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Frischli-Chef kommen die Tränen / Polizeiaufgebot räumt Blockade der Milchbauern

"Persönlich finde ich das großen Mist"

Rehburg (ade). 240 Polizisten haben gestern die Blockade der Milchbauern vor den Rehburger "frischli-Milchwerken" geräumt. Friedlich, wenngleich mit deutlichem Unmut der Landwirte, ist die zweitägige Blockade aufgelöst worden. Ein Ergebnis im Streit um die Milchpreise ist noch nicht in Sicht.

veröffentlicht am 03.06.2008 um 00:00 Uhr

Karl-Heinrich Niehoff (mit Handy) gehört zu den ersten, die sich

"Betonkopf", rief ein Landwirt aus dem Hintergrund, als frischli-Geschäftsführer Hans Holtorf zu den Bauern kam und versuchte, seine Position darzustellen. Da kamen Holtorf die Tränen. Schnell wendete er sich ab, flüchtete nahezu. Die Blockade auflösen, um die 350 Arbeitsplätze in dem Werk nicht zu gefährden, war zuvor seine Bitte. Er habe dafür gesorgt, dassdie Verhandlungen zwischen dem Deutschen Milchindustrieverband (MIV) und dem Bund deutscher Milcherzeuger (BDM) in Gang gekommen seien. Das sei es doch gewesen, was die Bauern zunächst gefordert hätten. Auch wenn er einer der Stellvertreter des Vorsitzenden im MIV sei, habe er seine Handlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Die Landwirte indessen wollten endlich Bewegung in den Preisverhandlungen. Mit rund 100 Traktoren und Anhängern haben sie seit Sonnabend das Werk blockiert. Weder konnten die Tanklastzüge mit der Milch hinein, noch die beladenen Lastkraftwagen mit der Ware für den Handel hinaus. Auch nach dreimaliger Aufforderung durch die Polizei, die Straße zu räumen, waren sie nicht bereit zu weichen. Erste Landwirte setzten sich auf die Straße, einer von ihnen wurde von zwei Polizisten aus dem Weg getragen. Demonstrativ setzten sich viele weitere auf den Weg. "Die Leute haben Angst", begründete ein Rehburger Landwirt, der das Geschehen über Tage aufmerksam verfolgt, sich jedoch nicht an der Blockade beteiligt hat. Die Rehburger Bauern meinte er damit. Aus fast jeder Familie sei irgendjemand in dem Werk beschäftigt. "Wenn wir noch Landwirtschaft hätten, dann wären wir auch hier gewesen", sagte Cord Strohmeier. Der Polizist, der auf einem Loccumer Bauernhof groß geworden ist, hatte sich in Zivil und rein interessehalber auf den Weg nach Rehburg gemacht. Sympathien gibt es viele. Hans Holtorf berichtete unterdessen von Drohungen, die bei Landwirten eingegangen seien, die sich nicht an dem Boykott beteiligten. Namen wollte er keine nennen. Auch Karl-Heinrich Niehoff, BDM-Teamchef aus Schaumburg hat sich entschlossen niedergelassen, ist ebenso einige Meter weiter geschleift worden. "Wir fahren unsere Trecker nicht selber von der Straße", ist seine Aussage. Die Polizei solle sehen, wie sie die Schlepper wegschafft. Einige Stunden hat es gedauert, bis die frischli-Wagen wieder rollen konnten. Friedlich ist die Blockade verlaufen, die Bauern munkelten auch nach zwei Tagen noch, dass die Sache für sie nicht ausgestanden sei. Während der Räumung hat Holtorf zum Pressegespräch eingeladen, wieder gefasster trat er im Besprechungsraum auf. Das Unternehmen lege großen Wert auf die Zufriedenheit der Landwirte. Um finanziellen Schaden vom Unternehmen abzuwenden und die Arbeitsplätze im Werk zu sichern, habe sich die Geschäftsleitung zur Räumung entschlossen, war seine Stellungnahme. Nur 24 Prozent der 950 Landwirte, die frischli in Rehburg belieferten, würden sich an dem Milchboykott beteiligen. 31 Prozent der Milch seien am Sonnabend nicht abgeliefert worden. In den Tanklastwagen sei allerdings die Milch nicht sauer geworden, räumte Holtorf ein. Das Unternehmen habe sie an andere Molkereien verkauft. "Persönlich finde ich das großen Mist", tat Holtorf seine Meinung zu der Blockade kund.



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