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Zweiter Test auf dem Flugplatz für Rollenprüfstand / Vergleich mit Laser und Radar-Messungen

Polizei gibt Vollgas mit manipulierten Mofas

Rinteln (wm). Röhrende Mofas auf der Startbahn des Rintelner Flugplatzes? Mancher Autofahrer auf der Westumgehung mag sich gestern Vormittag gewundert haben. Des Rätsels Lösung: Es war der zweite Testlauf für einen neuen Rollenprüfstand, mit dem Polizeibeamte künftig unkompliziert ermitteln können, ob ein Mofa, Motorroller oder Moped manipuliert worden ist.

veröffentlicht am 20.06.2007 um 00:00 Uhr

Rintelns Polizeichef Gerhard Bogorinsky (l.) schaut skeptisch: E

Als Teststrecke hatte der Luftsportverein wieder die asphaltierte Startbahn des Flugplatzes zur Verfügung gestellt. Flugleiter Friedhelm Steinkamp hatte vorher klar gemacht, dass in dieser Zeit keine Flugzeuge starten oder landen. Am Vormittag hob nur ein einziger Flieger ab - Richtung Norderney. Und Christa Uckermann bereitete in der Flugplatzgaststätte schon mal die Schnitzel und den Kartoffelsalat vor - das Mittagessen für Tester, Techniker und Behördenvertreter, immerhin insgesamt 37 Personen, die unter Leitung von Polizeidirektor Johann-Markus Hans vom Polizeitechnischen Institut aus Münster auf dem Flugplatz tätig waren. Am Gashebel der zehn Maschinen, die Zweirad-Reese aus Eisbergen bereit gestellt hatte, drehten Polizeibeamte, die sich vorher auf die Waage stellen mussten. Das vom TÜV und von der Physikalischen Bundesanstalt in Braunschweig geforderte Gewicht für die Testfahrer: 75 Kilogramm, nicht mehr. Auf 600 Metern der Rollbahn des Flugfeldes passierten die Testfahrer gleich mehrere Prüfeinrichtungen, nämlich Radar, eine Lichtschranke, eine Kontaktschleife und einen Laser. Die mit den verschiedenen Einrichtungen ermittelte Höchstgeschwindigkeit eines Zweirades wurde dann in einer Referenzmessung auf dem neuen Rollenprüfstand nachgemessen. Die Beamten fuhren ordnungsgemäße Mofas und frisierte Modelle. Das schnellste Mofa auf der Strecke, das eigentlich nur 25 km/h hätte fahren dürfen, schaffte stolze 66 Sachen. Der ehemalige Besitzer der Maschine, der auf Einladung der Polizei Zeuge dieser Testfahrt wurde, war trotzdem enttäuscht: Früher wär' die noch schneller gelaufen. 16 Jahre ist er alt und fährt heute selbstverständlich ein polizeilich korrektes Zweirad. Schließlich sei der "richtige Führerschein" schon in Sichtweite, und den wolle er sich nicht durch Extratouren vermasseln. Mit diesem manipulierten Mofa erwischt worden ist übrigens nicht der Besitzer, sondern ein Bekannter, dem er das Mofa geliehen hatte. Der fuhr mit gerade mal zehn Stundenkilometern an einem parkenden Streifenwagen vorbei. Was den Beamten am Mofa aufgefallen ist, war nicht das Tempo, sondern der kreischende Luftfilter - sicheres Anzeichen dafür, dass da jemand herumgeschraubt hat. Ein Mofa zu frisieren, verriet der einstige Bastler und heute gesetzestreue Zweiradfahrer, dauere keine zehn Minuten, "wenn man weiß, wie es geht". Zur Warnung aller Nachahmer allerdings sei nicht zu vergessen: Die mögliche Führerscheinsperre ist deutlich länger, wird man mit so einer Hummel erwischt. Dass nicht jeder Temposünder zwangsläufig sein Zweirad manipuliert hat, zeigte gestern übrigens die Probefahrt mit einem nagelneuen 50-Kubik-Roller, gerade aus dem Karton ausgepackt: 45 hätte die gedrosselte Maschine fahren dürfen, 52 stoppen die Beamten auf der Messstrecke als Spitzengeschwindigkeit.

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  • 600 Meter der asphaltierten Rollbahn des Rintelner Flugplatzes dienten gestern Polizei, TÜV und der Physikalischen Bundesanstalt als Teststrecke für Zweiräder.


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