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Qualität der Einrichtungen im Visier der Prüfer / Senioren- und Pflegeheim Bad Münder bislang top

Pflege im Weserbergland: Von Note eins bis vier

Weserbergland (TT/beb). Der Pflege-TÜV ist auch im Weserbergland aktiv: Von „sehr gut“ bis „ausreichend“ reichen die Noten für die bislang geprüften Altenpflegeeinrichtungen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat im Bereich von Bodenwerder, Lügde, Hameln und Schaumburg bereits 23 Einrichtungen getestet. Bewertet wird nach Art von Schulzensuren in einer Gesamtnote zwischen „sehr gut“ (1,0) bis „mangelhaft“ (5,0). Der bisherige Durchschnittswert im Weserbergland liegt bei 2,22.

veröffentlicht am 16.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.04.2010 um 11:49 Uhr

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Die beste Einrichtung – unter den bislang geprüften – steht am Deister: Das „Senioren- und Pflegeheim Bad Münder“ wird von den Prüfern mit 1,2 bewertet. Die schlechteste Einrichtung unter den geprüften 23 Häusern steht in Bad Eilsen, dort liegt im „Haus Berlin“ der Wert bei 4,2 – allerdings beurteilen die Bewohner ihre Einrichtung selbst mit einer 1,4.

Die Geschäftsführerin der münderschen Einrichtung, Ekaterina Heindorf, ist überglücklich über die „sehr gute“ Bewertung ihres Heimes. Sie weiß allerdings auch sehr genau, wie die Prüfer zu ihrem Ergebnis gekommen sind: „Wir haben ein hochmotiviertes Team, eine hervorragende Qualitätsbeauftragte, und wir sind stets um die Fortbildung unserer Mitarbeiter bemüht“, sagt Heindorf. Nachdem die Mannschaft kurz gefeiert habe, würden jetzt die Bemühungen um einen noch höheren Standard weitergehen. „Wir wollen jetzt auch noch die letzten zwei Zehntelpunkte aus unserer Einrichtung rausholen“, so Heindorf.

Überaus verärgert reagiert dagegen die Pflegedienstleitung im „Haus Berlin“ in Bad Eilsen. „Die Note entspricht nicht der Qualität des Hauses“, betont Altenpflegerin Janine Borm. Pflegedienstleiterin Margret Deseniß: „Etliche Kritikpunkte sind absoluter Quatsch, weil sie für eine reine Dementen-Einrichtung wie das Haus Berlin gar nicht notwendig sind.“ Dennoch wolle man sich natürlich ständig verbessern, räumt sie ein. „Deshalb haben wir den Maßnahmen-Katalog, den der MDK uns im Januar zugesandt hat, fast komplett abgearbeitet.“ Sobald man die Mängelliste der Prüfer abgehakt habe, werde das MDK informiert: „Dann steht eventuell eine Nachbegutachtung an“, so Borm.

Bundesweit werden rund 22 000 ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen vom Pflege-TÜV unter die Lupe genommen. Die Heime werden nach festgelegten Kriterien geprüft. Die insgesamt 82 Kriterien sind in vier Gruppen unterteilt: „Pflege und medizinische Versorgung“, „Umgang mit Demenzkranken“, „Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“ sowie „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft, Hygiene“. Mittlerweile hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ eine Verschärfung des Pflege-TÜVs für Seniorenheime gefordert. Gesundheitlich entscheidende Kriterien wie die Ernährung und die Versorgung mit Flüssigkeit, aber auch die richtige Lagerung von bettlägerigen Patienten sollen demnach stärker gewichtet werden. „Es gibt Schwachstellen im jetzigen Bewertungssystem. Da müssen wir nachbessern“, sagte Peter Pick, der den MDK auf Bundesebene vertritt. Der MDK reagiert mit seiner Forderung auf die anhaltende Kritik am Notensystem für Heime.

Der Pflege-TÜV war mit der Pflegereform im Jahr 2008 eingeführt worden. Er soll die Wahl des Heims erleichtern. Doch das Notensystem gilt dem Bericht zufolge als irreführend, da selbst Heime mit schweren Pflegemängeln gute Gesamtnoten erhalten können, wenn sie in anderen Bereichen glänzen. Seit der Veröffentlichung der ersten Testberichte vor gut drei Monaten häufen sich nun bei den Sozialgerichten die Klagen. 200 Heimbetreiber wehren sich mittlerweile gegen die Veröffentlichungspflicht – zum Teil mit Erfolg.

Der Deutsche Anwaltverein warnt vor Chaos. „Es besteht die Gefahr, dass alle bisher durchgeführten Qualitätsprüfungen nichtig sind“, sagt Ronald Richter, Vorsitzender der DAV-Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht. Gut 2000 Qualitätsberichte sind bislang veröffentlicht. Der Notendurchschnitt liegt bundesweit bei 2,07. Bis Ende 2010 sollen alle Einrichtungen mit Noten im Internet stehen.

Die Gerichte bewerten den Pflege-TÜV bislang sehr unterschiedlich. 30 Entscheidungen über Eilanträge liegen nach Angaben des Anwaltsvereins bereits vor. So gab das Sozialgericht in Münster einem Heimbetreiber recht, der Wettbewerbsnachteile durch die Note „fünf“ fürchtete. Die Veröffentlichung wurde gestoppt. Sozialrichter in Regensburg wiesen dagegen eine ähnliche Klage zurück und verwiesen darauf, dass das Internet – „mangels Relevanz“ – nicht als Sanktion zu werten sei.

Internet: www.aok-gesundheitsnavi.de

Alltag im Pflegeheim: Mitarbeiter betreuen die Bewohner. Im Weserbergland hat der Pflege-TÜV des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) zahlreiche Einrichtungen geprüft, 23 Ergebnisse im Internet veröffentlicht.

Foto: Bilderbox



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