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Personalrat übt scharfe Kritik

Rinteln (pk). Der Personalrat des Klinikums Schaumburg geht in einem (der Redaktion vorliegenden) offenen Brief hart mit der Geschäftsführung und dem Landkreis als Träger des Krankenhauses ins Gericht: Die Mitbestimmungsrechte des Personalrats würden ignoriert, funktionierende Arbeitsstrukturen im Krankenhaus Rinteln bewusst zerschlagen und die Mitarbeiter nach „kritischen Äußerungen zu ,persönlichen Gesprächen‘ geladen“. Landrat Jörg Farr und Geschäftsführer Christian von der Becke weisen die Vorwürfe von sich, sehen sich mit einer „Grundproblematik“ konfrontiert, deren Grundstein bereits beim Scheitern der Tarifverhandlung im letzten Jahr gelegt worden sei.

veröffentlicht am 19.10.2011 um 14:33 Uhr
aktualisiert am 06.12.2012 um 14:35 Uhr

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„Mit großer Sorge nimmt der Personalrat zur Kenntnis, dass sich die Entwicklung im Klinikum Schaumburg – gerade in der Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Bethel – weiterhin deutlich negativ gestaltet und das Defizit sich weiter vergrößert“, heißt es in dem offenen Brief. Darin heißt es weiter, „dass keine Zuweisungen aus dem Krankenhaus Bethel in das Herzkatheterlabor und die Endoskopie in Stadthagen erfolgen und auch die geriatrische Komplexbehandlung in Rinteln nicht genutzt“ werde.

Tatsächlich, so entgegnen Farr und von der Becke im persönlichen Gespräch mit unserer Zeitung, würden bereits Gespräche mit dem Krankenhaus Bethel über eine Lösung geführt. „Und wo es funktioniert, wird es auch praktiziert“, sagt Farr. Aber, schränkt von der Becke ein, ein West-Bückeburger werde natürlich eher ins Herzzentrum nach Bad Oeynhausen fahren als nach Stadthagen.

Weiter befindet der Personalrat: „Wollte die Geschäftsleitung ernsthaft ein Zusammenwachsen der drei Häuser fördern, würde sie die Partikularinteressen hinten anstellen und sich für die gleichmäßige Nutzung aller Standorte starkmachen. Das führt dann auch zu einem deutlichen Defizitabbau, ohne dass weitere Stellen reduziert werden müssten.“ Von der Becke widerspricht: In allen drei Klinken werde das Zusammenwachsen gefördert, indem „verschiedene Bereiche unter die Leitung einer Führungskraft gestellt“ würden. „Sehr gut gelungen“ sei das bereits „im größten Bereich, dem Pflege- und Funktionsdienst“, der bereits seit einem Jahr unter zentraler Leitung stehe.

Der Personalrat kritisiert weiter: „Die Schließung von Tagesklinik und Aufnahmestation in Rinteln führte dazu, dass die gut eingespielten Strukturen (...) bewusst zerschlagen wurden.“ Tatsächlich, so von der Becke, gebe es nach wie vor „tagesklinische Betten“ sowie eine „dezentrale Aufnahmestation auf den jeweiligen Pflegestationen“. Die Zusammenlegung sei jedoch nötig gewesen, da die Gesamtbettenkapazität von 100 Betten im Schnitt nur zu 50 Prozent ausgelastet gewesen sei. Den vom Personalrat beklagten und der Geschäftsführung und dem Landkreis zugeschriebenen Rückgang der Fallzahlen in Rinteln führen Farr und von der Becke dagegen auf einen „durch die Presse“ entstandenen „schlechten Ruf“ zurück – Schuld hat bekanntlich immer der Überbringer schlechter Nachrichten.

Beklagt wird vom Personalrat überdies „ein neuer Führungsstil“, der seit November letzten Jahres herrsche: „Die Mitbestimmungsrechte des Personalrates werden konsequent ignoriert, Fristen werden nicht eingehalten, Eingaben werden nicht bearbeitet und Anfragen nicht beantwortet. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise die Nachbesetzung der Position der Hygienefachkraft (...) einzuordnen.“ Bei der Nachbesetzung handelt es sich laut Karl-Dieter Tegtmeier vom Schaumburger Personalamt lediglich um einen „Einzelfall“. Und was die Mitbestimmungsrechte des Personalrats angehe, so würden von der Becke zufolge stets Gespräche geführt, um Lösungen zu finden. Klar sei aber auch, dass „das Ergebnis dem einen oder anderen mal nicht gefällt“. Die vom Personalrat außerdem monierte Ladung zu „persönlichen Gesprächen“, die „kritischen Äußerungen“ folgten, seien auf Führungsebene zudem üblich.

Davon abgesehen stehe von der Becke jedem Mitarbeiter „stets für Gespräche zur Verfügung“. Ab November werde es sogar einmal im Monat eine „aktive Mittagspause“ geben, in der über die Mitarbeiterversammlung hinaus miteinander gesprochen werden könne.

Einvernehmlich sehen sich Landrat und Geschäftsführung mit folgendem „Grundproblem“ konfrontiert. Sie hatten dem Personalrat 2010 einen Haustarifvertrag bis 2016 angeboten. Den damit einhergehenden Gehaltsverzicht lehnte der Personalrat aber ab. Jetzt müssten Strukturen vereinheitlicht und Anpassungen an das neue Haus vorgenommen werden. „Arbeitsverdichtung“ sei das Ergebnis, so Farr.



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