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Der neue Audi R8 V10 mit einem erstaunlich gutmütigen Charakter

Ran an den Renner

veröffentlicht am 08.08.2015 um 00:00 Uhr

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Autor:

Gerd PiPer

Für die Automobilindustrie sind sie das Salz in der Suppe: Supersportwagen. Technisch an der Grenze des Machbaren, begeistern und polarisieren sie wie kein anderes Fahrzeugsegment. Das Spiel mit den Superlativen ist allerdings nicht jedermanns Sache, man braucht nicht nur ein prall gefülltes Konto, sondern auch eine Menge Enthusiasmus oder ein kindliches Gemüt, um kurz mal 160 000 bis 200 000 Euro für ein Auto hinzublättern. Genau in dieser Liga spielt der Audi R8 V10, den die Ingolstädter jetzt neu aufgelegt und so nah an die Rennstrecke herangerückt haben wie nie zuvor. In der V10-plus-Version ist die Flunder mit 610 PS das stärkste Serienauto, das Audi jemals von der Leine gelassen hat.

Schon das Lenkrad des neuen Audi R8 V10 ist eine Wucht: Über die Tasten und vier Knöpfe lassen sich alle wesentlichen Funktionen des Autos bedienen, ohne dass der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen muss – das ist Motorsportfeeling pur. Nicht, dass dieses Feature wirklich notwendig wäre, aber es wirkt irgendwie authentisch. Alle wichtigen Informationen kann der Fahrer über das virtuelle Cockpit einstellen.

Wenn der 5,2 Liter große Zehnzylinder-Sauger, an dem Audi allen Trends moderner Motorenentwicklung zum Trotz festgehalten hat, per Knopfdruck gestartet wird, scheint die Welt aus den Fugen zu geraten, so gewaltig meldet sich die Maschine zum Dienst. Es ist der gleiche Motor wie im Lamborghini Huracán. Weil der direkt hinter den Sitzen und noch vor der Hinterachse platziert ist, kann ihn alle Welt durch die flache Heckscheibe bestaunen.

Bevor es auf die Straße geht, noch schnell ein Blick aufs Datenblatt der neuen Audi-Rakete. Und was da steht, liest sich fast schon ein wenig unheilvoll: 3,2 Sekunden bis Tempo 100, nach 9,9 Sekunden ist die 200 km/h-Grenze geknackt. Das Leergewicht beträgt 1555 Kilogramm, macht unterm Strich ein Leistungsgewicht von 2,55 Kilogramm pro PS. Angesichts der unberechenbaren Zicken, die manche Konkurrenten an den Tag legen, sobald man sie im Vollgasmodus bewegt, stimmt dieser Datensatz zumindest nachdenklich.

Doch schließlich wischt man alle Bedenken beiseite und macht sich auf den Weg. So ein Auto fährt man schließlich nicht alle Tage. Der Wagen, das fällt als Erstes auf, hängt spontan am Gas, reagiert blitzschnell auf alle Befehle und beschleunigt brutal auf seinen 20-Zöllern. Die Maschine dreht bis 8700 Umdrehungen hoch, die Gänge werden entweder per Hand über Schaltwippen oder automatisch vom Doppelkupplungsgetriebe eingelegt. Trotz des massiven Vortriebs liegt der R8 ruhig, fast schon komfortabel auf der Straße und wedelt präzise durch die Kurven. Das fein abgestimmte Fahrwerk, das sich individuell anpassen lässt, schluckt auch heftigere Stöße, ohne dass die Bandscheiben der Insassen gleich gestaucht werden.

Was aber am meisten auffällt und was sich auch später auf der Rennstrecke von Portimão in Portugal bestätigen wird, ist die fahrdynamische Lässigkeit des Autos: Trotz der machohaften Manieren des Zehnzylinders ist diese Hochleistungsmaschine im Grunde leicht zu fahren – dank des neuen quattro-Allradantriebs, der die Antriebskräfte bis zu 100 Prozent zwischen Vorderachse und Hinterachse verteilt.

Natürlich kann man den Wagen auch an seine Grenzen bringen, aber dann kommt nicht etwa plötzlich das Heck um die Ecke – nein, das ganze Fahrzeug drängt etwas nach außen und lässt sich mit kleinen Korrekturen problemlos wieder in die Spur bringen. So gutmütig war wohl noch kein Sportwagen dieser Liga. Das macht ihn fast schon alltagstauglich, allerdings bietet der Kofferraum unter der Motorhaube kaum mehr Platz als für zwei Einkaufstüten.

Auch wenn Audi gerne betont, dass der R8 V10 zu mehr als 50 Prozent aus den gleichen Bauteilen besteht wie der Rennwagen R8 LMS, den die Ingolstädter weltweit in verschiedenen GT3-Serien einsetzen, kommt nun die schlechte Nachricht: Wer einmal das Vergnügen hatte, sich in die Rennversion hineinzuquetschen und mitzufahren, wer erlebt hat, mit welcher Wucht das Fahrzeug beschleunigt, bremst und mühelos durch jede Kurve fetzt, ohne auch nur einmal zu zucken, für den schrumpft selbst die V10-plus-Version mehr und mehr zum Bobbycar.

Bedienung übers Lenkrad: Der neue Audi R8 V10 ist nah am Rennsport positioniert. Hersteller (3)



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