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Dr. Benoît Sittler beeindruckt Schüler des AEG, der Vikilu und der Pestalozzischule

Polarforscher an Hamelner Schulen

HAMELN. „Gewöhnt man sich eigentlich an die Kälte?“, fragte ein Fünftklässler den Polarforscher Dr. Benoît Sittler, der seit über 30 Jahren jedes Jahr für zwei Monate auf der Insel Trail im Nationalpark Nordost-Grönland forscht, berichten Karin Hänel vom AEG und Bettina Tovar-Luthin vom Vikilu.

veröffentlicht am 26.02.2019 um 10:30 Uhr

Sittler war am AEG, am Vikilu und an der Pestalozzischule zu Gast, um von seinen Grönlandexpeditionen zu berichten. Er untersucht auf Trail, warum sich Lemminge in manchen Jahren massenhaft vermehren. Bilder der faszinierenden arktischen Landschaften zogen die Schülerinnen und Schüler im Alter von 8 bis 18 gleichermaßen in ihren Bann. Sie folgten Sittler auf den Spuren der Lemminge, Moschusochsen, Schneehasen, Hermeline, Falkenraubmöwen, Polarfüchse und Schnee-Eulen. Eine erschütternde Beobachtung Sittlers ist, dass die Verhältnisse seit dem Jahr 2000 völlig aus dem Rhythmus geraten sind: Durch die Klimaerwärmung fällt der Schnee in Grönland immer später und taut früher wieder weg. Den Lemmingen bleibt für die Reproduktion im Schutz der Schneedecke zu wenig Zeit. Dadurch fehlen die Massenvermehrungen und somit die Beutetiere, die zur Aufzucht von jungen Polarfüchsen, Schnee-Eulen und Falkenraubmöwen gebraucht werden. Die Nahrungsnetze brechen zusammen, brütende Schneeeulen gehören auf Trail schon lange der Vergangenheit an. Traurig stimmten auch Fotos der zahlreichen Moschusochsenkadaver, die Sittler in jährlich steigender Anzahl entdeckt: Immer öfter taut der Schnee an und gefriert wieder, sodass die Tiere den Schnee mit ihren Hufen nicht mehr wegscharren können und verhungern. Die Eisbären, die sich gewöhnlich auf dem Packeis aufhalten und dort jagen, führt die verzweifelte Suche nach Nahrung inzwischen regelmäßig auf das Festland und somit auch zum Camp der Forscher: Die Grönlandaufenthalte sind für Sittler und sein Team inzwischen so gefährlich, dass sie das mit Elektrozäunen gesicherte Lager nur noch mit Leuchtraketen, Pfefferspray und Gewehren verlassen können. „Die Kälte bleibt ebenso eine große Herausforderung wie der Transport aller notwendigen Lebensmittel und Ausrüstungsgegenstände an diesen entlegenen Ort“, meint Sittler.

2 Bilder
Prof. Sittler am AEG. FOTO: Karin Hänel/PR


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