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Zweckgemeinschaft oder mehr?

Rabe und Wolf: Ein starkes Team

Wo es Raben gibt, gibt es auch Wölfe. Das ist kein Zufall. Seit vielen Jahrhunderten verbindet beide eine erfolgreiche Jagdgemeinschaft. Vielleicht ist über die Jahrhunderte auch mehr daraus geworden – immer wieder wird beobachtet, dass Raben und Wölfe miteinander spielen. In unserer Dewezet-Serie „Einfach tierisch“ geht es heute um dieses Tier-Duo.

veröffentlicht am 08.05.2018 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 08.05.2018 um 19:35 Uhr

Ein Wolf und ein Kolkrabe sind in einer eher seltenen Aufnahme zu sehen. Die beiden Tierarten verbindet eine besondere Freundschaft – was es damit auf sich hat, lesen Sie heute in unserer Mai-Serie „Einfach tierisch“. Foto: dpa
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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HAMELN-PYRMONT. „Es gibt eine Kooperation beim Jagen“, sagt Matthias Vogelsang, Wolfsberater für das Land Niedersachsen. Vogelsang lebt seit acht Jahren – zu bestimmten Zeiten – im Saupark unter Wölfen, als ranghohes Rudelmitglied. Bei der gemeinsamen Jagd, bestätigt er, fliegen die Raben voraus und zeigen an, wo es Beute oder Kadaver gibt. „Von oben ergibt sich eine ganz andere Perspektive, die Vögel können auf ganz andere Distanz sehen.“ Wölfe hätten zwar auch eine gute Nase, aber wenn der Wind falsch stehe, nütze das der besten Nase nichts.

Von der Beute überlassen die Wölfe den Raben nicht nur einen kleinen Teil, sie zerlegen den Vögeln ihren Snack sogar in schnabelgerechte Stücke. Ohne die Hilfe der beißstarken Jäger würden die zahnlosen Raben nicht durch Fell und Haut an das Fleisch kommen. Ohne Wölfe trauen sich Raben meist gar nicht an einen Kadaver heran. Der Grund für so viel Vorsicht: Gemeinsam mit Bär, Puma oder Kojote zu speisen, kann für Raben tödlich enden. Nur sein Freund, der Wolf, lässt ihn gewähren.

Viele Forscher vermuten, dass die beiden so unterschiedlichen Arten noch mehr verbindet als die reine Zweckgemeinschaft. Immer wieder wird berichtet, wie Raben Wölfe in den Schwanz picken, davonfliegen und von neuem beginnen. Dass zwei Tierarten auf diese Weise miteinander „spielen“, lässt auf großes Vertrauen schließen. Rabenforscher, Verhaltensbiologe und Bestsellerautor Professor Dr. Bernd Heinrich von der Universität von Vermont („Die Weisheit der Raben“, „Die Seele der Raben“) vermutet sogar, dass die Raben gar eine Art Haustier für die Wölfe sind. Beim Spielen würden sich die Tiere gegenseitig kennenlernen und zwischen Wolf und Rabe entständen vertraute soziale Beziehungen.

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Wölfe lernen zudem früh, die Rabenrufe zu unterscheiden. Forscher vermuten, dass beide Seiten Kommunikation nutzen, um sich aufeinander einzustimmen. Sie haben beobachtet, dass Raben auf das aufgeregte Jaulen der Wölfe mit lauten Rufen antworten, um dann anschließend gemeinsam zur Jagd aufzubrechen.

In Europa beobachtet man die Kooperation erst seit ungefähr drei Jahrzehnten, sagt Matthias Vogelsang, Forschungsarbeiten kennt er nicht. „Die Indianer wissen das schon viel länger“, sagt er. Die amerikanischen Ureinwohner bezeichnen die Raben als Augen der Wölfe. Beide gelten als weise Tiere.

Auch in der nordischen Mythologie spielen Rabe und Wolf eine zentrale Rolle. So lässt sich der Kriegsgott Odin von je zwei Raben und Wölfen begleiten. Die schwarzen Vögel Hugin und Munin sind Boten, sie fliegen aus und berichten, was sie gesehen haben. Die Wölfe Geri und Freki begleiten Odin auf seinen Streifzügen durch die Welt.

Raben und Wölfe teilen auch das Schicksal, dass sie vom Menschen bekämpft wurden. Nach Erfindung der Schusswaffen dauerte es nicht lange, bis Mitteleuropa nahezu „wolfsfrei“ war. Auch die Raben waren fast ausgestorben. Erst seit ihrer Wiedereinbürgerung in Parks lässt sich ihr Verhalten gegenüber Wölfen gut beobachten. So finden sich etwa eine Stunde vor der Wolfsfütterung Raben am Gehege ein, scheinbar einer inneren Uhr folgend.



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