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120 000 Helfer legten landesweit in den letzten zehn Jahren ihr Amt nieder / Kreisturntag mit Vertretern von 67 Vereinen

Radikalen Rückgang von Ehrenamtlichen beklagt

Hameln. Mit NTB-Präsident Heiner Bartling, dem KSB-Vorsitzenden Fred Hundertmark, Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann und Landrat Rüdiger Butte sowie dem Turnbezirksvorsitzenden Jürgen Harfst und dem Gast vom Turnkreis Holzminden, Hans-Jürgen Loh, erfuhr der Kreisturntag hohe Würdigung und Aufmerksamkeit.

veröffentlicht am 22.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:21 Uhr

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Vor seinen Gedanken zum Thema Ehrenamt verwies Präsident Heiner Bartling auf eine stabile Mitgliederzahl des niedersächsischen Turner-bundes (754 000) und bedauerte, dass das Feuerwerk der Turnkunst aus finanziellen Gründen nicht mehr in Hameln stattfinden könne. Bedauerlich sei auch, dass die Zahl der Ehrenamtlichen rückläufig sei, innerhalb von zehn Jahren von 320 000 auf etwa 200 000. Dem müsse nachgegangen werden. „Viele schrecken vor zu viel Bürokratie zurück; mancherorts fühlen sich Ehrenamtliche von Hauptamtlichen nicht genügend unterstützt.“ Trotz aller möglichen Probleme und Widerstände sei der ehrenamtliche Einsatz ein unersetzlicher Beitrag, so Bartling.

Udo Wolten (stellvertretender Vorsitzender im Turnkreis/Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit) umriss, was von Ehrenamtlichen erwartet wird und was sie selbst erwarten. „Ehrenamtliche sind die tragenden Säulen jedes Turnvereins und erleben ihr Engagement als eine persönliche Bereicherung. Zugleich stehen sie wachsenden Herausforderungen gegenüber. Neben den sportlichen Kenntnissen werden von ihnen auch finanzielle, steuerrechtliche, computertechnische und versicherungstechnische sowie bauliche Kenntnisse erwartet. Außerdem werden persönliche Kompetenzen verlangt im Umgang mit Behörden, mit Sponsoren, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit dem Trainingsstab und natürlich mit den Sportlerinnen und Sportlern“, sagte Wolten. Eine bundesweite Erhebung habe zutage gebracht, dass die Gewinnung Ehrenamtlicher immer schwieriger werde. Wobei gar nicht grundsätzlich die Bereitschaft zum Engagement nachlasse. So werde inzwischen vom „Neuen Ehrenamt“ gesprochen, bei dem zeitlich befristete und projektorientierte Einsätze bevorzugt würden. Dieser ehrenamtliche Einsatz soll in die jeweilige Lebenssituation passen. Das Ehrenamt gelte auch als Medium der Selbstfindung. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit könnten soziale Beziehungen und Netzwerke aufgebaut werden, wobei auch eigene Kompetenzen entwickelt würden. Auch der Aufbau einer neuen beruflichen oder nebenberuflichen Karriere werde gern mit der ehrenamtlichen Tätigkeit in Zusammenhang genannt. Generell bestehe ein Interesse an finanzieller Entschädigung für den ehrenamtlichen Einsatz. Im Gegensatz dazu hoffen die Vereine weiterhin „traditionell“ geprägte Ehrenamtliche für sich gewinnen zu können, die sich verbindlich und längerfristig für ihren Verein einsetzen, ohne für jeden Einsatz ein Entgelt zu erwarten und ihre Fähigkeiten zum Wohl der Vereinsmitglieder einbringen. Um aus diesem Dilemma heraus zu kommen, will der Kreissportbund demnächst zu einer Arbeitstagung oder einem Seminar zum Thema Ehrenamt einladen. Dabei soll vertiefend darüber diskutiert werden, wie das Ehrenamt an Attraktivität gewinnen kann und in den Zeitplan der Freiwilligen integriert werden kann.

Natürlich gehörten zum Kreisturntag die üblichen Regularien, wie die Bestätigung der Haushaltsabschlüsse für 2010 und 2011. Diese konnten nach dem Bericht der Kassenprüfer Iris Hünermund und Detlev Briese einstimmig genehmigt werden, was die Entlastung des Turnkreis-Vorstands unter dem Vorsitz von Wolfram Wittkopp und den Dank für solide Kassenführung durch Karl Busch einschloss. Die Genehmigung der Haushaltspläne für 2012 und 2013 (jeweils 9360 Euro an Einnahmen und Ausgaben) erfolgte einstimmig.

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  • Silke Wächter, die stellvertretende Vorsitzende des Turnkreises und Oberturnwartin, dankt Tina Spiller, die acht Jahre als Fachwartin für Gymnastik und Aerobic ehrenamtlich tätig war.
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  • Sowohl Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann (4. v. li.) als auch Landrat Rüdiger Butte ( 5. v. li.) hörten sich die Sorgen der Turner an.

Bei den Vorstandswahlen gab es keine Überraschungen: Wolfram Wittkopp (Vorsitzender), Silke Wächter (stellvertretende Vorsitzende/Oberturnwartin) und Karl Busch (stellvertretender Vorsitzender Finanzen) wurden wiedergewählt. Heike Springer wurde neu zur stellvertretenden Vorsitzenden (Jugendwartin) gewählt, außerdem als neue Fachwartin für Gymnastik/Aerobic Lenka Kvochova. Ihre Vorgängerin Tina Spiller wurde nach acht Jahren Tätigkeit mit Ehrung und Blumenstrauß verabschiedet.

Lippmann und Butte zollten den 67 Turnkreis-Vereinen Anerkennung für ihr vorwiegend ehrenamtliches Engagement. Heiner Bartling warb für die Teilnahme am Landesturnfest in Osnabrück vom 20. bis 24. Juli, zu dem sich noch nicht viele Vereine angemeldet haben. Fred Hundertmark hatte auch die Einladung zum Sportabzeichentag im Weserberglandstadion am 1. Juni und die Zusage des KSB mitgebracht, fünf besonders verdienten Ehrenamtlichen Karten für das Feuerwerk der Turnkunst zu schenken.

Eine besondere Ehrung wurde der jungen Landesmeisterin Emily Hornig (12 Jahre) vom VfL Hameln und der langjährigen Übungsleiterin Uta Meyer (MTV Friesen Bakede) zuteil. Die Anerkennungsurkunde als „Pluspunkt“ im Gesundheitssport bekamen Vertreterinnen von MTSV Aerzen und ESV Eintracht Hameln überreicht.



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