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Historische Weideeinfriedungen im Solling werden mithilfe eines KVHS-Projekts saniert

Pferdeherden hinter Trockenmauern

Vermutlich schon im Mittelalter wurden aufgrund der besonderen Beschaffenheit des Bodens im Solling Pferde gezüchtet. Erste Erwähnungen einer Pferdezucht erreichen uns im 16. Jahrhundert, als die Herzöge von Kalenberg am Schloss in Nienover ein Gestüt für Reitpferde unterhielten, während sie in Neuhaus in diesem Zeitraum ein Gestüt für die Aufzucht von Hengstfohlen betrieben.

veröffentlicht am 11.12.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 14.12.2009 um 11:13 Uhr

Noch heute weiden Pferdeherden auf Koppeln hinter alten Sandstei

Autor:

Dr. Hilko Linnemann

Das erste nachweisbare Gestüt mit festen Gebäuden wurde in Neuhaus unter der Bezeichnung „Alte Stuterey“ zu Beginn des 18. Jahrhunderts angelegt. In den Jahren 1774-1776 wurde dann das „Neue Gestüt“ gebaut (heute Haus des Gastes). Es hatte im 18. u. 19. Jahrhundert die besondere Aufgabe, ausschließlich für den fürstlichen bzw. später königlichen Marstall in Hannover Pferde zu züchten. Ab 1866 zog man dort Nachwuchspferde für das preußische Heer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gestüt aufgelöst und von der Forstverwaltung übernommen. 1952 wurden 50 Trakehner-Stuten aus dem nach dem 2. Weltkrieg besetzten Ostpreußen in Neuhaus zu Weidezwecken gehalten. Seit 1966 weiden Kühe des Forschungsgutes Relliehausen der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen auf den Flächen. Daneben befinden sich im Sommer gut 40 Hannoveraner-Junghengste auf den Weiden.

Die Pferdezucht im Solling hatte an verschiedenen Standorten, besonders am Schloss in Nienover, in Hunnesrück-Erichsburg und in Neuhaus über Jahrhunderte eine herausragende Bedeutung für die Agrar- und Landesgeschichte Niedersachsens. Das Ensemble in Neuhaus, bestehend aus Schloss, ehemaligem Gestüt, den Weiden mit ihren Schattbäumen und kilometerlangen Sandsteinmauern sowie die im 18. Jahrhundert angelegte Eichenallee bilden zusammen den unverwechselbaren Charakter der historischen Kulturlandschaft in und um Neuhaus im Solling. Darüber hinaus stellen sie ein herausragendes Zeugnis frühneuzeitlicher Wirtschafts- und Sozialgeschichte dar, wie es in dieser Erhaltung in Niedersachsen wohl einzigartig ist.

Die ausgedehnten Weideflächen des Neuhauser Gestüts tragen Flurbezeichnungen wie Bruchweide, Hengstweide, Turmweide, Neue Weide oder Nachtweide. Die Weiden sind in weiten Teilen von Bruchsteinmauern aus dem um Neuhaus anstehenden Buntsandstein eingefriedet. Die unter Denkmalschutz stehenden, gut 10 Kilometer langen und zum Teil mehr als 2 Meter hohen Mauern wurden vermutlich nach englischem Vorbild im 18. und 19. Jahrhundert, im Zuge der Anlage des „Neuen Gestüts“ (1774-76) angelegt. Trockenmauern verwendete man in früheren Zeiten häufig als Ersatz für Weidezäune. War der Boden zu hart oder fehlte das nötig Holz, wurden Mauern anstatt Weidepfählen zur Einzäunung der Weiden verwendet. Außerdem konnten die Steine auf den Wiesen sinnvoll genutzt werden. Trockenmauern bilden ein eigenes Öko-System, in dem viele seltene Tier- und Pflanzenarten beheimatet sind.

Mit Beschäftigten einer Qualifizierungsmaßnahme wurden im vergan
  • Mit Beschäftigten einer Qualifizierungsmaßnahme wurden im vergangenen Jahr die historischen Sandsteintrockenmauern saniert.
Ein einzigartiges Biotop sind die unter Denkmalschutz stehenden
  • Ein einzigartiges Biotop sind die unter Denkmalschutz stehenden Sandsteintrockenmauern.

Ein aktuelles Projekt der Kreisvolkshochschule Holzminden war in diesem Jahr die Qualifizierungsmaßnahme „Restaurierung der Sandsteintrockenmauern in Neuhaus im Solling“, das zur Reintegration von langzeitarbeitslosen Erwachsenen in das Berufsleben konzipiert wurde. Gefördert wird die Restaurierung der unter Denkmalschutz stehenden, einzigartigen Sandsteinmauern in Neuhaus durch die Europäische Union, die Arbeitsgemeinschaft zur Arbeitsvermittlung Holzminden, sowie die Niedersächsischen Landesforsten, den Naturpark Solling-Vogler, die Universität Göttingen und die Stadt Holzminden.

Die Kreisvolkshochschule Holzminden ist seit über 20 Jahren erfolgreicher Träger von Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekten für arbeitslose Menschen im Landkreis Holzminden. Die Maßnahmen beinhalten die Qualifizierung und Betreuung arbeitsloser und langzeitarbeitsloser Jugendlicher und Erwachsener mit dem Ziel der (Wieder-)Eingliederung in das Berufsleben und/oder der Vorbereitung auf eine Ausbildung. Eine sozialpädagogische Betreuung und die Arbeit in gemeinnützigen Arbeitsprojekten mit kulturellem, historischem und auch touristischem Hintergrund gehören mit zum Konzept. Während der Qualifizierungseinheiten werden die Teilnehmenden der Maßnahme in Arbeitsgruppen von erfahrenen berufspädagogischen Anleitern mit handwerklicher Ausbildung und einer sozialpädagogischen Fachkraft betreut.

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