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Gottesdienst für Rettungskräfte / "Niemand, der hilft, kommt ohne Hilfe aus"

Profi im Umgang mit Leid wird man nie

Rinteln (cok). Dass nicht die Orgel, sondern das Feuerwehrorchester Rinteln mit seinen Bläsern und einem melancholisch wirkenden Schlagzeug den Gottesdienst in der Nikolaikirche musikalisch begleitet, ist wirklich ungewöhnlich. Es war der Abend-Gottesdienst am Sonntag, speziell gefeiert für Rettungskräfte, die den Menschen in der größten Not beistehen und dabei selbst manchmal anihre Grenzen geraten.

veröffentlicht am 15.05.2007 um 00:00 Uhr

Gottesdienst für Retter: Mitarbeiter von Feuerwehren und vom DRK

Männer und Frauen in der würdigen blauen Feuerwehruniform saßen im Gestühl, dazu Helfer von THW, DLRG, DRK, Polizei und aus dem Krankenhaus. Und sogar Notfallseelsorger Pastor Frank Waterstraat trug die Uniform der Feuerwehr, als Zeichen der Solidarität mit allen, die zur Stelle sind, wenn es wieder einen Unfall auf der Autobahn gab, wenn es irgendwo brennt oder Menschen sich gegenseitig verletzten. "Das sind Extremsituationen, in denen auch die Helfer die größten körperlichen und seelischen Belastungen ertragen müssen", sagte er. Wie man mit solchen Belastungen umgehen kann, davon auch handelte die Predigt von Superintendent Andreas Kühne-Glaser, der selber, in seiner Zeit als Gemeindepfarrer, in der Notfallseelsorge arbeitete und aus eigener Erfahrung die Situation kennt, in der das Notfall-Handy klingelt und man weiß: Jetzt geht es nicht um irgendeine alltägliche Kleinigkeit, jetzt sind andere Menschen in echter Not und brauchen routinierte, unaufgeregte Hilfeleistungen. "Wie kann man das dafür Gelernte auch in Extremsituationen anwenden?", fragte er. Dabei schilderte er einen Fall aus seiner eigenen Arbeit, als er in eine Familie zu drei Kindern gerufen wurde, deren Mutter gerade den Vater getötet hatte. "Ich habe auf der Fahrt zum Ort des Geschehens innerlich und am ganzen Körper gezittert", gestand er ein und beschrieb, wie er eine Art Schutzschirm um sich herum zog, um Weinen, Blut und Geschrei ertragen zu können. "Diese Möglichkeit hat Gott selber so eingerichtet", betonte er. Und doch hätten viele Helfer schon die Erfahrung gemacht, dass es ihnen nicht gelang, den so notwendigen Abstand zu wahren. "Niemand, der hilft, kommt selber ohne Hilfe aus", sagte Kühne-Glaser und fand durchaus drastische Worte dafür, wie er sich im Gebet an Gott wendet, damit der ihm zur Seite stehen möge: "Ich erflehe seine Hilfe, ich befehle ihn herbei: Du, Herr, hast mich in diese Situation gestellt und hast nun die Pflicht und Schuldigkeit, jetzt da zu sein!" Man könne, das war sein Rat für alle Rettungskräfte, das Gebet ins "Handwerks-zeug" der Notfallhilfe aufnehmen und damit die "Gottesmacht" aktivieren, um sich so in den Machtbereich einer Kraft stellen, die größer ist als man selbst. "Ein Profi im Umgang mit dem Leid wird man nie - und das ist auch gut so: Man will ja Mensch mit Herz und Seele bleiben." Dieser ungewöhnliche Gottesdienstes, in dem Pastor Dieter Meimbresse aus Lauenau sehr eindrücklich den Segen sprach, war Teil der Notfallseelsorge der Landeskirche, deren Mitarbeiter nicht nur für die Betroffenen eines Unglücks da sind, sondern gerade auch für die Helfer, die nach überstandener Hilfeleistung manchmal Bilder mit sich herumtragen, die sie nicht mehr loswerden. Ihnen galt der besondere Dank des Superintendenten.



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