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Vor Gericht: Rintelner (45) soll sich an seinen vier Kindern vergangen haben / Vorwürfe bestritten

Prozessauftakt: Vom eigenen Vater missbraucht?

Rinteln/Bückeburg (ly). Die Familie ist daran zerbrochen: Ein früherer Rintelner (45) soll seine vier minderjährigen Kinder über einen Zeitraum von mehreren Jahren wiederholt sexuell missbraucht haben. Seit gestern muss sich der Mann, der nach der Trennung allein in einen anderen Kreis umgezogen ist, vor der 1. Großen Jugendkammer des Bückeburger Landgerichts verantworten. Im Fall eines Schuldspruchs droht dem Angeklagten eine womöglich mehrjährige Haftstrafe. Es geht um 18 Straftaten, darunter auch gefährliche Körperverletzung. In zwei Fällen soll der Vater seine Söhne mit einer Gürtelschnalle verprügelt haben.

veröffentlicht am 10.10.2006 um 00:00 Uhr

Beim Prozessauftakt hat der 45-Jährige die Vorwürfe zum Teil vehement bestritten. Teilweise räumte er auch ein, seine Kinder im Intimbereich berührt zu haben, führte dafür jedoch sozusagen medizinische Gründe an. So sollen die Jungen an einer Vorhautverengung gelitten haben. "Meine Frau sagte, ich sollte mal nachgucken." Dabei habe er sich "nichts gedacht". Für seine Frau hat der 45-Jährige allerdings "zu oft nachgeguckt". Den Vorwurf, sich an seiner Tochter ebenfalls vergangen zu haben, nannte der Angeklagte "schrecklich". Und zu den angeblichen Schlägen mit einem Gürtel meinte er: "Ich bin schockiert." Vor dem Umzug nach Rinteln hatte die Familie im Extertal gelebt. Auch dort soll es bereits zu sexuellenÜbergriffen gekommen sein. Heute sind die vier Jungen und Mädchen zwischen fünf und 14 Jahren alt. Laut Anklageschrift datieren die ersten mutmaßlichen Übergriffe aus dem Jahr 1999, die letzten von Anfang vergangenen Jahres. In polizeilichen Vernehmungen, die auf Video aufgezeichnet worden sind und nun im Gerichtsaal vorgeführt werden, haben die Kinder ihren Vater belastet. Angezeigt hat den 45-Jährigen seine Noch-Ehefrau. Beide gehören unterschiedlichen Religionsgemeinschaften an, worüber es zum Streit gekommen sein soll. Ob dies stimmt und darüber hinaus für die Beurteilung des Falles eine Rolle spielt, muss sich noch zeigen. Für die Frau gibt es "nur einen Grund, weshalb eine Ehe geschieden werden darf: Hurerei und Ehebruch", wie die 34-Jährige vor Gericht erklärte. "Mein Mann hat mit den Kindern Ehebruch begangen." Wenn das wahr wäre, hätte die Frau 14 Jahre lang mit einem Pädophilen zusammengelebt, ohne davon zu wissen. Der Prozess wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.

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