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Waldo Parpalioni ist seit den 50ern auf der Messe - jetzt mit "Kentucky Derby"

Pferderennen: "Sind und waren Kult"

Rinteln (cok). Ein bewegtes Schaustellerleben scheint jung zu erhalten. Waldo Parpalioni jedenfalls merkt man seine 75 Jahreüberhaupt nicht an, und die Vorstellung, dass er seine bei Kindern und Erwachsenen so beliebte Pferderennbahn "Kentucky Derby" irgendwann mal aufgeben wird, die ist ganz leicht zu verdrängen.

veröffentlicht am 05.05.2007 um 00:00 Uhr

"Man muss geschickt sein": Waldo Parpalioni mit Frau Margret und

Der Schausteller aus Herford stammt aus einer alten Schaustellerfamilie, und bevor er 1980 das erste Mal mit dem "Kentucky Derby" auf der Rintelner Messe erschien, hat er hier seit den fünfziger Jahren für viele heute Erwachsene Geschichte geschrieben mit seinem "Round Up", einem Fahrgeschäft mit wild im Kreis jagenden Wagen, an dem statt Polka und Walzer aktuelle Hits von Elvis Presley, Billy Holly oder Fats Domino gespielt wurden und wo manches Liebespaar zusammenfand. Wie gut er damals mit Elvis-Tolle und dunklem Jackett den kecken Diskjockey spielen konnte, indem er den "Eintänzer von der Fischbude in Wagen zwölf" grüßte oder die "Schönheit mit dem Atombusen in der Nummer sieben", das erkennt man auch heute noch daran, wie er beim "Kentucky Derby" den Zweiten im Rennen anfeuert, damit sein Pferdchen den Favoriten in letzter Sekunde überrundet, oder auch an den Sprüchen für alle, die sich erst groß aufspielen und dann nicht von der Stelle kommen. Das "Kentucky Derby" gehört zu den wenigen alten Fahrgeschäften, die sich auch in modernen Zeiten halten konnten. Es ist ein echtes Spiel, bei dem sich zwölf Teilnehmer zusammenfinden, um zwölf Pferdefiguren vorwärts zu treiben durch Bälle, die geschickt in Löcher gerollt werden müssen. Wer gewinnt, bekommt den Preis, und oft sind es die Kinder, die den Erwachsenen den Rang ablaufen. Zeitschriften schrieben lange Reportagenüber Parpalioni, Fernsehauftritte sind für ihn schon fast Routine, und zu den ganzen Geschichten, die er vor allem aus den Anfängen erzählen kann, wo seine Karussells so etwas wie der Diskoersatz für die Jugend waren, kommt als Würze noch hinzu, dass er einen Zwillingsbruder hat, der genau soeine Pferderennbahn führt wie er selbst und der sich dabei ebenso jung gehalten hat. "Wir beide waren und sind Kult!", sagt er mit sympathischem Selbstbewusstsein, und es macht ihm großen Spaß, Fotos zu zeigen, auf denen Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gut gelaunt mit Frau Doris und dem Töchterlein die Kugeln rollt. Natürlich kann so ein Unternehmen nur funktionieren, wenn die Familie dahinter steht. Waldo Parpalioni konnte seine Redekunst anscheinend auch in der Liebe geschickt einsetzen, denn es gelang ihm, seine Frau Margret, eine gelernte Kindergärtnerin, zu überreden, das "bürgerliche" Leben hinter sich zu lassen und mit ihm das fahrende Schaustellerleben zu führen. Lässig kutschiert sie den Wohnwagen, baut den Stand mit auf und ruft allzu aufgeregte Pferderennen-Teilnehmer zur Räson. Tochter Miriam, die nach dem Abitur Industriekauffrau lernte, ist immer wieder auch dabei. "Man muss schon geschickt sein, wenn man gewinnen will", sagt er. Aber manchmal, bei ganz alten Leuten oder ganz kleinen Kindern, da drückt er mit dem Stöckchen auf einen elektronischen Kontakt und lässt das entsprechende Pferdchen ein bisschen schneller hopsen. "Die einen kamen schon zu mir, als sie noch jung waren, die anderen kommen mit ihren eigenen Kindern wieder - da kann man dem Glück schon mal ein kleines bisschen nachhelfen."



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