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Stadt erstellt Grabenkataster / 671 Gräben mit insgesamt 172 Kilometern katalogisiert / Pflege-Kategorien aufgestellt

Prinzip "Zuruf" hat ausgedient - jetzt geht's mit System

Bückeburg (rc). Bisher erfolgt die Unterhaltung der Gräben im Stadtgebiet eher auf Zuruf. Der Ortsfürst, sprich Ortsbürgermeister, der am lautesten ruft und den schlimmen Zustand des Grabens eindrücklich schildern kann, der hat die meisten Chancen, dass sein Graben geräumt wird. Dieses Verfahren soll jetzt ein Ende haben. Die Stadt hat in den vergangenen Monaten ein Grabenkataster erstellt und will die Unterhaltung der Gräben künftig "systematischer und gezielter" vornehmen, teilte Bauamtsleiter Karlheinz Soppe mit. Ziel ist die Entwicklung eines Unterhaltungsrahmenplanes für die gesamte Stadt.

veröffentlicht am 01.06.2006 um 00:00 Uhr

Grabenräumung im Scheier Bruch: Künftig geht alles genau nach Pl

Die Mitarbeiter des Bückeburger Bauamtes addierten in den vergangenen Monaten einige interessante Zahlen. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet 671 Gräben, von denen sich 280 in privater Hand befinden. Insgesamt haben die Gräben eine Länge von 172 Kilometern. Alle Details der Gräben wie Länge, technische Daten, Funktion, Wasserführung oder Verrohrungen wurden in den Computer eingetragen. Die erheblichen Kosten für eine spezifische Grabenverwaltungs-Software konnten gespart werden. Das Programm - die erste kommunale Fachanwendung dieser Art im Landkreis - wurde von den Spezialisten der hausinternen GIS-Stelle, die für die Haltung der eigenen Geodaten zuständig ist, in enger Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt entwickelt. Dies sei für die Region einmalig, betonte Karlheinz Soppe. Früher habe es große Defizite bei der Aufgabenerledigung gegeben. Zentrales Problem war, dass ein konzeptionelles Abarbeiten der Aufgaben gar nicht möglich war, weil häufig im Einzelfall Angaben fehlten, wo welche Gräben sind und welche Funktion sie erfüllen. Die Grabenunterhaltung erfolgte häufig nur auf Zuruf. "Heute erhalten die Mitarbeiter des Baubetriebshofes einfach einen Lageplan aus dem GIS und wissen aufgrund der grafischen Information genau, wie oft sie welchen Graben zu räumen haben", schilderte Soppe die Vorteile. Die Gräben wurden bei der Bestandsaufnahme in drei Kategorien eingeteilt. Vorrang hatte dabei zunächst einmal der Bereich Wasserwirtschaft: Kategorie 1 umfasst die Gräben, die als Vorflut für Regenwasserkanäle oder Entwässerungsmulden dienen und aus einer geschlossenen Bebauung hinausführen. Diese Gräben werden regelmäßig kontrolliert und einmal im Jahr gemäht, inklusive der Abfuhr des Mähgutes. Außerdem wird regelmäßig ausgebaggert oder gefräst. Kategorie 2 umfasst Gräben, die Regenwasser-Hausanschlüsse oder Felddrainagen aufnehmen und als Sammelgräben für weitere End- oder Stichgräben dienen. Sie werden nur unregelmäßig kontrolliert, maximal einmal im Jahr gemäht und nur bei Bedarf ausgebaggert. Kategorie 3 umfasst Stich- und Endgräben im freien Gelände, die nur bei Bedarf kontrolliert, gemäht oder geräumt werden. In einem nächsten Schritt will die Stadt noch eine Zuordnung der anfallenden Kosten zu den einzelnen Grabenkategorien vornehmen. So könnten im Handumdrehen Aussagen über Grabenlängen in Bezug auf einzelne Pflegearbeiten erstellt werden. Auf dieser Basis könnten die politischen Gremien Zielvereinbarungentreffen und die Budgets im Haushalt festlegen. In einem weiteren, letzten Schritt soll der Bereich Ökologie katalogisiert werden, damit auch Aussagen zur Besiedlung mit Pflanzen und Tieren im und am Gewässer getroffen werden können. Dafür fehlt zurzeit das Personal.

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