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Bückeburger Bahnhof beim "Tag des offenen Denkmals"

Prachtbau von 1847 will mehr sein als nur Wartesaal

Bückeburg (jaj). Der Bückeburger Bahnhof ist weit über die Stadtgrenzen hinaus ein bekanntes Gebäude. Die meisten Menschen verbinden jedoch nicht unbedingt positives mit ihm. Da ist die Rede von gestohlenen Fahrrädern, demolierten Autos und zwielichtigen Gestalten. Doch der Bahnhof hat auch ein ganz anderes Gesicht - und war in vergangenen Tagen ein wahres Prestige-Objekt.

veröffentlicht am 06.09.2008 um 00:00 Uhr

Das Hauptgebäude weist die klare Linienführung Karl Friedrich Sc

Den Auftrag zum Bau des Gebäudes gab der Fürst Georg Wilhelm zu Schaumburg Lippe, der von 1807 bis zu seinem Tod 1860 regierender Fürst war. Georg Wilhelm hatte Anfang der 1840er Jahre den Anschluss der Städte Bückeburg und Stadthagen an die Bahnlinie durchgesetzt. Natürlich gehörte zu einer Bahnlinie auch ein entsprechendes Gebäude. Als Architekten konnte man den Kasseler Julius Eugen Ruhl gewinnen, der nicht nur Architekt, sondern auch kurhessischer Oberbaudirektor und Generaldirektor der kurhessischen Stadteisenbahn gewesen ist. Im Laufe seiner Karriere hat Ruhl etwa 30 Bahnhofsgebäude entworfen, darunter auch die in Kirchhorsten, Stadthagen, Lindhorst und Haste. Der Bückeburger Bahnhof wurde schließlich 1847 fertiggestellt und ist ein optisch dreigeteiltes Gebäude im Stil Karl Friedrich Schinkels. Links befindet sich das zweigeschossige Hauptgebäude mit Walmdach. An einen flachen Mittelbau schließt sich ein zweigeschossiger Bau an, den ein schöner Säulengang ziert: die Kolonnade. Das Gebäude sollte damals mehr sein als "nur" Bahnhof. Aus diesem Grund erhielt es einen Restaurationssaal, eine Kegelbahn und sogar eine Aussichtsplattform auf dem Uhrenturm. Die Uhr des Turmes ist heute leider nicht mehr erhalten. Gesellschaftliche Unterschiede früherer Zeiten zeigt die Tatsache an, dass es eigene Aufenthaltsräume für die fürstliche Familie gab. Sie hatten ein eigenes Vestibül und zwei Zimmer. Auch die Reisenden der dritten Klasse bekamen ihren eigenen Wartesaal. Schon die Warteräume für die Fürsten-Familie zeigen die damalige Bedeutung des Gebäudes. Doch auch die geografische Lage des Bahnhofs ist ein Zeichen für seinen Stellenwert. Die Bahnhofstraße, die zum Bau des Gebäudes als Prachtstraße neu angelegt wurde, führt in geradem Weg direkt vom Bahnhof zum Schlosstor. Auch an der Rückwand des Gebäudes gibt es noch Spuren seiner bedeutungsvollen Vergangenheit: Ein metallgerahmtes, in Sandstein gehauenes und bemaltes Fürstenwappen mit den Initialen des Fürsten ziert die Rückwand. Leider ist es mittlerweile so von Büschen verdeckt, dass es nicht zur Geltung kommt und daher wahrscheinlich bis jetzt den meisten Menschen verborgen geblieben ist. Termin: Am "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 14. September, ist auch der denkmalgeschützte Bahnhof einen Besuch wert. Ein Führer steht nach Bedarf für Erläuterungen zur Geschichte und für weitere Auskünfte zur Verfügung. Zu den An- und Abfahrtszeiten der Züge fahren von 10.15 Uhr bis 17 Uhr Planwagen zum Marktplatz.

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