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Landgerichts-Richter will Zahl der Scheidungen senken / Job oder Kind: Mütter sollen sich entscheiden

Peter Rohde: Für Ehebruch wieder in den Knast

Bückeburg. Ehebruch sollte wieder als ein Verhalten angesehen werden, das unsere Gesellschaft insgesamt schädigt und müsse daher wieder unter Strafe gestellt werden. Dann würde es Deutschland auch wieder wirtschaftlich besser gehen. Frauen sollten zudem die ersten zwölf Lebensjahre ihres Kindes nicht arbeiten gehen, sondern sich um die Erziehung kümmern. Diese Ansichten vertritt Peter Rohde, seinesZeichens Richter am Landgericht Bückeburg und aktiv in der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) sowie der christlichen Immanuel-Schule. Er äußere sich als Privatperson, "mit dem Hintergrund meiner beruflichen Erfahrung", sagte der 45-Jährige, Vater dreier Kinder, im Gespräch mit unserer Zeitung.

veröffentlicht am 12.05.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:48 Uhr

Peter Rohde will, dass Ehebruch wieder bestraft wird. Foto: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Ein Referat, in dem Rohde diese Thesen aufstellt und entwickelt, hielt er bereits auf der Jahrestagung des Arbeitskreises Christlicher Publizisten im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen bei Walsrode. Thema der Tagung: "Christen wider den Zeitgeist". Teilnehmer waren unter anderem Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, Niedersachsens ehemaliger Ministerpräsident Ernst Albrecht, Fernsehmoderatorin Eva Herman oder Staatssekretär Manfred Carstens. Rohde: "Mein Vortrag hat sehr viel Resonanz erfahren." Rohdes Ausgangsfrage: Wie können wir in Deutschland dazu beitragen, dass die Ehen und Familien gestärkt werden, Kinder in stabilen Familien heranwachsen und in guter Weise erzogen werden? Um Kinder zu gesunden Persönlichkeiten und charakterstarken Menschen heranwachsen zu lassen, bräuchten sie die Erziehung beider Elternteile. Zurzeit gebe es in Deutschland rund 2,3 Millionen "Scheidungswaisen", hat Rohde recherchiert. Sie seien in der Schule eher sozial auffällig als Kinder, die aus einem intakten Elternhaus kommen. Seit über 15 Jahren lese er Strafakten und Lebensläufe von Straftätern: "Was mir aufgefallen ist, ist, dass die große Mehrheit der Straftäter geschiedene Eltern hatte oder aus sonstigen Gründen nur bei einem Elternteil aufgewachsen ist. Ich sehe hier ein erhebliches Gefährdungspotenzial für unsere Gesellschaft durch Ehescheidungen." Ehepartner hätten erhebliche finanzielle Einbußen zu verkraften, Scheidungen würden die Kaufkraft der Familie schwächen, argumentiert Rohde weiter. "Bei mehr als 200 000 Scheidungen jährlich berührt dies unsere Wirtschaftskraft." Scheidungen würden zu einer größeren Anzahl von Alleinerziehenden führen, die oftmals durch die Trennung auch zu Hartz IV-Empfängern würden. Und eine weitere Feststellung: Eine der Hauptursachen für Ehescheidungen sei Ehebruch. Wegen erwiesener Untreue würden jährlich 50 000 Ehen in Deutschland geschieden. Rohde: "Das ist schon eine Menge." Um eben die Zahl der Ehescheidungen zu vermindern, hat Rohde einen Forderungskatalog aufgestellt. Jugendliche sollten in Elternhaus und Schule wieder zu Treue in der Beziehung erzogen werden. Mit dem Geschlechtsverkehr sollte so lange wie möglich gewartet werden, am besten erst, wenn geheiratet wird. Es gebe bereits einen gegenläufigen Trend bei Jugendlichen, die "Sehnsucht nach Verbindlichkeit". 80 Prozent hätten sich in einer Umfrage für den Wert Treue in einer Beziehung ausgesprochen. Ehe auf Lebenszeit sollte wieder als etwas Erstrebenswertes vermittelt werden, jeder vor dem Eingehen einer Ehe sich ernsthaft prüfen. Vor jeder Eheschließung müssten Heiratswillige einen Ehevorbereitungskurs absolvieren. Ehescheidungen müssten erschwert werden, meint Rohde weiter. Vor jeder Scheidung müsse eine Eheberatung in Anspruch genommen werden mit dem Ziel, die Ehe aufrechtzuerhalten. Ehebruch müsse wieder unter Strafe gestellt werden, so wie es in Deutschland noch bis 1969 der Fall war. Mit Geld- und gar Haftstrafen, fordert Rohde, allerdings nur als Antragsdelikt; also nur, wenn der betrogene Ehepartner eine entsprechende Anzeige bei der Staatsanwaltschaft stellt. Rohde fühlt sich mit dieser Forderung nicht allein: Immerhin 52 Prozent aller Bundesbürger würden laut einer Infratest-Umfrage die strafrechtliche Verfolgung des Ehebruchs befürworten. Denn: Jeder Ehebruch führe zu erheblichen psychischen Verletzungen bis hin zu Depressionen, Arbeitsunfähigkeit oderpsychosomatischen Erkrankungen. Und: "Viele Ehepartner empfinden es als ungerecht, wenn sie dem Partner auch noch Unterhalt zahlen müssen." Er verspreche sich von der Strafbarkeit eine Abschreckungswirkung,ähnlich der bei Diebstahl oder Körperverletzung: "Es geht um eine Signalwirkung, was in einem Land Recht und Unrecht ist." Wo kein Recht ist, sei die Sicherheit der Bevölkerung in Gefahr - eben etwa durch das unsoziale Verhalten von Scheidungswaisen. Das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei den Pisa-Tests führt Rohde ebenfalls mit auf Scheidungen zurück. Alleinerziehende könnten sich nicht so um ihre Kinder und die schulischen Belange kümmern wie zwei Elternteile. Aber auch die Berufstätigkeit von Vater und Mutter sieht er als einen weiteren Grund. Seine Vorstellung: Die Mutter sollte sich bis zum 12. Lebensjahr des Kindes ausschließlich um ihre Kinder kümmern und ihre Berufstätigkeit aufgeben. Dies müsse die Frau bereits vor der Ehe entscheiden: "Will ich heiraten und Kinder haben, oder will ich arbeiten?" Auf jeden Fall müsste der Beruf der Mutter stärker anerkannt und Familien steuerlich entlastet werden. Es könne nicht sein, dass ein Mann trotz Vollzeitstelle nicht genug Geld mit nach Hause bringe, um seine Familie zu ernähren. Hier sei die Politik gefordert. Rohde erhebt denn auch die Forderung nach einer neuen christlichen Partei der Mitte, denn: "Die etablierten Parteien greifen solche Probleme nicht auf." Mitbegründen will er eine solche Partei nicht, aber eine Wiederbelebung der alten Zentrumspartei wäre für ihn denkbar. Rohde war einige Zeit bei der Partei bibeltreuer Christen (PCB) aktiv.



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