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Nach dem Zusammenschluss mit dem Kreis Hameln wird das Ex-Waldecker Bad kräftig ausgebaut

Preußen war für Pyrmont der Gesundbrunnen

Hameln-Pyrmont (joa). Die „Hochzeit“ wurde am 5. April 1922 in der Dewezet unter „Bekanntmachungen der Kreisbehörden“ verkündet: „Mit dem heutigen Tage geht die bisher vom Landratsamt Pyrmont geführte Verwaltung auf das Landratsamt Hameln über. In allen den bisherigen Kreis Pyrmont betreffenden Angelegenheiten bin ich als Landrat und Vorsitzender des Kreisausschusses des nunmehr vereinigten Kreises Hameln-Pyrmont allein zuständig.“ Mit dieser Mitteilung bestätigte der damalige Landrat Dr. Ernst Theodor Loeb-Caldenhof den Anschluss der ehemals waldeckschen Provinz Pyrmonts an Preußen, die zum 1. April 1922 amtlich geworden war.

veröffentlicht am 11.05.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 04.02.2011 um 11:25 Uhr

Nach Pyrmonts Anschluss an Preußen erlebte das Bad einen Aufschw

Nach der Absetzung von Fürst Friedrich (1893-1918) im Zuge der revolutionären Umwälzungen nach dem Ersten Weltkrieg war 1919 eine „Verfassunggebende Waldeck-Pyrmonter Landesvertretung“ gewählt worden. Das Gremium war aufgeschlossen für den Anschluss an Preußen, der bisherigen Schutzmacht des Ländchens. Bereits 1848 war von fortschrittlichen Kräften diskutiert worden, ob Pyrmont sich nicht unter das preußische Dach begeben sollte. Es waren vor allem Persönlichkeiten in der Stadt Pyrmont, die sich mit dieser Frage beschäftigten; in den Dörfern war es weniger Thema. Der Pyrmonter Bürgerverein rief schließlich eine Versammlung ein, die eine Kommission beauftragte, ein Flugblatt auszuarbeiten, in dem die Bevölkerung aufgefordert wurde, sich Gedanken über Vor- und Nachteile „eines Anschlusses an Lippe oder Preußen Gedanken zu machen“.

Es entbrannte eine oftmals hitzig geführte Diskussion. Gegen den Anschluss an Preußen sprachen die in 300 Jahren gewachsene Anhänglichkeit ans Haus Waldeck und das Misstrauen gegen die schlechte finanzielle Lage Preußens. Für den Anschluss sprach das Argument, ein Staat mit 12 000 Einwohnern sei nicht lebensfähig und in der Lage, für den Fortschritt Bad Pyrmonts zu sorgen. Die Beratungen über das Thema zogen sich über Monate hin, die Kontroversen füllten Versammlungen und Zeitungsspalten. Schließlich vereinbarten die Politiker, eine inoffizielle Bürgerbefragung durchzuführen. Deren Ergebnis sollte für die heimischen Vertreter im waldeckischen Landtag eine Richtung vorgeben. Stimmberechtigt waren Männer und Frauen, die am 10. Oktober 1921 das 20. Lebensjahr vollendet und neun Monate lang ihren Wohnsitz in Pyrmonter Gemeinden hatten. Die Abstimmung fand am 16. Oktober 1921 statt. Die Beteiligung war relativ gering: Von 6371 Berechtigten gaben nur 3196 ihre Stimmzettel ab. War es Interessenlosigkeit oder Unentschlossenheit von breiten Bevölkerungskreisen? Das Ergebnis allerdings sprach eindeutig für den Anschluss an Preußen: 2546 Teilnehmer votierten pro, 640 gegen eine solche Verbindung, zehn Stimmen waren ungültig.

Wegen der geringen Beteiligung verlangten die Anschluss-Gegner in einem Aufruf vom 2. Januar 1922 eine neue, diesmal amtliche Bürgerbefragung. Doch es sollte bei der Forderung bleiben. Nachdem die waldeckische und die preußische Regierung durch ein Gesetz dem Anschluss zugestimmt hatten, wurde das ehemalige Fürstentum Pyrmont durch Reichsgesetz vom 24. März 1922 an Preußen angegliedert. Es wurde mit dem Kreis Hameln zum Landkreis Hameln-Pyrmont verschmolzen.

In der Dewezet war am 4. April 1922 zu lesen, dass der frühere waldecksche Kreis Pyrmont mit seinen elf Gemeinden etwas über 5000 Einwohner zählte. Der Kreistag in Hameln solle um fünf Mitglieder aus dem Kreise Pyrmont erweitert werden. Waldecksche Gesetze und Verordnungen galten noch übergangsweise; nur einer der Pyrmonter Staatsbeamten wurde übernommen. Durch Pyrmonts Übernahme war Polle fortan keine Hamelner Exklave mehr, das Kreisgebiet war abgerundet.

Der offizielle Übergang Pyrmonts an Preußen fand am Samstag, 1. April, in Anwesenheit des preußischen Innenministers Carl Wilhelm Severing und des versammelten Kreistages in Bad Pyrmont im Saal des Hotels „Zur Krone“ statt und endete mit einem Bierabend. Doch neue Veränderungen in der Konstruktion des Kreises warfen bereits ihre Schatten voraus: In der Kreistagssitzung vom 31. März hatte der Kreistagsabgeordnete und Hamelner Bürgermeister Ado Jürgens angekündigt, dass ein Ausscheiden der Stadt aus dem Kreisverband anstehe.

Die Bedeutung des bekannten Bades Pyrmont sollte durch die Übernahme durch Preußen mit neuen Bauten noch gesteigert werden. Das große Kurhaus, 1907 erbaut, wurde mit Preußens Hilfe renoviert, die Konzerthalle, die Arkaden und die Wandelhalle neu gebaut . Die Kurparkanlagen wurden erweitert.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Warum die Stadt Hameln aus der Verwaltung des Landkreises ausstieg.



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