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Rintelner bei Großdemonstration in Berlin / Forderung nach Mindestlohn

Politiker auf den Bau - ob dann noch die Lebensarbeitszeit verlängert wird?

Rinteln (ur). Mit voll besetztem großen Bus brachen die DGB-Gewerkschafter aus Rinteln am vergangenen Sonnabend schon am frühen Morgen gen Berlin auf, um dort an der großen Kundgebung gegen Sozialabbau und eine fehlerhafte Gesundheitsreform teilzunehmen.

veröffentlicht am 25.10.2006 um 00:00 Uhr

Unfallbedingte Staus auf der Autobahn und die von Demonstrantenüberfüllten Straßen der Bundeshauptstadt brachten es mit sich, dass die Rintelner trotz rechtzeitiger Abfahrt erst zu Beginn der Rede von verdi-Chef Frank Bsirske auf der ehemaligen WM-Fanmeile eintrafen, wo sich weit über 80 000 Kundgebungsteilnehmer eingefunden hatten. Leidenschaftlich wetterte Bsirske gegen eine Politik, durch die sich die gesellschaftliche Kluft immer mehr vergrößere: "Da läuft eine gigantische Umverteilung. Einerseits die Erhöhung der Mehrwertsteuer als Belastung für alle Bürger, dann aber Senkung der Unternehmenssteuern." Es sei ein "Bereicherungsprogramm für Kapitalanleger", wenn die dadurch entstehenden Staatsdefizite mit Krediten finanziert werden: "Was die früher als Steuern zahlen mussten, können sie dem Staat nun gegen Zinsen leihen!" Zur Verlängerung der Lebensarbeit regte der Redner spöttisch an, "die Netzwerker im Bundestag" sollten doch einmal eine Woche lang im Krankenhaus mitarbeiten, auf dem Bau oder auf dem Müllwagen: "Dann fragen wir sie mal nach dieser Woche, ob sie sich vorstellen können, diese Arbeit über 40 Jahre zu machen - ob sie dann noch die Lebensarbeitszeit verlängern wollen?" Viel Zustimmung bei den Rintelner Teilnehmern fanden auch die Kritik an Hartz I, das Plädoyer für die Bürgerversicherung unddie Forderung nach einem Mindestlohn. Als die Demonstranten gegen 21 Uhr zurückkehrten, waren sie zwar erschöpft, aber zufrieden: "Es tut gut zu erleben, wie die Menschen politische Unzumutbarkeiten nicht einfach hinnehmen, sondern aktiv dagegen aufstehen!" resümiert dazu der Rintelner verdi-Vorsitzende Hans-Jürgen Niemeier.

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