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Ankunft bereits im Februar / Geschwister beschützen Nachzügler

Petzer Storchenjahr weist zwei Besonderheiten auf

Petzen (bus). Das Petzer Storchenjahr 2006 haben zwei Besonderheiten geprägt. Das geht aus einer Bilanz vor, die Manfred Heidmeier jetzt vorlegte. Bereits das Auftauchen der Großsegler habe im Umfeld des Domänenschornsteins für ziemliche Verblüffung gesorgt, erläutert der "Storchenvater". So früh wie in diesem Jahr (erster Storch: 18. Februar, 12.30 Uhr; zweiter Storch: 19. Februar, 15.30 Uhr) hätten die Adebare ihr Sommerquartier noch nie bezogen.

veröffentlicht am 23.08.2006 um 00:00 Uhr

Da staunt die Geschwisterschaft: Flugübungen auf dem Schornstein

Die frühe Rückkehr führt der Hannoveraner Zoobiologe Dr. Reinhard Löhmer auf das geänderte Zugverhalten der Tiere zurück. Bis vor etwa zehn Jahren seien die Vögel beinahe ausschließlich über einen östlich am Mittelmeer vorbeiführenden Kurs von Afrika nach Europa gekommen. Diese Ostroute verliere Augenscheinlich immer mehr an Bedeutung. "Wir beobachten jetzt immer mehr Westzieher", erklärt Löhmer. Viele Störche würden gar nicht mehr bis Afrika fliegen, sondern auf südspanischen Müllkippen überwintern. "Adebar ist leider ein Opportunist", sagt der Experte. Abfallhalden hätten ihm indes als Nahrungsquellen und Lieferanten für Nistmaterial bequeme Angebote zur Verfügung gestellt. Löhmer verspricht sich von der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorschriften, nach denen die Deponierung von Abfällen ohne weitere Vorbehandlung nicht mehr möglich ist, erhebliche Änderungen. Abfälle müssen jetzt so entsorgt werden, dass auch langfristig keine Gefährdung der Umwelt eintreten kann. Dies bedeutet im Regelfall, dass sie verbrannt oder mechanisch-biologisch vorbehandelt werden müssen. Löhmer meldet für den Landkreis Schaumburg ein Storchenjahr, in dem fünf Wildpaare zwölf Jungvögel aufgezogen haben. Was kein schlechtes Ergebnis und deutlich besser als in den Nachbarregionen Minden-Lübbecke und Hannover sei. Für Petzen bedeuten die drei flügge gewordenen Nachwuchs-Adebare nach zwei nachwuchsfreien Saisons eine erfreuliche Umkehr. Erfolgreichere Statistiken weisen lediglich die Jahre 1996 und 1999 (mit jeweils vier überlebenden Aufzuchten) aus. Insgesamt hat Heidmeier auf dem 1988 errichteten Nest bislang 24 Jung-Adebare gezählt. Die zweite Besonderheit 2006 sei die Aufzucht unterschiedlich alter Störche gewesen. Es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn die futterneidischen Geschwister den deutlich kleineren Nachzügler aus dem Nest geworfen hätten, macht Heidmeier auf die mitunter rabiaten Sitten auf dem Petzer Schornstein aufmerksam. Die beiden Älteren hätten den Kleinen jedoch häufig in die Mitte genommen und ihn regelrecht beschützt. "Das ist einmalig." Der Storchenvater ist zuversichtlich, dass das Nest auch 2007 bewohnt sein wird. An der Haltbarkeit der von unten recht windschief anmutenden Konstruktion bestehe jedenfalls kein Zweifel. Er habe sich noch im Vorjahr von der Festigkeit überzeugt. Heidmeier dankt der Fürstlichen Hofkammer, die mit Überlassen des stillgelegten Schlots wesentlichen Anteil daran habe, dass Petzen sich unter Storchenfreunden zu einer festen, und Adresse entwickelt habe.

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