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Einfach und effektiv: NABU schafft Lebensräume für seltene Amphibien / Experten aus dem Ausland

Radlader bester Freund der Gelbbauchunke

Landkreis. Das schöne Wetter lockt auch das Objekt der Begierde aus seinen schlammigen Tiefen empor: Bräsig treibt die Gelbbauchunke an der warmen Wasseroberfläche, wird bestaunt und fotografiert von acht Naturinteressierten aus Belgien und Frankreich. Dort ist die Gelbbauchunke ausgestorben oder nur noch in einer ganz kleinen Population beheimatet, im Landkreis Schaumburg dagegen findet sich das größte Vorkommen dieser bedrohten Amphibienart in Niedersachsen.

veröffentlicht am 21.05.2007 um 00:00 Uhr

Erdkröte.

Autor:

Frank Westermann

Zu verdanken ist dies vor allem Dr. Holger Buschmann und Bruno Scheel vom NABU Kreisverband Schaumburg, die vor einem Dutzend Jahren rund 25 Tiere im Landkreis zählten; heute sind es rund 400, die in drei ehemaligen Schaumburger Steinbrüchen leben. Scheel und Buschmann, zwei der ersten Naturschützer des Landkreises, haben mit engagierten Helfern die Lebensbedingungen der Gelbbauchunke so verbessert, dass der Bestand von Jahr zu Jahr gestiegen ist. Vor allem haben sie Lebensräume für die Tiere geschaffen - meistens mit einem großen Radlader. Mit dessen Schaufeln wurden Löcher ausgehoben, zudem hat das hohe Gewicht der Radlader den Boden komprimiert und so ein weitgehend vegetationsfreies Feld geschaffen; beste Bedingungen für die Gelbbauchunke. "Preiswert, einfach, und effektiv", das sollen auch die Maßnahmen sein, die die Naturschützer aus dem europäischen Ausland importieren möchten. Die angereisten Belgier und Franzosen, das sind Experten von Universitäten oder aus Behörden, die mit dem Naturschutz nicht nur beruflich zu tun haben. In den drei Schaumburger Steinbrüchen, in denen die Lebensgrundlagen für die Gelbbauchunken optimiert wurden, haben auch andere Tiere von den Maßnahmen profitiert. Der Grasfrosch ist hier beheimatet, Teich-, Faden- und Bergmolch leben hier, Waldeidechsen, Blindschleichen, vereinzelte Feuersalamander, die Erdkröte teilt sich die Unterseite eines großen Steines mit der Kreuzkröte. "Auch botanisch gesehen entwickeln sich die ehemaligen Steinbrüche zu Juwelen in der Landschaft," so Scheel weiter, "es kommt eben auf die richtige Nachnutzung an." Um die Vorkommen vor der Entnahme zu schützen, möchte Scheel die genaue Lage der Steinbrüche auch nicht weiter benannt machen. Ein Idyll mit dezentem Hinweis auf den Klimawandel: Hier leben seit drei Jahren dieÖdlandschrecke und auch die Sichelschrecke, die im Zuge des Klimawandels aus dem südlichen Europa den Weg nach Norden gefunden haben - das warme Wetter macht es möglich. Dass die Gelbbauchunke heute auf die Hilfe des Menschen angewiesen ist, das ist die Folge eines Wahns: der Begradigung von Bächen. Früher traten die Flüsse und Bäche über die Ufer, spülten dabei den Oberboden ab und hinterließen dann ideale Lebensräume für die Gelbbauchunke. Scheel war vor einigen Jahren in Rumänien. Dort, so sagt er, hat man von Bachbegradigung nie etwas gehört (und wenn doch, auf die Umsetzung in die Praxis dankend verzichtet), das Resultat ist entsprechend: Gelbbauchunken leiden dort keine Not und sind - im Gegensatz zu Deutschland - alles andere als stark gefährdet. "Wir haben hier viel Erfahrung, weil wir viele Jahre immer wieder etwas Neues ausprobiert haben", sagt Scheel. Da wird kurzerhand auch einmal der Bodenaushub aus einem neuen Kleingewässer genutzt, um ein altes zuzuschütten: Gut zwei Jahre freut sich die Gelbbauchunke dann über ihre neue vegetationslose Heimat. Nicht nur das: Das Schaumburger Vorkommen ist das einzige weltweit, das über einen Zeitraum von über zehn Jahren wissenschaftlich begleitet und dokumentiert wurde. Dies in Zusammenarbeit zwischen dem NABU Kreisverband und der Universität Göttingen. Und das wird auch so bleiben, meint Andreas Jacob. Der Student, der an der Universität von Dr. Buschmann betreut wird, wird seine Masterarbeit über Gelbbauchunken verfassen. Ihm schwebt für die Schaumburger Lebensräume ein langfristiges Konzept vor; nicht nur für die Gelbbauchunke, sondern für alle Tiere, die diesen Lebensraum mit ihr teilen. Jacob, der viel darüber weiß, wie Populationen entstehen, sich aufbauen und auch wieder zusammenfallen, ist begeistert über die Unkenvorkommen: "Die zweitägige Qualitätskontrolle zeigt, dass hier wirklich die Hausaufgaben gemacht wurden." Eine Meinung, die von achtüberzeugten Belgiern und Franzosen geteilt wird.

Kreuzkröte
  • Kreuzkröte
Da...! Experten aus Belgien und Frankreich beobachten Schaumburg
  • Da...! Experten aus Belgien und Frankreich beobachten Schaumburger Gelbbauchunken. Fotos: rnk/pr
Gelbbauchunken
  • Gelbbauchunken


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