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Hofreitschule legt Geschichtsbroschüre vor / Anfänge gehen bereits auf Fürst Ernst zurück

Pferdezucht hat am Hof eine lange Tradition

Bückeburg (rc). Pferdezucht und Hofreitkunst hat am Hofe derer zu Schaumburg-Lippe eine lange Tradition. Bereits um 1600 begann Fürst Ernst bei der Verlegung seiner Residenz nach Bückeburg mit der Pferdezucht. Schon für das Jahr 1598 ist der Kauf erster Pferde belegt. Beim Tod des Fürsten wurden in der Leichenrede unter der Aufzählung der fürstlichen Bauten Marställe, also die Mehrzahl, aufgelistet. Belegt ist über die weiteren Jahrhunderte, dass am Hof zum Teil intensive Pferdezucht mit Neapolitanern, Spaniern, Dänen, Berbern und Portugiesen betrieben wurde.

veröffentlicht am 12.07.2006 um 00:00 Uhr

"Aus hiesigem Herrschaftlichen Marstalle - Reitkunst und Pferdez

Das alles geht aus einer umfangreichen Broschüre hervor, die jetzt die Fürstliche Hofreitschule vorgelegt hat. Ihr Titel: "Aus hiesigem Herrschaftlichen Marstalle - Reitkunst und Pferdezucht am Bückeburger Hof". Die wissenschaftliche Recherche stammt von Oliver Glißmann, Kunsthistoriker und Schlossführer. Überarbeitet und gestaltet wurde das Werk von Christin Krischke. "Wir wollen unseren Besuchern nicht nur Reitkunst präsentieren, sondern auch die geschichtlichen Hintergründe darstellen", sagte Christin Krischke bei der Vorstellung des Werkes. So geht der Bau des heute von der Hofreitschule genutzten Reithauses und des Marstalls auf das Jahr 1621 / 1622 zurück. Die Gebäude waren mit die letzten Bauten, die während der Regentschaft des Fürsten Ernst vollendet wurden. Bisher sei das Thema Pferde und Pferdezucht am fürstlichen Hofe in der Literatur nur in größeren Zusammenhängen erwähnt worden, stellen die Autoren in ihrem Vorwort fest. Auch diese ausführlichere Abhandlung könne nur Grundlage für weitere, intensivere Forschung sein. In erster Linie war das Pferd vor allem ein Statussymbol, zeugte vom Reichtum und der Macht des jeweiligen Herrschers. Auch wenn manchmal finanzielle Dinge den Vorrang hatten: etwa, wenn das Geld knapp war und Hengste oder Stuten verkauft oder aber Wagen und Kutschen im Freien verrotteten. Neben dem Statussymbol wurden Pferde natürlich auch als Nutz- und Transporttiere gebraucht, später auch als Rennpferde. Einen besonderen Bereich nahm das Soldatenpferd ein, ein Thema, das in der Broschüre allerdings nur angeschnitten wird. Belegt werden in der Broschüre zahlreiche Kontakte in die europäischen Pferdezuchtnationen, zum Teil waren hochrangige Reitmeister wie der Italiener Dominico d' Oleynetta am Hof beschäftigt. Oder aber es wurden Pferde zur Ausbildung nach Prag geschickt. Manche Fürsten taten sich durch tollkühne Reitleistungen hervor, wie etwa der Graf Wilhelm, der vor keinem Graben oder Hindernis zurückschreckte. Zu erhalten in der Marstall-Boutique zum Preis von 6,50 Euro. Zum Preis von drei Euro ist seit neuestem zudem ein Infoheft "Fürstliche Hofreitschule - Ein Gesamtkunstwerk barocker Kulturgeschichte" erhältlich. Es wendet sich an Besucher, die mehr über Hofreitschule, Pferde, die Züchtungen oder Museum wissen wollen.

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