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Schaumburger Börsennacht: Hahne kritisiert Abgeltungssteuer / Depping klagt über Facharbeitermangel / Landrat lädt ein

Podiumsdiskussion: Steuern und Nebenkosten zu hoch

Landkreis (dil). Steuern und Nebenkosten sind einÄrgernis für die Wirtschaft. "Runter damit" war der Tenor der Beiträge der Firmenchefs, die an der Podiumsdiskusion bei der Schaumburger Börsennacht teilnahmen. Sparkassenchef Hans-Heinrich Hahne haderte dabei besonders mit der Abgeltungssteuer: "Wir werden zu Steuereintreibern für den Staat, ohne dafür etwas zu bekommen. Die Dividenden werden beeinträchtigt. Da muss man sehen, wie man neue Gestaltungsmöglichkeiten findet. Das wird 2008 ein wichtiges Thema in der Anlagenberatung."

veröffentlicht am 26.11.2007 um 00:00 Uhr

Sparkassenchef Hans-Heinrich Hahne (v.l.), Landrat Heinz-Gerhard

"Die Kaufkraft reduziert sich, die Nachfrage, auch nach Autos, Modernisierungen und Immobilien, sinkt", stellte Dieter Kölling (Simon Glas, Bückeburg) fest. "Wir müssen uns deshalb neue Ideen einfallen lassen." Indirekt merkt auch Christian Hacker (IHT Timme, Stadthagen) als Großhändler, dass der private Konsum beeinträchtigt ist. Wohl dem, der wie Zeitarbeitsunternehmer Hans Gerd Depping (Depping GmbH, Rinteln) nichts mit dem Endverbraucher zu tun hat. Als Verbesserungsmaßnahme schlug Kölling in der von Moderator Dr. Uwe Graells geleiteten Podiumsdiskussion vor, keinen Unterschied mehr zwischen Einkommen- und Körperschaftssteuer zu machen sowie die Gewerbesteuer wegzuradieren, weil diese die Investitionstätigkeit einschränke. Depping erwartet, ebenso wie Hacker, nicht viel von der jüngsten Unternehmenssteuerreform. Depping klagte bei seinem personalintensiven Unternehmen allerdings mehr über die hohen Nebenkosten als über die Steuern. Hacker fürchtete aus dem Bauch heraus: "Was bei der Reform an der einen Stelle gegeben wird, wird an der anderen dochwieder genommen." Es solle zum Beispiel mehrüber eine Halbierung des Einkommensteuersatzes diskutiert werden. Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier wehrte sich gegen diese in Erwägung gezogenen Eingriffe in kommunale Einnahmen: "Bei der Gewerbesteuer sind kleine Unternehmen doch gerade erst entlastet worden. Da haben wir schon jetzt weniger Einnahmen. Überhaupt kommen die sprudelnden Steuereinnahmen bei den Schaumburger Kommunen bisher noch nicht an." Über Facharbeitermangel klagte nur Depping. Kölling profitierte dagegen davon, dass in Schaumburger Großbetrieben Personal abgebaut worden ist. Da seien qualifizierte Leute leicht zu bekommen. Hacker stellte fest, dass die Zahl der Bewerber um Ausbildungsstellen bei seinem Unternehmen spürbar abgenommen hat. Sparkassenchef Hahne erklärte, der Aufschwung sei bisher nicht überall gleich gut angekommen. Das private Kreditgeschäft sei schwer geworden, bei Immobilien hätten fast nur noch gebrauchte eine akzeptable Nachfrage. Im gewerblichen Kreditgeschäft und im Anlagebereich laufe es dagegen gut. Hahne erwartet weiter eine flache Zinsstruk turkurve und harten Wettbewerb unter den Banken, vor allem durch die Direktbanken: "Aber Wettbewerb ist ja gut. Unter den gegebenen Bedingungen sind wir zufrieden und optimistisch, auch 2008 unseren Marktanteil zu schaffen." Depping erhofft sich für 2008 die 20 Prozent Wachstum, die er 2007 nur zu einem Viertel erreichte. Kölling sieht sein Unternehmen trotz hoher Glaseinkaufspreise vor einer guten Entwicklung. Grund: "Wir sind gut aufgestellt und haben neue Produkte entwickelt." Wegen der Unabhängigkeit vom Dollarkurs sieht Hacker für IHT Timme ebenfalls gute Zeiten kommen. Der Landrat kündigte weitere Investitionen zur Stützung der Wirtschaft an, sieht aber großen Druck, die Wettbewerbsfähigkeit der Kreiskrankenhäuser zu verbessern. Schöttelndreier lud alle Unternehmen ein, auf der Regionalschau 2008 auszustellen oder diese zumindest zu besuchen: "So eine Regionalschau hat kein anderer Landkreis unserer Größe", sagte der Schaumburger Landrat.



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