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Labor analysiert aktuelle Proben / Eigene Messstation der Deutschen Umwelthilfe

Politiker schlagen Alarm: Die Weser ist salziger als noch vor einem Jahr

Rinteln/Hameln (CK). Gerhard Paschwitz hatte es geahnt, bevor er in die Fluten der Weser sprang: Die Salzbelastung des Flusses hat, verglichen mit dem Vorjahr, zugenommen. Um diese Vermutung zu untermauern, hatten Paschwitz und mehrere Kollegen des Hamelner Stadtrats Wasserproben am Anleg er an der "Pluto" in Hameln entnommen und sie im Labor der Kläranlage untersuchen lassen. Ergebnis: Die Chloridwerte waren deutlich erhöht.

veröffentlicht am 03.06.2008 um 00:00 Uhr

Vor rund einem Jahr hatten Experten der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) im Auftrag unserer Zeitung in Höhe Wehrbergens ebenfalls Proben entnommen und analysiert. Ergebnis der Messreihe damals: Morgens um 7.30 Uhr befanden sich 351 Milligramm Chlorid in der Weser, um 16.30 Uhr waren es 385 Milligramm bei einem Pegelstand von 168. Hintergrund für diese Messung sind nach wie vor die Pläne der Firma Kali+Salz, vermehrt Salzabwässer über die Werra in die Weser einzuleiten. Die Messung durch die Hamelner Politiker (Pegelstand 146), bei der neben der Chloridbelastung auch die Parameter Ammonium-Stickstoff, Nitrat-Stickstoff und Gesamt-Phosphor untersucht wurden, ergab bei Chlorid einen Wert von 414 Milligramm je Liter, also deutlich höher als im Vorjahr. Für den Parameter Chlorid gibt die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (Lawa) für den guten Zustand einen maximalen Chloridgehalt von 100 mg/l an. Ab 200 mg/l seien erste ökologische Beeinträchtigungen zu erwarten. Eine dauerhafte Einleitung von Salzabwasser in die Werra, so heißt es, führe zu einer Schädigung der Lebensgemeinschaften in den Gewässern, belaste das Grundwasser und schränke landwirtschaftliche, wasserwirtschaftliche und touristische Nutzung ein. Eine Alternative zu der jetzigen Entsorgung in den Untergrund und zur Einleitung sei also zwingend erforderlich. Die Deutsche Umwelthilfe in Hannover, die eng mit dem "Büro am Fluss" in Höxter zusammenarbeitet, hat auf dem Raddampfer "Wappen von Minden" jetzt übrigens eine eigene Messstation installiert. Die gesammelten Daten werden auf ein Display projiziert, damit auch die Passagiere sie verfolgen können; außerdem werden sie ins Internet gestellt. Noch liegen keine Messergebnisse vor, denn laut Projektleiter Kevin Schulz befindet sich das Ganze derzeit erst in der Erprobungsphase. Noch in diesem Monat aber will er mit ersten Ergebnissen aufwarten.

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