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"Rassismus" im Vergewaltiger-Prozess

Protest gegen Bückeburger Urteil aus Italien

Landkreis/Cagliari (jl/dpa). Ein angeblich mildes Urteil gegen einen in Bückeburg wegen Vergewaltigung verurteilten Mann aus Sardinien hat in Italien zu Protesten geführt. Grund: Der zuständige Richter vom Landgericht Bückeburg soll in seinem Urteilsspruch die "besonderen kulturellen und ethnischen Prägungen" des Täters berücksichtigt haben, mit denen dessen Eifersucht zu begründen sei. Das auf Sardinien vorherrschende "Rollenbild von Mann und Frau müsse strafmildernd berücksichtigt werden", hieß es in dem Anfang 2006 gefällten Urteil. Der damalige Vorsitzende Richter, Börries Freiherr von Hammerstein, sieht die Sache ganz anders.

veröffentlicht am 13.10.2007 um 00:00 Uhr

Der Verurteilte hatte bis zu seiner Verhaftung durch ein Sondereinsatzkommando der Polizei in Stadthagen als Kellner gearbeitet und in der Kreisstadt gewohnt. Er war wegen Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung in mehreren Fällen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Opfer war seine Lebensgefährtin. Die Quälereien hatten sich über Wochen hingezogen, bis sich das Opfer der Polizei anvertraute. Die neue Anwältin des 29 Jahre alten Täters, die bei einem Gericht in Cagliari die Auslieferung des Sarden erwirken will, damit er seine Strafe in Italien absitzen kann, wurde jetzt auf die Urteilsbegründung aufmerksam. "Das ist inakzeptabler Rassismus", zitierte die Zeitung "Corriere della Sera" die Verteidigerin Annamaria Busia. "Die drehen das in ein völlig falsches Licht", merkte dazu gestern der inzwischen pensionierte von Hammerstein auf Anfrage dieser Zeitung an. Der entscheidende Faktor für die verminderte Schuldfähigkeit in diesem Fall sei der "psychische Defekt" des Angeklagten gewesen. "Jeder Deutsche wäre genau so verurteilt worden," ergänzte er. Die sardische Herkunft des Mannes sei für die Kammer ein "Versuch der Erklärung" gewesen. In Italien prangte die Geschichte am Freitag auf den ersten Seiten der großen italienischen Tageszeitungen. "Dem milden Urteil aus Bückeburg zufolge wäre Sardinien ja schlimmer als Saudi-Arabien", kommentierte "La Repubblica". Demnach müsste es auf der Mittelmeerinsel den Männern erlaubt sein, Frauen als Sklaven zu halten, sie zu verprügeln und zu vergewaltigen, hieß es. Der rechtsgerichtete sardische Abgeordnete Bruno Murgia von der Alleanza Nazionale sprach von einem "dummen und ignoranten Richter" und drängte die Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi, von Deutschland eine formelle Entschuldigung zu verlangen. Außerdem solle sie "einen Gratiskurs in kultureller Anthropologie anbieten", sagte Murgia. Gestern hat das Landgericht Bückeburg auf die Anfragen und Vorwürfe aus Italien reagiert. In einer Pressemitteilung stellt Sprecherin Birgit Brüninghaus zum Vorwurf "mild" fest, dass im Fall des Angeklagten wegen erheblicher Verminderung der Steuerungsfähigkeit eine Strafmilderung vorgelegen habe. In solchen Fälle liege der Strafrahmen zwischen sechs Monaten und elf Jahren Haft. "Die ausgeurteilte Freiheitsstrafe liegt genau in der Mitte des Strafrahmens", so die Sprecherin.



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