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Platt aus Leidenschaft

Von 1950 bis 1955 und von 1957 bis 1992 hat er für die Dewezet gearbeitet, viele Jahre davon mit großem Erfolg als Druckereileiter und Prokurist. In seiner Freizeit aber widmet sich der gebürtige Osnabrücker Wilfried Voß dem Erhalt der plattdeutschen Sprache. In unzähligen Beiträgen hat „Fiffi“ den Dewezet-Lesern mit Augenzwinkern „vertellt“, wie er über das Weltgeschehen im Besonderen und die Probleme des Alltags im Allgemeinen denkt – stets inspiriert aus seinem persönlichen Umfeld.

veröffentlicht am 22.10.2009 um 13:34 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 12:26 Uhr

Platt-Experte Fiffi Voß.
Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

Autor

Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite

Von 1950 bis 1955 und von 1957 bis 1992 hat er für die Dewezet gearbeitet, viele Jahre davon mit großem Erfolg als Druckereileiter und Prokurist. In seiner Freizeit aber widmet sich der gebürtige Osnabrücker Wilfried Voß dem Erhalt der plattdeutschen Sprache. In unzähligen Beiträgen hat „Fiffi“ den Dewezet-Lesern mit Augenzwinkern „vertellt“, wie er über das Weltgeschehen im Besonderen und die Probleme des Alltags im Allgemeinen denkt – stets inspiriert aus seinem persönlichen Umfeld. Der Erhalt des Plattdeutschen, das er von seiner aus Ohr stammenden Großmutter vermittelt bekommen hat, liegt dem heute 80-Jährigen eng am Herzen, doch der bald dreifache Urgroßvater bekennt auch wehmütig: „Platt ist leider in unserer Region keine Alltagssprache mehr. Es sind nur noch die Älteren, die es aufrechterhalten.“ Und Fiffi Voß weiß: „Ein reines Hamelner Platt gibt es nicht. Und ebenso kein Calenberger Platt. Sprachwissenschaftler sprechen von einem Oberbegriff: dem sogenannten Ostfälischen Platt“. Geografisch werde das Gebiet im Westen von der Weser begrenzt, im Norden von der Aller, im Osten von Elbe und Saale und im Süden vom Südharz und dem Eichsfeld. „Grob umrissen handelt es sich um Südniedersachsen und den westlichen Teil Sachsen-Anhalts. In diesem Gebiet aber versteht jeder, der Platt spricht, jeden. Und doch ist die Aussprache, der Klang von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt verschieden“, weiß Voß, der zusammen mit F. H. Lampe das Buch „Dat Hamelste ABC“ herausgegeben hat. Er nennt ein Beispiel für das Wort „wir“, das plattdeutsch in Hameln „wi“, um Hameln herum „wei“ und ab Aerzen „woi“ ausgesprochen wird. „Weil jedes Dorf ein Eigenleben hat und sich Sprache als Eigenleben entwickelt“, wie Voß begründet.

Was die niederdeutsche Sprache in den zurückliegenden zwei Jahrhunderten zudem in ihrem Fortbestand bedroht hat, ist die Tatsache, dass Plattdeutsch nach Meinung vieler Menschen in der heimischen Region als Sprache der armen Leute, der Mägde und Knechte, der Arbeiter und Dummen galt. „Diese Bürger konnten sich nicht vorstellen, dass sich bedeutende Menschen, Sprachwissenschaftler und Dichter mit ihrer Mundart identifizierten, sie liebten und bewiesen, wie ausdrucksreich und -stark das Plattdeutsche ist“, weiß Voß und betont, dass dieses Denken auch heute noch in vielen Köpfen existiert. „Deshalb hat sich das Plattdeutsche in unserer Region leider ins Private zurückgezogen und wird höchstens noch als ‚Kulturdialekt‘ im Theater, Radio, Fernsehen und eben in der Zeitung gepflegt. Als Alltagssprache aber findet Platt kaum noch Anwendung“, beklagt Voß, der an der Realschule in Kirchohsen auch schon Kurse gegeben hat, um dem Nachwuchs das Plattdeutsche nahezubringen. „Mit gutem Erfolg. Die Schüler haben gut und interessiert mitgearbeitet. Wir haben gelesen, gesprochen und plattdeutsche Lieder gesungen. Nur, und das ist das Bedauerliche: Wenn ich meine Schüler später auf der Straße traf und fragte: ‚Wat maket denn dien Plattkören‘, kam die Antwort: ‚Oma und Opa sind gestorben, seitdem wird zu Hause nicht mehr Platt gesprochen“, berichtet Voß, der das Mundartliche mit seinem „Mitsorgtheater“ in Ohr möglichst lange erhalten will. Allerdings gibt er dem Plattdeutschen in der heimischen Region keine große Zukunft mehr: „Es wird zugrunde gehen. So leid es mir tut.“

Platt ist seine Sprache, doch das, was seiner Feder entspringt, ist alles andere als platt. Mit viel Humor versteht Fiffi Voß seit Jahren mundartliche Geschichten aus der Region zu erzählen.

Wat stinket, dat dünget. Plattdeutsches ist oft aus dem Leben ge
  • Wat stinket, dat dünget. Plattdeutsches ist oft aus dem Leben gegriffen. Rechts: Kümmste obern Hund, kümmste obern Schwanz – meint: Wenn du dies bewältigst, schaffst du auch das Ganze.
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