weather-image
17°
Engagement des Fürstenhauses in Kroatien: Zuckerfabrik, Ziegelei, Schnapsfabrik und Ananaszucht

"Private Kolonisierung" macht der Industrie Beine

Bückeburg (mig). Dass das Schaumburg-Lippische Fürstenhaus Besitzungen im heutigen Kroatien hatte und dort sogar Champagner keltern ließ, dürfte nur wenigen Bückeburgern bekannt sein. Ein Schlaglicht auf die slawonischen Großherrschaften hat jetzt der einwöchige Besuch von Professor Dragica ?uvak aus der Gespannschaft Virovitica-Podravinageworfen. Die Leiterin des Zaviajni Museum Slatina recherchierte die grenzüberschreitende Heimatgeschichte im Staatsarchiv Bückeburg - und förderte Erstaunliches zutage.

veröffentlicht am 05.09.2008 um 00:00 Uhr

0000498272.jpg

?uvak war nach Bückeburg gekommen, weil es in ihrer Heimat keine Quellen zur Geschichte der Industrialisierung gibt. Förderer dieser Entwicklung war vor allem Fürst Georg Wilhelm, der 1842 die zu Ungarn gehörende Doppelherrschaft Veröcze/Bukowitza und die benachbarte Herrschaft Miklos gekaufthatte. "Er wollte für den Fall des Verlusts der Herrschaft in seinen Stammlanden ein wirtschaftliches Standbein in Slawonien haben", erklärt Dr. Stefan Meyer, Leiter des Rintelner Museums Eulenburg, die Motive des Herrschers. Meyer, der seine Dissertation über "Georg Wilhelm, Fürst zu Schaumburg-Lippe. Absolutistischer Monarch und Großunternehmer an der Schwelle zum Industriezeitalter" schrieb, kennzeichnet den Fürsten als "technisch interessiert" und "über technische Neuerungen informiert". "In Slatina und auf anderen Besitzungen hat er das dann umgesetzt. Aus norddeutscher Sicht war das ein Experiment", sagt er. Tatsächlich unterhielt der Fürst neben Anlagen zur Korkgewinnung auch eine Zuckerfabrik, eine Ziegelei, eine Schnapsfabrik und - man höre und staune - eine Ananaszucht. "Wenn er sah, dass etwas Zukunft hatte, dann war er nicht geizig. Er war durchaus risikofreudig", so Meier über den "Unternehmer" Georg Wilhelm. Langfristig bezahlt gemacht hatsich die "private Kolonisierung" sowohl für den Fürsten aus Schaumburg-Lippe, als auch für die Bewohner der Großherrschaften. Professor Dragica ?uvak: "Das war hier der Anfang der Industrialisierung." An der Vielzahl der Archivalien im Bückeburger Staatsarchiv wird deutlich: Geleitet wurden die Großherrschaften Veröcze und Darda wohl zentral von Bückeburg. Fast alle Schriftstücke gingen zur Aufbewahrung in die ehemalige Residenzstadt, gesammelt werden die Archivalien heute unter der Nummer "K 32". Insgesamt erstreckt sich derFundus "Fürstliche Güter in Ungarn" auf fast 30 Regalmeter und umfasst einen Zeitraum zwischen 1855 bis 1951 (nach 1951 wurden die Güter dann verstaatlicht). "Ich habe hier mehr gefunden, als ich anfangs erwartet hatte", freute sich Professor ?uvak über die große Menge an Informationen. NebenTexten über Personalia, An- und Verkäufen, Verpachtungen oder technische Betriebe fielen ?uvak auch drei ganz außergewöhnliche Fundstücke in die Hände - authentische Champagner-Etiketten mit den Aufschriften: "Kneza Schaumburg-Lippe ovatuornica sampanjca u Slatini, Slavony" / "Fürst Schaumburg-Lippe'sche Champagner-Fabrik, Slatina in Slavonien". ?uvak: "Die habe ich schon lange gesucht. Sie stammen von einer Champagnerfabrik, die das Fürstenhaus Schaumburg-Lippe in Slatina unterhalten hat." Der gute Tropfen wurde - wie die deutsche Plakette beweist - vielleicht bis nach Bückeburg exportiert. Zum Abschluss ihres Forschungsaufenthalts in Schaumburg - mit Fahrten nach Bad Eilsen, Schloss Baum und Ahrensburg - bedankte sich?uvak beim Leiter des Bückeburger Staatsarchivs, Dr. Hubert Höing, und bei Stefan Meyer, Leiter des Museums Eulenburg mit den Worten "Ich habe mich willkommen gefühlt, alle waren sehr hilfreich" und einem Geschenk. Die Ergebnisse ihrer Recherchereise werden beim Aufbau einer Ausstellung zur heimischen Industriegeschichte Verwendung finden. Außerdem will ?uvak ein Buch schreiben. Für die Zukunft ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen Staatsarchiv, Eulenburg und Museumsleiterin ?uvak geplant, angedacht ist beispielsweise eine gemeinsame Ausstellung. Dr. Hubert Höing: "Ich könnte mirein internationales Projekt vorstellen, für das auch Mittel der EU eingeworben werden."

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare