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"Backhaus Aktiv" informiertüber Solarstrom / Frühzeitige Planung unerlässlich

Photovoltaik-Gemeinschaften als Trend

Rodenberg (oke). Dass die Menschheit Raubbau an Mutter Erde betreibt, ist nicht erst seit der Veröffentlichung des dritten UNO-Umweltberichts in der vergangenen Woche bekannt. Die Mitglieder des "Backhaus Aktiv"-Vereins zogen die Konsequenzen und boten anlässlich der bundesweiten "Woche der Sonne" eine Informationsveranstaltung zum Thema Solarstromerzeugung. Vier Referenten erläuterten in den Räumen des Vereins ihre Erfahrungen, gaben Tipps für das Eigenheim und zeigten finanzielle Hilfen auf.

veröffentlicht am 09.05.2007 um 00:00 Uhr

Überzeugte Solarfans: Werner Dubiel (v.l.), Moderator Gerhard Hu

"Mit Solarstrom tut man etwas für die Umwelt; und das Portemonnaie", ist Ulrich Böker überzeugt. Der Rintelner ist Mitglied der Solargemeinschaft Rinteln und präsentierte gemeinsam mit Werner Dubiel das Konzept, das der Weserstadt seit 1999 fünf Gemeinschaftssolaranlagen beschert hat. Die Idee, die hinter den Kooperationen steckt ist einfach, ihre Umsetzung hingegen braucht viel Verhandlungs- und Organisationsgeschick. Viele Rintelner besäßen Dächer, deren Größe zwar rentabel für die umweltfreundliche Nutzung seien, so Böker, jedoch wären oftmals Neigung und Ausrichtung nicht optimal. Um auch diesen Bürgern die Möglichkeit eines Baus einer Photovoltaikanlage zu ermöglichen, werden diesen ungenutzte öffentliche Flächen zur Verfügung gestellt. Für die Anschaffung und Installation der Solaranlagen gründen die Interessenten eine Gemeinschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und bringen in diese eine gewisse Geldmenge ein. Sobald das "Gemeinschaftssparschwein" ausreichend gefüllt ist, wird mit dem Bau begonnen. Gefördert werden die Projekte von der Stadt, die nicht nur auf die Pacht der Flächen verzichtet, sondern auch Zuschüsse gewährt. Seither schimmern die Dächer von Grundschule, Rathaus und ähnlichen Gebäuden der Stadt bläulich. Durch eine geschickte Informationspolitik und Mundpropaganda erfreuen sich die Solargemeinschaften wachsender Beliebtheit. "Wir sind inzwischen an einem Punkt, an dem wir mehr Geld als Flächen zum Bau neuer Anlagen haben", so Böker. Etwas weniger enthusiastisch sieht Rudolf Zerries den Bau von Solaranlagen. Zwar ist der Rodenberger einüberzeugter Anhänger der Photozellen, jedoch warnt er vor übereilter Anschaffung. "Wer sich im Vorfeld nicht informiert, fällt schnell auf die Nase." Seit rund einem Jahr betreibt er eine eigene Anlage. Außer der Einarbeitung in die bisweilen komplizierte Bürokratie bezüglich Finanzierung und Steuern stelle auch die Auswahl des richtigen Anbieters und der abzuschließenden Versicherungen den ambitionierten Stromerzeugerneuling vor eine harte Probe. Hier empfiehlt Zerries die Recherche im Internet und das Einholen von Erfahrungsberichten anderer Solaranlagenbesitzer. Ist die Anlage nämlich erst falsch montiert und ohne ausreichenden Versicherungsschutz, zahlt der Besitzer schnell drauf. Denn wie in jeder anderen Branche gebe es auch bei der Solartechnik "schwarze Schafe". Dennoch sind sich die Referenten in ihrem Urteil einig: Wer sich für eine Photovoltaikanlage entscheide und dabei Umsicht walten lasse, mache nichts falsch. Nicht zuletzt sei die Anlage auch eine "hervorragende Altersvorsorge". Nach rund zehn Jahren hätten sich die Anlagen meist amortisiert. Bei einer Vertragslaufzeit von 20 Jahren mit dem örtlichen Stromabnehmer beginne dann die Gewinnzone. Als Rentner habe man ab diesem Zeitpunkt ein schönes Zubrot, so Böker. Auch die Stadt Rodenberg will dem Trend nicht hinterher laufen. Im Haushalt 2007 sind bereits 10 000 Euro für die Förderung privater Anlagen eingeplant, berichtet Günther Wehrhahn von der Stadtverwaltung. Mit maximal 500 Euro darf jeder Neuanlagenbetreiber rechnen. Dass man in der Samtgemeinde damit kein Neuland betrete, zeige auch die Verwendung von so genanten "Absorber-Matten", die in den Schwimmbädern in Lauenau und Rodenberg das Wasser seit mehr als zehn Jahren aufwärmen und so die Gas- und Ölrechnungen drücken. "Klimaschutz muss sich eben auch rentieren", resümiert Böker.



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