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Nachfrage nach neuen Häusern sinkt

Pillenknick ist auch auf dem Bau angekommen

Landkreis (mw). Was den Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern anbelangt, durchlebt die regionale Baubranche schwierige Zeiten. Da die Nachfrage gesunken ist, haben sich die Unternehmen im Landkreis Schaumburg zum Teil auf andere Tätigkeitsfelder verlegt.

veröffentlicht am 14.11.2008 um 00:00 Uhr

Die Anzahl der beim Landkreis Schaumburg gestellten Bauanträge und -anzeigen ist von insgesamt 166 Vorgängen im Jahr 2006 auf 100 im Jahr 2007 gesunken, berichtet dessen Pressesprecher Klaus Heimann. Bis zum 31. Oktober dieses Jahres sind es sogar nur 67 Anträge beziehungsweise Bauanzeigen gewesen. Da die Städte Stadthagen, Bückeburg und Rinteln eigene Baubehörden unterhalten, sind dortige Bauvorhaben zwar nicht in den Zahlen des Landkreises enthalten, dennoch geben die Daten des Kreisbauamtes laut Heimann einen "klaren Trend" wieder. Die abnehmende Nachfrage im Ein- und Zweifamilienhaussektor bestätigt auch Michael Klußmann, Firmeninhaber von Concept-Bau aus Bad Nenndorf und Mitgesellschafter der Lauenauer Deisterhaus GmbH, einer Kooperation von 15 Handwerksbetrieben. Der Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser sei "total zusammengebrochen", so der Zimmerermeister und Hochbautechniker. Ursachen hierfür sind seines Erachtens der Wegfall der Eigenheimzulage, abnehmende Haushaltseinkommen, die demografische Entwicklung ("Der Pillenknick ist auch auf dem Bau angekommen") und die Konkurrenz durch leerstehende Altimmobilien. "Ich glaube nicht, dass sich dieser Markt wieder erholen wird", sagt Klußmann. Eine große Bedeutung habe für seinen Betrieb mittlerweile die Altbausanierung bekommen. "Das läuft." Aufgrund der Bankenkrise werde es noch schlechter werden, befürchtet Matthias Jänsch, der Inhaber des gleichnamigen Bauunternehmens aus Auetal. Gründe für den bisherigen Negativtrend seien Mehrbelastungen durch Steuern, allgemeine Preissteigerungen und die entfallene Eigenheimzulage. Im Jahr 2006 sei "so gut wie nichts nachgekommen", beschreibt Jänsch die Auftragslage, wobei er 2007 sogar als "unser schlechtestes Jahr" bezeichnet. Statt wie früher 25 bis 30 Neubauten pro Jahr fertigzustellen, habe sein Unternehmen heute viele kleine Aufträge etwa aus dem Bereich der Sanierung und dem Umbau alter Gebäude. Neu gebaut würden von ihm mittlerweile vor allem exklusive Häuser mit Bausummen von mehr als 200 000 Euro, "aber die Masse ist weg". Für die Zukunft prognostiziert Jänsch, dass sich nur diejenigen Unternehmen behaupten werden, die eine geringe Kostenquote haben und qualitativ gute Arbeit leisten. Mit der Einführung des Euro habe die Talfahrt in Sachen Ein- und Zweifamilienhausneubau begonnen, sagt Guido Bussmann, Mitgesellschafter der SBK Hausbau GmbH aus Rinteln. Baustoffe seien teurer geworden, Lohnnebenkosten gestiegen. Zudem verzeichne die Region einen Rückgang an Arbeitsplätzen. "Das eine greift ja ins andere." Während die Zahl privater Bauvorhaben bei der SBK Hausbau GmbH sehr abgenommen habe, verzeichne deren Auftragslage bei Industrie- und Gewerbeneubauten dagegen eine steigende Tendenz, so Bussmann.



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