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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Paraguay und das Trauma von der späten Niederlage

"Pustekuchen - wir wissen auch, wie man Fußball spielt!"

Steinbergen. Die späten Treffer zur 0:1-Niederlage entwickeln sich zu einem WM-Trauma für Paraguay. 1998 unterlagen die Südamerikaner im Achtelfinale dem späteren Weltmeister Frankreich durch ein Golden Goal, vier Jahre später war es ebenfalls im Achtelfinale der Deutsche Oliver Neuville, der den WM-Hoffnungen Paraguays in der 88. Spielminute ein jähes Ende setzte. Und jetzt ist schon in der Vorrunde Schluss: Am Donnerstag hat Paraguay gegen Schweden verloren. Mit 0:1. Durch Ljungbergs Tor in der 89. Minute.

veröffentlicht am 17.06.2006 um 00:00 Uhr

"Heute sind wir Paraguayer - morgen wieder Deutsche": Hartmut un

Autor:

Christiane Riewerts

Im WM-Stadion in Berlin mitgefiebert und mitgelitten haben Hartmut und Mathias Ehlert aus Steinbergen. Für Paraguay, versteht sich. Miguela Ehlert, in Paraguay geboren und aufgewachsen, ist mit dem zweiten Sohn, dem zehnjährigen Maximilian, zu Hause in Steinbergen geblieben. "Das hätte ich gar nicht durchgestanden im Stadion", meint sie, "diese ganzen Emotionen..." Voller Zuversicht hatten sich Vater und Sohn am Mittag auf den Weg nach Berlin gemacht, die paraguayische Fahne im Gepäck, die Fußballleidenschaft im Blut. "Bei den südamerikanischen Teams hört man immer nur von Brasilien und Argentinien, die Kleinen werden dabei völlig unterschätzt", sagt Hartmut Ehlert. Und empört sich liebevoll-leidenschaftlich: "Pustekuchen - wir wissen auch, wie man Fußball spielt!" Das "wir", es rutscht dem Deutschen ganz selbstverständlich heraus. Kein Wunder: Schließlich gehört Paraguay seit gut zwei Jahrzehnten ganz selbstverständlich zu seinem Leben. In einem japanischen Restaurant in Paraguay lernte der Architekt Hartmut seine spätere Frau Miguela kennen, an seinem allerersten Abend im fremden Land. Es war Liebe auf den ersten Blick, Liebe für ein ganzes Leben. Vor knapp 18 Jahren wurde Sohn Mathias in der Hauptstadt Asunción geboren, kurz darauf ging die Familie nach Deutschland, wo sie seither in Steinbergen zu Hause ist. "Ich bin in Deutschland so freundlich aufgenommen worden, ich fühle mich hier richtig zu Hause", sagt Miguela Ehlert. Ihre lateinamerikanischen Wurzeln pflegt sie dennoch: Regelmäßig trifft sie sich mit Freundinnen aus der Region, die ebenfalls aus Südamerika eingewandert sind. Dann wird Spanisch gesprochen, "und die Männer müssen irgendwann gehen..." Zum dritten Mal in Folge hat sich das 5,7-Millionen-Einwohner-Land für die WM-Endrunde qualifizieren können. Mit Roque Santa Cruz, Nelson Valdez und Julio Dos Santos hat Paraguay drei bekannte Bundesliga-Spieler im Nationalteam. Beliebt ist in Deutschland vor allem einer: "Auf Roque werde ich überall angesprochen", erzählt Miguela Ehlert mit einem Lächeln. "Vor allem von jungen Mädchen..." Klar, der 24-Jährige mit den dunklen Haaren und den tiefschwarzen Augen hat was. Zum Beispiel, wenn er mit den Sportfreunden Stiller "Ich, Roque" singt. Das findet auch die Zeitung "Die Welt", die den Bayern-Stürmer zum attraktivsten Spieler der WM gewählt hat. Attraktiv ja, aber erfolglos: Beim glücklosen Gruppenspiel gegen Schweden blieb der verletzungsgeplagte Star glanzlos. Ein Gutes immerhin hat das frühe Ausscheiden Paraguays: Es wird kein Achtelfinale gegen Deutschland geben. Also auch keinen Riss durch die Familie Ehlert.

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