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Schwerbehinderter Marten Oltrogge macht mit Note 1,0 besten Abschluss am GBN

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Rodenberg (bab). In jedem Jahr ehrt das Gymnasium Bad Nenndorf (GBN) die besten Abiturienten. Noten mit einem Durchschnitt von 1,0 sind so beachtlich, dass eine besondere Würdigung angebracht ist. In diesem Jahr sind die Leistungen des besten Schülers aber so außergewöhnlich, dass es in Schaumburg keinen zweiten Fall gibt. Der körperbehinderte Marten Oltrogge hat mit Notendurchschnitt 1,0 das Abitur gemacht, ohne dabei sein Haus in Rodenberg verlassen zu können.

veröffentlicht am 28.06.2008 um 00:00 Uhr

Der Computer ist Marten Oltrogges wichtigste Verbindung zur Auße

Seit Mitte 2003 ist die Welt des 19-jährigen Ausnahmeschülers auf die wenigen Quadratmeter im Erdgeschoss des Hauses in Rodenberg beschränkt, in dem er mit seiner Mutter Karin Oltrogge lebt. Er ist darauf angewiesen, dass ihn jemand im Rollstuhl fortbewegt, selber kann er es nicht. Martens Zugang zur Außenwelt besteht aus Krankentransporten zu Kliniken und Ärzten und aus der Aussicht aus seinem Fenster, die ihm einen Blick auf das Panorama von Rodenberg und Deister freigibt. Aber das wichtigste Fenster zur Welt ist sein Computer. Der Computer hat Marten ermöglicht, von Zuhause aus die Oberstufe zu absolvieren und das Abitur abzulegen. Mit Bestnoten. So etwas komme selten vor in Niedersachsen, sagt Rolf Bade. Der Ministerialrat aus dem niedersächsischen Kultusministerium kennt den Fall. Hausunterricht für schwer erkrankte Schüler gebe es zuweilen,jedoch selten. Mit solch einem herausragenden Ergebnis noch seltener. "In diesem Fall ist das mit enormem Fleiß und enormem Willen erreicht worden", sagt Bade mit Respekt vor Marten Oltrogges Leistung. Die Krankheit des Rodenbergers ist so ungewöhnlich wie seine dadurch bedingte Biografie. Seine Mutter erzählt, die Diagnose sei so kompliziert, dass selbst die Ärzte sie für die Allgemeinheit nicht zusammenfassen könnten. Die Krankheit ist unerforscht, unbehandelbar und angeboren, so viel kann sie sagen. Es habe etwas damit zu tun, dass die Nervenleitgeschwindigkeit herabgesetzt ist. Das wirkt sich auf die Funktion der Muskeln aus. Wie die Krankheit künftig verläuft, ist unklar. Vor ein paar Jahren konnte Marten noch die Tastatur bedienen, heute nur noch die Computermaus. Karin Oltrogge wollte ihrem Sohn dennoch ermöglichen, das Abitur zu machen, ohne ganz aus dem sozialen Gefüge gerissen zu werden. Nach anfänglichen Problemen wurde die Hausbeschulung in der Oberstufe gewährt. Dabei sei auch die außergewöhnliche Bereitschaft der Schule und der Lehrer zu würdigen, sagt Bade. Marten bekam regelmäßig Besuch von Lehrern, wurde mit Unterrichtsmaterial versorgt. Klausuren und Abiturprüfungen hat die Schule auf seine Möglichkeiten abgestimmt. "Ich habe andere Aufgaben bekommen, ich kann ja keine Instrumente bedienen oder Zeichnungen anfertigen", erklärt der Gymnasiast. Mathe, Physik, Geschichte sind seine Leistungsfächer. Mit besonderen Computerprogrammen konnte er komplizierte mathematische Gleichungen darstellen. Jetzt hoffen der 19-Jährige und seine Mutter, dass es mit einem Studium in ähnlicher Weise klappen wird.

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