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Momentaufnahme: Geistlicher wechselt vor Jahrfrist von der Stadtkirche in die Kaserne

Pfarrer Hans Günter Breuer erhält Sold und Gotteslohn

Bückeburg (bus). Militärpfarrer für die Bereiche Bückeburg, Achum und Wunstorf - das legt einen Job nahe, bei dem das vermeintliche Berufsbild nicht unentscheidend vom Hochlegen der Füße geprägt wird. Einmal im Monat ein Standortgottesdienst, ab und an eine Rüstzeit, bisweilen ein persönliches Gespräch und ansonsten Gott einen guten Mann sein lassen - wer würde da nicht unverzüglich "Lobet den Herrn" anstimmen? Der Boden der Tatsachen hält, wie Hans Günter Breuer zu berichten weiß, gleichwohlein anderes Bild parat.

veröffentlicht am 24.08.2006 um 00:00 Uhr

Hans G. Breuer

Breuer ist vor einem Jahr in das Amt des Militärpfarrers eingeführt worden. Allein die zahlreichen Vertretungen (Minden, Nienburg, Holzminden, Lingen, Hannover) lassen erahnen, dass fürs Füßehochlegen nicht ungemein viel Zeit verbleibt. Dass der 51-Jährige dennoch den möglichen Zeitrahmen von zwölf Jahren bei der Bundeswehr ausschöpfen möchte, hat mehrere Ursachen. "Sicher spielte die Erziehung eine Rolle", merkt der Oberleutnant der Reserve an. "Preußisch, militärisch und liebevoll", sei es daheim zugegangen, wo ein (katholischer) Vater mit Stalingrad-Erfahrung als Familienoberhaupt fungierte, erinnert sich der "Rheinländermit sonnigem Gemüt". Dem Pastor auf Lebenszeit, der in Bückeburg ein Jahrzehnt lang in der Stadtkirchengemeinde und in zahllosen Unterabteilungen der Landeskirche engagiert war, kommen vor allen Dingen die Herausforderungen entgegen. Der Wechsel von der (Stadt-)Kirche in die Kaserne habe zwar große Umstellungen mit sich gebracht. "Soviel Unterricht wie noch nie", nennt er als Beispiel. Und soviel Fortbildung wie selten. Aber: "Ich fühle mich hier wirklich wohl." Er sei sehr gerne Gemeindepfarrer gewesen, stellt Breuer klar, die Tätigkeiten könne man unterdessen nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Eine besondere Herausforderung wartet auf den Militärseelsorge im kommenden Jahr. Von Mai bis September 2007 wird Breuer einen Auslandseinsatz im Kosovo absolvieren. "Wir sind zu diesen Betreuungen verpflichtet", erläutert das Mitglied des Bückeburger Bürgerbataillons. Als Bundesbeamter auf Zeit, der für Sold und Gotteslohn gleichermaßen im Einsatz ist, sei er halt auch Befehlsempfänger. Statt mit "... bitte ich Sie herzlichst ...", wie im landeskirchlichen Leben werde er nun mit "Ich ordne an ..." zur Standortänderung bewegt. Gleich wie und gleich wo - Seelsorge an und mit Soldaten sei dringend erforderlich, sagt der Pfarrer. Was dem im Februar 2002 zum Grünkohlkönig der ehemaligen Residenzstadt Gewählten außerdem gefällt, ist die Zusammenarbeit mit den katholischen Kollegen. "Hier muss Ökumene ohne Wenn und Aber funktionieren", beschreibt er eine der Grundvoraussetzungen des Miteinanders des christlichen Teils der Soldaten. Auch positiv: Die Abwesenheit von Profilneurotischem, speziell während der Konvente und Seminare und im Umgang der Seelsorger untereinander. Auf die Frage nach Ermangelungen fällt Hans Günter Breuer lediglich "ein ordentlicher lutherischer Gottesdienst" ein. Bei der Bundeswehr sei eben alles militärisch verkürzt. Dass der "ordentliche Lutherische" ein mit allen Strophen gesungenes "Lobet den Herrn" einschließt, steht außer Frage.

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