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Volksbank kritisiert staatlich unterstützte Institute: „Verdrängungswettbewerb“

Positive Bilanz trotz der Finanzkrise

Stadthagen/Hameln (wft). Trotz der Finanzkrise hat der Vorstand der Volksbank Hameln-Stadthagen gestern in Stadthagen eine positive Bilanz für das vergangene Jahr gezogen. Aufgrund des „sehr geringen Abschreibungsbedarfs im Wertpapierbereich“ und Einzelwertberichtigungen für Kredite auf dem Stand des Jahres 2007 habe das heimische Geldinstitut „einen sehr guten Gewinn“ vor Steuern in Höhe von 7,1 Millionen Euro erwirtschaftet, wie Vorstandschef Heinz-Walter Wiedbrauck auf der Bilanzpressekonferenz erklärte.

veröffentlicht am 26.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Stadthagen/Hameln (wft). Trotz der Finanzkrise hat der Vorstand der Volksbank Hameln-Stadthagen gestern in Stadthagen eine positive Bilanz für das vergangene Jahr gezogen. Aufgrund des „sehr geringen Abschreibungsbedarfs im Wertpapierbereich“ und Einzelwertberichtigungen für Kredite auf dem Stand des Jahres 2007 habe das heimische Geldinstitut „einen sehr guten Gewinn“ vor Steuern in Höhe von 7,1 Millionen Euro erwirtschaftet, wie Vorstandschef Heinz-Walter Wiedbrauck auf der Bilanzpressekonferenz erklärte. Das entspreche 0,7 Prozent des durchschnittlichen Geschäftsvolumens. „Damit hebt sich die Bank deutlich von der Konkurrenz ab.“ Vergleichbare Banken des Genossenschaftsverbandes lägen nur bei 0,38 Prozent, die 33 Banken in Südniedersachsen hätten im Schnitt vor Steuern sogar nur noch 0,13 Prozent verdient. Mit Zustimmung der Vertreterversammlung, die gestern Abend stattfand, will die Volksbank 731 000 Euro Gewinn in Form einer fünfprozentigen Dividende an ihre Mitglieder ausschütten.

Nach Angaben von Wiedbrauck hatte die Volksbank Hameln-Stadthagen „weder Lehmann-Papiere noch strukturierte Anleihen aus dem amerikanischen Subprime-Bereich im Depot“. Aus diesem Grund habe sich die Nettobelastung der volksbankeigenen Gewinn- und Verlustrechnung aus eigenen Wertpapieren mit 1,3 Millionen Euro „in engen Grenzen“ gehalten. Allerdings habe die Finanzmarktkrise die Volksbank im Geschäft mit den Kunden voll erwischt. „Ab September 2008 war das Geschäft wie abgeschnitten“, berichtete das Vorstandsmitglied Michael Joop. „Die Kunden haben ihre Depots plattgemacht.“ Die Folge: Der Provisionsüberschuss, der im August noch im Plan gelegen habe, sei bis zum Ende des Jahres 2008 von zehn auf neun Millionen Euro gefallen. Es habe eine Flucht der Anleger aus Wertpapieren und aus Geldanlagen fragwürdiger Institute gegeben. Das habe andererseits allein im Oktober bei der Volksbank Hameln-Stadthagen aufgrund ihres „soliden Geschäftsmodells“ zu einem Einlagenwachstum von 27 Millionen Euro geführt.

Noch keine gravierenden Probleme beim Handwerk

Günstig habe sich für die Volksbank die Lage an der Zinsfront entwickelt. Tagesgeld gebe es am Geldmarkt jetzt für 0,85 Prozent, auf zehn Jahre festgelegte Gelder brächten dagegen 4,2 Prozent. Das sei ein sehr guter Zinssaldo, mit dem sich Geld verdienen lasse, betonte Wiedbrauck. 2008 musste die Volksbank 67 Cent ausgeben, um einen Euro zu erwirtschaften, derzeit liege diese Cost-Income-Ratio bei 62 Prozent.

Massive Kritik äußerte der Vorstand an der Geschäftspolitik der staatlich unterstützten Banken. Da werde „mit Konditionen geworben, die jenseits jeglicher betriebswirtschaftlicher Kalkulation seien“, beschwerte sich Wiedbrauck. Sein Kollege Klaus Meyer sprach von Wettbewerbsverzerrung durch staatliche Hilfen und einen dadurch in Gang gesetzten Verdrängungswettbewerb. „Das hat uns alles richtig weh getan“, rügte Wiedbrauck und forderte für staatlich gestützte Banken, sie müssten sich an eine Art „Zinsspiegel“ ähnlich dem Mietspiegel halten.

Im Kreditgeschäft legte das Institut nach Angaben von Meyer im vergangenen Jahr nur um 0,7 Prozent auf 544,4 Millionen Euro zu. Mit der Ausgabe von 60,2 Millionen Euro ans Kreditneugeschäft sei das Unternehmen aber nicht unzufrieden. Im Gegensatz zu 2008 sei das Kreditgeschäft derzeit wieder „kleinteilig“ geworden. 2008 seien mehrere große Investitionsvorhaben jenseits einer Umsatzgrenze von zehn Millionen Euro im sozialen und sozialnahen Bereich sowie bei Firmen mitfinanziert worden.

Die konjunkturelle Situation im Weserbergland wird von der Volksbankführung derzeit noch positiv eingeschätzt. Beim Handwerk gebe es offenbar noch keine gravierenden Probleme, meinte Wiedbrauck. Die Lage sei aber unsicher, und auch das Konjunkturpaket II greife noch nicht.

Als erfolgreich bezeichnete Wiedbrauck die neuen Kompetenzzentren der Volksbank wie sie in Emmerthal und Bad Pyrmont errichtet worden seien. Wo Filialen geschlossen worden seien, sorge die Volksbank mit Geldautomaten für die Grundversorgung. Derzeit hat das Geldinstitut 22 Filialen, zwei Hauptstellen, 207 Mitarbeiter und 19 Auszubildende.

Der Vorstand der Volksbank Hameln-Stadthagen (v.li.): Michael Joop, Klaus Meyer und Volksbank-Chef Heinz-Walter Wiedbrauck.

Foto: wft



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