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Vor Gericht: Geldstrafen für Betrüger / Frau wird Autobesitzerin, ohne es zu wissen

Psychisch Krankeüber den Tisch gezogen

Bad Eilsen/Bückeburg (ly). Mit dem Instinkt eines Raubtieres muss dieser Mann wohl gewittert haben, dass er leichte Beute hatte. Sein Gegenüber, eine psychisch kranke Frau, die zumindest zeitweise nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist, unterzeichnete alles, was sie vorgelegt bekam. Sieben Mal hatte die Rintelnerin am Ende in einem Bad Eilser Tanzcafé ihren Namen geschrieben, zum Beispiel unter einen Darlehensvertrag, dessen entscheidende Passagen der charmante Herr (56) aus gutem Grund verdeckte.

veröffentlicht am 08.11.2006 um 00:00 Uhr

Die 51-Jährige war einem vorbestraften Betrüger auf den Leim gegangen. So wurde sie vor drei Jahren ohne ihr Wissen zur Besitzerin eines Autos. Gefahren hat den finanzierten Gebrauchtwagen, einen Kleintransporter mit Stern, allerdings ein offenbar nicht kreditwürdiger Stadthäger Bekannter (41) des Betrügers, der als Nutzer auch die Raten zahlte. Nachdem dieser zweite Mann in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und nicht mehr blechen konnte, flog die Sache auf. Beim Kauf war keine Anzahlung nötig gewesen. Für den Restwert sollte nun nach dem Willen der Bank die Frau aufkommen, auf deren Namen das Fahrzeug zugelassen war. Die Summe liegt irgendwo zwischen 2700 und 6000 Euro. In einem Prozess vor dem Bückeburger Amtsgericht blieb die genaue Höhe jetzt zunächst unklar. Verantworten mussten sich beide Männer. Die Urteile: 4000 Euro Geldstrafe für den aalglatten Betrüger, 1200 Euro für den Komplizen. Auf das Konto jedes Angeklagten gehen bereits Vorstrafen im zweistelligen Bereich. "Niemand wollte sie betrügen", beteuerte der ältere Mann, der die Rintelnerin im Café "zufällig getroffen und um Hilfe gebeten" haben will, sich ansonsten aber an erstaunlich wenig erinnern konnte. Richter Armin Böhm hatte jedoch "nicht den geringsten Anhaltspunkt", dass die Frau etwas Falsches gesagt haben könne. "Meine Mutter hat noch nie etwas allein entschieden", berichtete die Tochter (30) der Rintelnerin. "Sie ist auf unsere Hilfeangewiesen." Die Mutter kannte den dubiosen Finanzjongleur, der vor Gericht einen betont lässigen Eindruck machte, nachdem er ihr eine Versicherung verkauft hatte. Eingeschmeichelt hatte der Betrüger sich anscheinend mit dem Versprechen, der arglosen Arbeiterin einen besser bezahlten Job besorgen zu wollen. Im Tanzcafé gaukelte der Kaufmann seiner Tischdame sinngemäß vor, diese könne mit ihren Unterschriften dazu beitragen, dass seine geschiedene Frau ihm ein Auto zurückgebe. Dass die psychisch kranke Frau durch die Autogramme zur Autobesitzerin wurde und eine Verbindlichkeit einging, war der 51-Jährigen nicht klar. Das Motiv des Gauners, ein Opferüber den Tisch zu ziehen, ohne finanziell selbst davon zu profitieren, blieb etwas unklar. Vielleicht wollte der 56-Jährige einfach seinem Nachbarn zeigen, was für ein toller Hecht er ist.

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