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Von fünf Stellen im Sommer ist keine besetzt / Jugendhof rührt Werbetrommel

Problem mit der kürzeren Dienstzeit: Der "Gotteshütte" gehen die Zivis aus

Kleinenbremen (ly). Von Stellen imÜberfluss kann das Heer der Arbeitslosen nur träumen. Im Zivildienst ist dies Wirklichkeit. Die Kehrseite: Der Jugendhof Porta Westfalica, bekannt als "Gotteshütte", sucht dringend Zivildienstleistende.

veröffentlicht am 17.05.2008 um 00:00 Uhr

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Fünf Stellen sind in Kleinenbremen zu besetzen. Bisher jedoch sieht es so aus, als blieben alle von Juni bis September frei. Danach beginnt der neue Zyklus mit zunächst zwei Ersatzmännern. Ein Zivildienstleistender (kurz: Zivi) von zuletzt Dreien hat im April aufgehört. Nils Meier und Sebastian Säger, die zurzeit Dienst schieben, gehen Ende Mai. "Die Chancen, dass wir für den Sommer noch jemanden finden, sind gleich null", befürchtet "Gotteshütte"-Verwaltungsleiter Florian Staab. "Es gibt wesentlich mehr Stellen als Zivildienstleistende. Unser Problem bei der Werbung ist vielleicht, dass wir keine zentrale Lage haben." Längst hat der Wettbewerb um Ersatzdienstleistende begonnen, Wohlfahrtsverbände rühren die Werbetrommel. Florian Staab setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Zudem ist die "Gotteshütte" bei der Zivi-Börse des Kölner Bundesamtes für den Zivildienst (BAZ) angemeldet. Wie dem Kleinenbremer Jugendhof geht es vielen. Ein Grund ist die zunehmende Dienstzeitverkürzung. Zurzeit sind es neun Monate. "Je kürzer die Dienstzeit, desto höher die Durchlaufgeschwindigkeit", erklärt BAZ-Sprecher Rüdiger Löhle. "Die Verweildauer nimmt ab." Auf Herbst fallen die meisten Dienstantritte, weshalb es im Sommer darauf zu Engpässen kommt. "Außerdem werden Väter und Verheiratete seit 2004 nicht mehr einberufen", so Löhle. "Und das Höchstalter wurde auf das vollendete 23. Lebensjahr gesenkt." In der Regel suchen sich Zivildienstleistende ihre Plätze selber. Nur etwa zehn Prozent werden vom Bundesamt einberufen. In ganz Deutschland gibt es nach BAZ-Angaben rund 115 000 Stellen. Darauf kommen bis zu 70 000 Zivis, deren Zahl im Sommer auf etwa 40 000 fällt. Der Sold liegt zwischen 300 und 400 Euro. Hinzu kommt Geld für Verpflegung und Fahrtkosten. Für Zivis müssen die Einrichtungen zahlen. Die fünf Zivi-Stellen im Jugendhof (110 Mitarbeiter) sind attraktiv, wie Florian Staab betont. "Unsere Zivildienstleistenden haben flexible Arbeitszeiten, tragen Verantwortung und arbeiten zum Teil selbstständig", zählt er auf. "Man könnte sie als Mädchen für alles bezeichnen." Und ohne Zivis? "Kleinere Arbeiten wären unbezahlbar", meint Elektriker Matthias Schwalb. Ein wichtiger Bereich ist der Fahrdienst. Kinder und Jugendliche aus den Außenwohngruppen müssen zum Beispiel zur heimeigenen Kleinenbremer Luther-Schule (80 Schüler) oder anderen Schulen gebracht werden. "Fahrdienste sind personalintensiv, weil sie gleichzeitig anfallen", erklärt Staab. Außerdem arbeiten Zivis Hausmeistern wie Günther Aumann zu, gehen aber auch eigenverantwortlich handwerklichen Tätigkeiten nach. Nils Meier ist gelernter Tischler, Sebastian Säger Zimmerer und Fahrlehrer. Beide schätzen die abwechslungsreiche Arbeit. "Man bekommt eine Aufgabe." Außer auf ihrem Kerngelände hat die "Gotteshütte" Wohngruppen in Kleinenbremen, Minden, Rinteln und Krainhagen, wo zusammen rund 80 junge Menschen leben. Weitere 36 werden in vier Tagesgruppen betreut. Hauptbeleger ist das Schaumburger Jugendamt.



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