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Ingenieurbüro kassiert 5000 Euro für "Werbeveranstaltung" über Photovoltaik-Anlagen / Konsequenzen für Bauamt

Politisches Kopfschütteln über "Skandal"-Gutachten

Bad Nenndorf (rwe). Außer Spesen nichts gewesen. Auf diese Kurzformel dürfte sich der Vortrag des Ingenieurbüros Wittig im Wirtschaftsausschuss bringen lassen. Das hatte festgestellt, dass der Einsatz einer Photovoltaikanlage auf der Bad Nenndorfer Kläranlage unrentabel sei. Diese Erkenntnis kostete die Samtgemeindejedoch 5000 Euro.

veröffentlicht am 22.11.2008 um 00:00 Uhr

Die Samtgemeinde muss jeden Cent umdrehen, da käme eine Einnahme aus dem Energieeinspeisegesetz gerade recht. Doch die Hoffnung, eine Photovoltaikanlage auf der Kläranlage Bad Nenndorf könnte die Kasse aufbessern, währte bei den Politikern nur knapp eine halbe Stunde. So lange dauerte nämlich der Vortrag des Planungsbüros aus Winsen. Dessen Chefin Elisabeth Wittig spannte die Mitglieder auf die Folter. Zunächst erklärte die Ingenieurin für Siedlungs- und Wasserwirtschaft umfangreich das allgemeine Prinzip, Leitungsvermögen und Lebensdauer der Module, um dann die Installationsmöglichkeiten auf der Kläranlage zu erläutern. Das Ergebnis war eher ernüchternd: Egal welche Module auf welche Dächer und mit welcher Laufzeit: die Installation würde für Nenndorf zum kleinen oder großen Verlustgeschäft. "Wir wollen das auch nicht schönrechnen", lautete bedauernd die Erkenntnis der Expertin. Der Grund: Die Dächer der großen Gebäude sind nachOsten oder Westen ausgerichtet. Die Politik nahm die Berechnung zur Kenntnis und sparte so zumindest Zeit für Kommentare. Vielleicht hätten die Mitglieder anders reagiert, wäre ihnen da schon klar gewesen, dass die Bauverwaltung für diese Information 5000 Euro hingeblättert hatte. Auf diese Ausgabe war der Ausschuss durch Zufall gestoßen. SPD-Ratsherr Sigmar Sandmann hatte bei der Haushaltsberatung beantragt, im Unterabschnitt "Abwasserbeseitigung" die geplanten Gutachterkosten zu kürzen. Er bezweifelte, dass so viel Geld für Expertisen nötig sei. Als das Gespräch auf die Präsentation kam, nannte Bauamtsmitarbeiter Olaf Scharrer die Summe von 5000 Euro. Kopfschütteln bei den Politikern. "Ich hatte das als Werbeveranstaltung aufgefasst", meinte Heinz-Joachim Gresel (SPD). Er könne vielleicht noch nachvollziehen, dass die Samtgemeinde die Reisekosten ersetzen müsste, aber auch die seien unnötig gewesen. Da das Ergebnis bekannt war, hätte sich der Ausschuss den Vortrag sparen können. "Unfassbar, das ist ein Skandal", machte Lothar Werkhausen seinemÄrger Luft. Das beratende Mitglied ist als zweifacher Handwerksmeister im Sanitärbereich mit der Materie vertraut. Im Internet ließe sich in zwei Minuten nachrechnen, dass sich so eine Installation nicht lohne, fügte er hinzu. Das ergebe sich auf den ersten Blick schon aus der Ost-West-Ausrichtung der Dächer. Scharrer verteidigte die Ausgabe. Die Verwaltung sei mit der Untersuchung beauftragt worden, das Büro extra vor Ort gewesen. Das Resultat sei nun ingenieurtechnisch unterlegt. Scharrer: "Lieber so, als sich das Ergebnis schön zu rechnen." Der Ausschuss schlug einstimmig vor, für 2009 die Ansätze für Gutachter von 12 000 auf 5000 Euro zu reduzieren. Zudem möchten die Politiker das Bauamt an Kompetenzen beschneiden. Künftig soll der Samtgemeindeausschuss die Aufträge absegnen.



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