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Erfahrungen eines Bundestagsabgeordneten in der Arztpraxis

Praktikant Edathy kritisiertÜberbürokratisierung

Bückeburg (bus). Während seines Sommerpraktikums 2006 hat der heimische Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy der Bückeburger Arztpraxis Richter / Schulz einen Besuch abgestattet. Vier Stunden lang informierte sich der Sozialdemokrat hautnah über die Arbeitsbedingungen von Allgemeinmedizinern. Im Anschluss an Hausbesuche und Praxiserfahrungen zeichnete sich deutlich ab, dass ein Berufswechsel des Politikers nicht zu erwarten ist.

veröffentlicht am 14.07.2006 um 00:00 Uhr

Praktikant Sebastian Edathy (blaues Hemd) informiert sich in der

Bereits die derzeitigen Abrechnungsmodalitäten per Punktesystem erschienen Praktikant Edathy - "nach so einem Muster würde ich mich auch nicht gern bezahlen lassen" - wenig erstrebenswert. Ein Wechsel zu Pauschalen sei unumgänglich. Generell sei im Gesundheitswesen einÜberbürokratisierung auszumachen, resümierte Edathy. "Weder marktwirtschaftlich, noch transparent", verdeutlichte der Abgeordnete. Allerdings handele es sich hier um eine komplexe Materie, die "nicht mit zehn Geboten in den Griff" zu bekommen sei. Edathy stimmte mit Dr. Ute Richter und Dr. Andreas Schulzüberein, dass Mediziner durch überbordende Bürokratie nicht von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden dürften. Richter und Schulz bezeichneten die Sommeraktion des Bundespolitikers als "gute Möglichkeit, sich auf einer Ebene anzunähern, die nicht von purer Konfrontation geprägt ist". Edathy freute sich über die Gelegenheit, "wechselseitig voneinander zu lernen und Vorurteile abzubauen". Er habe mit der Schaumburger Ärzteschaft in der jüngeren Vergangenheit bekanntermaßen "regen Kontakt" gehabt, rief der Abgeordnete in Erinnerung. Hintergrund: Im Mai hatten 40 Schaumburger Mediziner dem Politiker in Berlin einen Besuch abgestattet, dessen Beginn eine ziemlich gereizte Grundstimmung prägte. In der Auseinandersetzung um das so genannte Arzneimittel-Verordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz hatte ein Bückeburger Mediziner Edathy als "beratungsresistent" seziert. Der Sozialdemokrat weiche der Thematik aus, hatte es geheißen. Die Wogen schlagen mittlerweile nicht mehr so hoch wie noch im Wonnemonat. Weitere Erkenntnis des Praktikanten: "Auf jeden Fall scheint mir die Beratungsarbeit unterbewertet zu sein." Dem Gespräch zwischen Arzt und Patient komme ein Wert bei, der dazu beitragen könne, weniger Arzneien zu verordnen. Dass Gesprächen zwischen Ärzten und Politikern ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Wert innewohnt, unterstrichen Richter und Schulz: "Wir wissen den Besuch von Sebastian Edathy durchaus zu schätzen. Viele andere Leute machen so etwas nicht."

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