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Erneut gehen im Obernkirchener Werk Arbeitsplätze verloren / Management und Betriebsrat verhandeln über Stellenzahl

Produktionslinie wird stillgelegt: Heye baut Personal ab

Obernkirchen. Erneut baut Heye-Glas Personal ab. Eine von neun Produktionslinien wird im kommenden Jahr stillgelegt. Wie viele der 468 Mitarbeiter davon betroffen sind, wollte die Geschäftsführung gestern noch nicht sagen, die genaue Zahl stehe noch nicht fest.

veröffentlicht am 04.11.2006 um 00:00 Uhr

Zur Kompensation der wegfallenden Produktionslinie trägt die End

Autor:

Frank Werner

Nach Auskunft von Unternehmenssprecher Patric Edel werdeüber maximal ein Neuntel aller Stellen verhandelt, also über etwa 50 Arbeitsplätze - eine rechnerische Obergrenze, wie Edel betont, die wahrscheinlich nicht erreicht werde. Verhandlungen mit dem Betriebsrat stehen noch bevor. Dass dieälteste Produktionslinie ausgemustert wird, ist hingegen beschlossene Sache. Die über 28 Jahre alte Technik gilt als besonders kostenträchtig und nicht mehr profitabel. Mit der Stilllegung reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Kostendruck, der vor allem aus drastisch gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen resultiere. Allein beim Erdgas habe Heye eine Kostensteigerung von 30 Prozent verkraften müssen, die nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werden könne, sagt Edel. Betriebsrat und Mitarbeiter wurden auf einer Belegschaftsversammlungüber den geplanten Stellenabbau informiert. Konkrete Zahlen hat die Geschäftsführung auch hier nicht genannt. "Wir rechnen Ende des Monats damit", sagt Betriebsratschef Stephan Seiffert. Die von Unternehmenssprecher Edel genannte Maximalzahl hält Seiffert allerdings für "wesentlich zu hoch" gegriffen: "Dann wäre der Betrieb nicht mehr überlebensfähig." Seiffert drängt auf schnelle Klärung: "Ich will nicht, dass sich 468 Mitarbeiter unter dem Weihnachtsbaum fragen, ob sie betroffen sind." Für den langjährigen Betriebsrats-Vorsitzenden sind Verhandlungen über Personalabbau inzwischen zu einer Art trauriger Routine geworden. Seit 1999 steht bei Heye bereits der fünfte Personalabbau ins Haus. Damals zählte die Glashütte noch über 700 Mitarbeiter. Vergleichsweise stabil blieb die Belegschaftsstärke des Anlagenentwicklers Heye-International, der heute 151 Mitarbeiter zählt. "Personalabbau ist Scheiße", kommentiert Seiffert die neuerliche Runde deutlich. "Es ist bitter für die Belegschaft, und nicht nur für sie, es sind wie immer viele Familien betroffen." Trotz der Stilllegung soll die Produktionskapazität in Obernkirchen gehalten werden, sagt Unternehmenssprecher Edel. Die Marktchancen haben sich für Heye wie für die gesamte deutsche Behälterglasbranche in diesem Jahr verbessert, nicht nur wegen des absatzstarken WM-Sommers, sondern auch aus strukturellen Gründen: Überkapazitäten, die den Markt jahrelang lähmten, wurden zum Teil abgebaut. Mit zur Kompensation der wegfallenden Produktionslinie beitragen soll eine neue, von Heye-Glas und Heye-International entwickelte Glasformungsmaschine, die Ende Juli dieses Jahres in Betrieb genommen wurde. Die neue Maschine für Weißglasflaschen (vor allem Wein, Sekt und Alko-Pops) garantiere eine "stabile Fertigung, welche höchsten Qualitätsstandards" entspreche. Auf der Fachmesse Glasstec Ende Oktober in Düsseldorf wurde die neue Technik vorgestellt. Heye hat dafür rund 2,5 Millionen Euro investiert. Eine noch größere Investition steht im Jahr 2008 an: Dann soll die dienstälteste der drei Wannen (die Braunglaswanne) ersetzt werden.

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