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Feuer in Raiffeisenlager mit 600 Tonnen Kunstdünger / 130 Feuerwehrleute sechs Stunden im Einsatz

Polizei warnt: Fenster und Türen schließen!

Krankenhagen (wm). Feuerwehren aus ganz Rinteln waren am Neujahrstag von 11.30 bis 17.30 Uhr im Einsatz, um einen Brand im Raiffeisenlager neben der Volksbank in Krankenhagen unter Kontrolle zu bekommen. Hier lagern rund 600 Tonnen Kunstdünger (Kalkammonsalpeter), von dem sich ein Teil aus bisher unbekannten Gründen entzündet hatte. Ein Anwohner hatte den Qualm bemerkt, der aus einer Dachluke des Gebäudes stieg.

veröffentlicht am 02.01.2007 um 00:00 Uhr

Das Feuer ist aus: Zwei Feuerwehrleute erklimmen den Kunstdünger

Das Einsatzkommando der Feuerwehr mit Stadtbrandmeister Helmut Meier, Ortsbrandmeister Burkhardt Schatz und dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Rainer Kuhlmann alarmierte die Spezialisten vom Gefahrgutzug des Landkreises aus Obernkirchen, die prüfen sollten, ob eine Gefahr für die Krankenhäger Bevölkerung durch möglicherweise austretende giftige Gase bestehe. Polizei und Feuerwehr fordertenüber eine Lautsprecheransage alle Anwohner rund um das Raiffeisenlager auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehrleute mit Atemschutz, die in die Halle vordrangen, berichteten, das Kunstdüngergranulat sei zu einem rund vier Meter hohen Berg aufgeschichtet, den man kaum erklimmen könne, der Brandherd nicht zu erkennen. Ein Dachsparren habe Feuer gefangen, sei eingeknickt und liege brennend auf dem Kunstdüngerberg. Die Lager seien praktisch randvoll, erläuterte ein Raiffeisenmitarbeiter, weil ab Februar die Landwirte Kunstdünger auf die Felder fahren. Durch eine Feuerschutzwand vom Kunstdünger getrennt lagerten in der Halle außerdem rund 800 Tonnen Getreide. Um den eigentlichen Brandherd zu lokalisieren, forderte Stadtbrandmeister Helmut Meier eine Wärmebildkamera an, die bei der Bückeburger Feuerwehr stationiert ist. Würde man den Kunstdünger einfach mit Wasser löschen, erläuterte Meier vor Ort, würde er sich verflüssigen und Stickstoff in die Kanalisation laufen. Eine Option wäre, die Halle abzudichten und mit CO 2 zu fluten, um den Brand zu ersticken. Außerdem gebe es da noch die Möglichkeit, den Kunstdünger mit Radladern und Lastzügen aus der Halle zu schaffen. Alle Möglichkeiten würden geprüft. Zunächst löschten die Feuerwehrleute den brennenden Dachbalken. Gegen 13 Uhr traf die Umweltschutzgruppe aus Obernkirchen unter Leitung von Clemens Keich ein und nahm laufend Messungen vor. Ergebnis: Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht. Anders bei der Feuerwehr: Die Feuerwehrleute, die in der Lagerhalle gewesen waren und Kontakt mit dem Dünger hatten, erhielten Order, ihre Kleidung luftdicht in Säcke zu verschließen, zu duschen und einen Arzt aufzusuchen. Gleichzeitig rollten zwei Lastzüge an, um - wenn erforderlich - den Dünger aus der Halle zu transportieren. Inzwischen waren rund 130 Feuerwehrleute aus Rinteln, Krankenhagen, Möllenbeck, Exten, Steinbergen, Uchtdorf und Obernkirchen im Einsatz. Kurz vor 17 Uhr meldete Stadtbrandmeister Helmut Meier, aus dem Schüttgut gebe es keine Rauchentwicklung mehr, jetzt würde mit einer Sonde die Kerntemperatur im Dünger gemessen. Der Dünger solle in der Halle bleiben - eine Brandwache werde eingerichtet. Heute wollen sich Spezialisten mit der Frage beschäftigen, ob der Dünger doch noch aus der Halle geschafftwerden muss oder nicht. Über die Brandursache gab es bis gestern Abend nur Spekulationen. Möglicherweise hat sich der Dünger selbst entzündet, möglicherweise gab es in der elektrischen Leitung unter dem Dach einen Kurzschluss und einen Kabelbrand. Funken könnten dann den Dünger in Brand gesetzt haben. Dass eine verirrte Silvesterrakete das Feuer ausgelöst hat, dafür, so Meier, gebe es dagegen kein Indiz. Das Dach sei dicht und weise von oben auch keine Brandspuren auf, die auf eine Silvesterrakete schließen lassen. Die weiteren Ermittlungen hat die Kriminalpolizei übernommen.

Laufend wird die Umgebungsluft auf Giftgase gemessen.
  • Laufend wird die Umgebungsluft auf Giftgase gemessen.
Nach dem Einsatz gibt es eine Schnelldusche. Fotos: tol
  • Nach dem Einsatz gibt es eine Schnelldusche. Fotos: tol

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