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Evangelischer Pastor hält Frankreich-Vortrag beim "Treff im Stift"

Protestanten starben als Märtyrer

Obernkirchen (sig). Frankreich war zumindest in der Vergangenheit kein Mekka der Protestanten. Es gab Zeiten, in denen ihr Leben keinen Pfifferling wert war. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie auch heute noch eine verschwindend kleine Minderheit von zwei bis drei Prozent der Bevölkerung bilden. Die geschichtlichen Hintergründe beleuchtete bei einem Vortrag im Stift Pastor Wilhelm von der Recke aus Cuxhaven .

veröffentlicht am 15.03.2008 um 00:00 Uhr

Elf Jahre lang war der vom "Treff im Stift" verpflichtete Referent Seelsorger der deutschen evangelischen Gemeinde in Paris. Er hatte dort Zugang zu wichtigen Dokumenten und Informationsquellen, aus denen er sein Wissenüber die Zeit von der Reformation bis zur Revolution speiste. Der französische Protestantismus habe, so der Theologe, eine ganz andere Geschichte als der deutsche - auch wenn sich die Gedanken Martin Luthers nach dem Verkünden der Wittenberger Thesen ebenfalls in Frankreich ausbreiteten. Die Könige ließen die Anhänger der Reformation, die meistens aus gebildeten Kreisen kamen und Hugenotten genannt wurden, als Ketzer verfolgen, festnehmen und umbringen. Die evangelische Kirche wurde zu einer Glaubensgemeinschaft der Märtyrer. Mit dem Reformator Johannes Calvin setzte sich in Frankreich ein einflussreicher Mann an die Spitze der evangelischen Bewegung. Nach Luthers Tod kam es 1559 zu einer nationalen Synode in Paris, die das Glaubensbekenntnis der französischen Reformation sowie eine Kirchenordnung schuf. Nachdem ein Versöhnungsgespräch mit der katholischen Kirche gescheitert war und die Protestanten weiterhin landesweit verfolgt wurden, gab es mehrere kriegerische Auseinandersetzungen mit den Hugenotten. Schlimmer Höhepunkt war die sogenannte "Bartholo- mäusnacht" am 23. August 1572. Damals verloren 30 000 Protestanten ihr Leben. Ludwig der XIV. verbot die Ausübung ihrer Religion. Bis zu 400 000 Hugenotten gelang in der Folgezeit die Flucht in Nachbarländer. Rund 44 000 kamen nach Deutschland, etliche auch in das Schaumburger Land. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm die Verfolgung ab. Ein Ende dieser für das Land so nachteiligen Zäsur bereitete die französische Revolution. Heute seien die Protestanten endlich in der Mitte der französischen Gesellschaft angekommen, versicherte der Vortragende.



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