewegung

Kleinenbremen (gp). Der Schalter klemmt ein bisschen, aber dann macht es "Klick", und das Ding fängt an, sich im Takt hin- und her zu bewegen. Gleichzeitig hört man ein sanftes, rhythmisches Stampfen. Auslöser ist ein alter 1,5 PS-Starkstrommotor. Er setzt - mittels Rundriemen - ein großes Speichenschwungrad in Gang. Das Ganze sieht ein bisschen aus wie Urgroßmutters Singer-Nähmaschine.Das Rad bewegt ein Zahnrad und dieses eine "Kurvenwelle". Die wiederum hält - durch ihr gleichmäßiges Auf und Ab - eine Reihe kleiner, hammerförmiger "Schlaginstrumente" auf Trab. Gleichzeitig fängt auf wundersame Weise eine Art Transportmechanismus an zu rattern. Durch ihn werden, mit stetigem, kurzem und sanftem Ruck, die in einer Rille auf den Apparat zurollenden Hühnereier weiterverteilt.

veröffentlicht am 11.04.2006 um 00:00 Uhr

"Alles bestens", atmet Gerhard Uffmann erleichtert auf. Zuvor hatte der Mann aus Herford jede Bewegung und jedes Geräusch registriert. "Die Mechanik ist hervorragend in Schuss". Das Lob des Schlossermeisters gilt der neuesten Attraktion der Kleinenbremer Heimatfreunde - einer "BENHIL Hexe 107- Eier-Leucht-, Sortier- und Stempelmaschine". "Zuerst dachte ich, da will uns einer auf den Arm nehmen" schildert Vereinsvorsitzender Walter Caselitz seine erste Begegnung mit dem Stück. Das Gerät war dem Verein zur Vervollständigung seiner heimatkundlichen Sammlung auf dem Mühlenboden angeboten worden. Keiner habe so recht etwas damit anzufangen gewusst, so Caselitz. "Es stand da nur rum, etliche Teile waren kaputt oder fehlten ganz". Immer wieder hätten Besucher nach dem Sinn und Zweck des tischförmigen Apparats gefragt. "Aber keiner von uns konnte sagen, was das Ding alles kann und wie es funktioniert". Dasänderte sich, als gegen Ende der letztjährigen Saison Gerhard Uffmann in der Mühle auftauchte. "Wisst Ihr überhaupt, was für ein Schätzchen das ist?", fragte er die Gastgeber. Dann klärte er die staunenden Heimatfreunde über Geschichte und Funktionsweise von Eiersortiermaschinen im Allgemeinen und der Hexe 107 im Besonderen auf. Hintergrund: Uffmann war einst bei der Hersteller-Firma Benz& Hilgers in die Lehre gegangen. Die Fabrik in Herford genoss als Spezialschmiede einen hervorragenden Ruf. So rüstete sie als eine der ersten ihre Eiersortiermaschinen mit einer "Durchleuchtungseinrichtung" aus. Dadurch konnten, noch vor dem Wiegen, Zählen, Stempeln und Sortieren, die "kranken" und faulen Eier aus dem Verkehr gezogen werden. Das Kleinenbremer Gerät stammt nach Aussage Uffmanns aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Ein vergleichbar "pfiffiges" und noch immer präzise arbeitendes Museumsstück dürfte es nach seiner Einschätzung kein zweites Mal geben. Spontan bot der Fachmann den Kleinenbremern sein Know-how und seine Hilfe bei der Instandsetzung an. Dieser Tage war es soweit. Unter großem Hallo ging in der Hartingschen Mühle - rechtzeitig vor Beginn der neuen Saison - der erste Probelauf über die Bühne. Die Besucher der Kleinenbremer Wassermühle konnten das seltene Stück dann erstmals während der Saisonöffnung am vergangenen Sonntag kennen lernen. Wer wollte, konnte seine Ostereier durchleuchten, zählen, wiegen und zuordnen lassen.

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