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33-Jähriger stirbt im Bauerngut-Fleischwerk / Polizei-Experten forschen nach der Brandursache

Plötzlich dringt Qualm aus der Räucherkammer

Bückeburg. Von außen ist von dem Brand im Bauerngut-Fleischwerk am Hasengarten gestern Morgen nichts zu sehen, das Gebäude ist völlig intakt. Nur Dutzende Feuerwehrleute, -zig Feuerwehrfahrzeuge aller Wehren der Stadt Bückeburg und leere Atemschutzgeräte auf dem Rasen zeugen von dem Großbrand, der in der Nacht zu Freitag einem 33-jährigen polnischen Leiharbeiter das Leben gekostet hat.

veröffentlicht am 13.09.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:50 Uhr

Aufgeregte Bauerngut-Mitarbeiter vor dem Werkstor - sie werden b
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Er hatte noch versucht, sich aus dem völlig verqualmten Bereich der Räucherei/Pökelei zu retten. Im Gegensatz zu seinen 50 Kollegen, die sich zu Schichtbeginn im Gebäude befinden, schafft er es aber nicht mehr. Er wird drei Stunden später von Kollegen und Einsatzkräften in einem Gang zwischen zwei Arbeitsbereichen tot aufgefunden. Die Obduktion in der Gerichtsmedizin Hannover ergibt am Mittag, dass der Mann an einer Rauchvergiftung starb. Fremdverschulden ist auszuschießen, so die klare Aussage der Staatsanwaltschaft Bückeburg. Kollegen und die Bauerngut-Geschäftsführung mit Dirk Schlüter und Andreas Lücke zeigen sichtief betroffen über den Tod des Mitarbeiters: "Das ist das Allerschlimmste." Der Brand setzt Unmengen von Qualm und Ruß frei. Er dringt in alle Bereiche des riesigen fleischverarbeitenden Betriebes vor, kontaminiert Fleisch und Wurstwaren, Büros sind nicht mehr nutzbar. Zunächst wird befürchtet, dass während des Brandes Giftstoffe, insbesondere das Ammoniak aus den Kühlanlagen, freigesetzt werden. Die Bevölkerung wird gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Messungen des Umwelt- und Gefahrtrupps der Landkreis-Feuerwehr bleiben ohne Ergebnis, gegen 8 Uhr wird dann Entwarnung gegeben. Ganz anders dagegen die Lage im verqualmten Gebäude. Hier muss die Technische Ermittlungsgruppe Umweltschutz der Polizei aus Hildesheim angefordert werden, um es auf alle möglichen Giftstoffe zu untersuchen. Unter Atemschutz dringt sie bis zum Spind des polnischen Leiharbeiters vor, um wenigstens seine Identität zweifelsfrei klären zu können. Um 13 Uhr heißt es dann nur noch: "Das gesamte Gebäude darf heute keiner mehr betreten." Die Brandermittlungstrupps der Polizeiinspektion Nienburg- Schaumburg rücken ab und werden erst heute ihre Arbeit wieder aufnehmen. Unter der Hand heißt es allerdings, dass eigentlich nur ein technischer Defekt die Ursache sein kann. Der Mitarbeiter, der den Brand entdeckte, berichtet gegenüber der Polizei, dass er plötzlich starken Qualm aus dem Raucherzeuger habe dringen sehen. Als er den separaten Raum öffnet, schlagen ihm bereits die Flammen entgegen. Er alarmiert sofort seine Kollegen und rennt um sein Leben. Das Werk wird umgehend evakuiert. Bei der Anwesenheitskontrolle durch die jeweiligen Kolonnenführer fällt das Fehlen des 33-jährigen Opfers zunächst nicht auf. Es befinde sich kein Mensch mehr im Gebäude, heißt es.. Erst gegen 6.30 Uhr meldet ein Mitarbeiter seinen Kollegen als vermisst. Der Tote gehörte zu einer Kolonne einer Leihfirma, die um 2 Uhr ihre Arbeit aufgenommen hat. Die gesamte Belegschaft von Bauerngut wird noch am frühen Morgen - bis auf eine Notbesetzung für Kontrollen - auf Abruf nach Hause geschickt. Ankommende Lkw werden auf den gegenüberliegenden Großparkplatz der Hofkammer umdirigiert, warten dort auf weitere Instruktionen aus dem Werk. Wie hoch der Sachschaden ist, kann derzeit noch niemand sagen. Wie der Pressesprecher der Edeka Minden-Hannover, Andreas Laubig, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, wird die Produktion in dem Betrieb "sicherlich mehrere Tage ruhen". Um die Versorgung der Edeka-Märkte mit Frischfleisch zu gewährleisten, werden die Kapazitäten im zu Bauerngut gehörenden Fleischwerk in Gönnern sowie in einem Werk in Friesoythe erhöht Laubig: "Wir können die Belieferung der Märkte aus anderen Quellen sicherstellen." Die Feuerwehr ist noch den ganzen Tagüber vor Ort, um das komplete Gebäude zu entlüften. 150 Mann arbeiten unter der Leitung von Stadtbrandmeister Dirk Hahne. Die Vollsperrung der nahen B 83 ist dagegen bereits um kurz nach 6 Uhr aufgehoben worden.

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