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Pflegeheimen fehlen Inkontinenzartikel

Patienten "nicht ins Handtuch pinkeln" lassen

Landkreis (tes). Ab Oktober wollte die AOK ihre 2500 Versicherten im Weserbergland ausschließlich vom günstigsten Anbieter, der Medi Markt Home Care Service GmbH aus Mannheim, mit Inkontinenzartikeln versorgen lassen. Das Versandhaus hatte die im "Wettbewerbs-Stärkungsgesetz" vorgesehene Ausschreibung gewonnen. Stichtag für die erste Lieferung war der 1. Oktober. Aber die Lager der Pflegeheime blieben leer.

veröffentlicht am 04.10.2008 um 00:00 Uhr

Am Mittwoch sollte es losgehen. Doch statt der befürchteten Windelflut warten im gesamten Landkreis Pflegeheime und ambulante Pflegedienste vergeblich auf die beantragten neuen Produkte. "Es läuft überhaupt nichts mehr", berichtet Heidi Gunsser vom Rosenhof Stadthagen. Bei der Eröffnung der Pflegemesse im Gebäude der AOK Stadthagen hätten amDonnerstag alle beteiligten Schaumburger Betriebe kritisiert, dass sie nicht beliefert worden sind. "Woran es liegt, wissen wir nicht", spekuliert die Pflegedienstleiterin, der MediMarkt könne mit der Logistik überfordert sein. Entsprechende Rückfragen blieben unbeantwortet. Anrufe in der Mannheimer Zentrale endeten ebenfalls in der Warteschleife. "Keiner ist zuständig", bestätigt die Direktorin der Nenndorfer Curanum Residenz, Gisela Steege-Fischer. Wie die Versorgung über das lange Wochenende geregelt werden soll, war bis Donnerstagnachmittag völlig unklar. Um vier Tage zu überbrücken, bestellten einige kurzerhand beim alten Lieferanten oder in Apotheken. "Die Rechnung schicke ich an die AOK", sagt Michael West, Geschäftsführer der Nenndorfer Lindenpark-Residenz. "Die Bewohner sollen nicht unter der Inkompetenz dieser Organisation leiden", bestätigt Armin Brosch, Heimleiter des Herminenhofs in Bückeburg. Mangelnde Kooperationsbereitschaft weist West von sich: Er habe dem Lieferanten alle Daten Anfang September übermittelt. Die Krankenschwestern Martina Wenzel und Anja Schneider von Medicare in Minden und Bückeburg sind zwar von der Firma geschult, aber nicht beliefert worden. Wie West hat Wenzel keine Information zur Umstellung erhalten. Das Schreiben der AOK war nur an die dementen Patienten ihrer ambulanten Pflegegruppe gegangen. Diese hätten das jedoch nicht verstanden, so Wenzel. Schwester Helga Drinkuth vom Evangelischen Pflegedienst Eilsen in Heeßen befürchtet Folgekosten durch zu niedrige Qualität. Damit ihre 60 AOK-Patienten am Wochenende nicht "ins Handtuch pinkeln müssen", besorgte die Pflegedienstleiterin Einlagen aus der Apotheke. Schon vor acht Monaten habe die Barmer per Ausschreibung auf niedrigere Qualität umgestellt, berichtet Drinkuth. "Der Pflegedienst erstellt jetzt eine Fotodokumentation und plant einen Prozess." Zudem sei es den Patienten nicht zuzumuten, ihre Einzimmerwohnungen zu Windellagern zu machen, verdeutlicht die Pflegekraft. Ursula Betger vom Haus Desirée in Bad Eilsen hat ein Probepaket bekommen und hadert mit der Passform der Einlagen: "Die per E-Mail übermittelten Größen passen nicht." Zudem befürchte sie enormen Aufwand, die Lieferungen der verschiedenen Krankenkassen zu trennen. Ein Lager im Zimmer komme nicht infrage, so Betger: "Ich bin gespannt wie das weitergeht." Aus Sicht des AOK-Sprechers Oliver Giebel ist die Blockadehaltung einiger Heime Grund für die ausgebliebene Lieferung. Diese hätten sich geweigert, ihren Bedarf anzugeben. Vergangenen Montag habe ein Gespräch mit den Heimverbänden im Sozialministerium ergeben: Die Heime sind zur Mitwirkung verpflichtet. Unversorgt lassen wolle die AOK ihre Versicherten jedoch nicht, betont Giebel. Im Rahmen der Notfallversorgung können Heime und Privatleute ihren Bedarf vorerst über Lieferanten ihrer Wahl sicherstellen. Ab nächster Woche soll alles wie geplant laufen.



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