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Bückeburger Militärseelsorger wird "Chief Chaplain" und erhält Nato-Marschbefehl / Geiselnahme

Pastor Breuer als "Hessischer Löwe" im Kosovo

Bückeburg. Mitunter hält das Leben auch für gestandene Männer einige Überraschungen parat. Diese Erfahrung hat Hans Günter Breuer gemacht. "Ich bin angebrüllt und beschimpft worden", erzählt der Geistliche. Auf Englisch zwar, aber auch aufs Allerunflätigste. Und es kam noch besser: "Die haben mich soweit gebracht, dass Hass in mir hochkam." Die für einen Pfarrer von 52 Jahren etwas ungewöhnliche Gefühlskonstellation entsprang, glücklicherweise, einer Übung. Mit dem dreitägigen Geiselnahme-Szenario wurde Breuer auf seinen Einsatz im Kosovo eingestimmt. Der Bückeburger wird in diesen Tagen ins Feldlager Prizren verlegt.

veröffentlicht am 24.05.2007 um 00:00 Uhr

"Chief Chaplain" Hans Günter Breuer (links) und Pfarradjutant St

Autor:

Herbert Busch

Für Breuer, bislang für die Bückeburger Heeresfliegerwaffenschule und das in Wunstorf stationierte Lufttransportgeschwader 62 aktiver Standortpfarrer, bedeutet der bis zum 26. September dauernde Einsatz in der serbischen Provinz gewissermaßen einen Karrieresprung. "Ich bin nicht nur für die aktuell dort stationierten 2808 deutschen Soldaten, sondern zudem für das KFOR-Hauptquartier in Pristina zuständig, für alle internationalen Militärgeistlichen, die Diplomatie und die gesamte Generalität", gibt der jüngst in Berlin zum "Chief-Chaplain" ernannte Gottesmann zu verstehen. Wobei angesichts des Verantwortungsumfangs die Eingliederung des evangelischen Pfarrers und seines Pfarradjutanten Stefan Rinka in den Leitverband Panzerbrigade 14 aus Neustadt von Vorteil erscheint - die Brigadesoldaten führen den Beinamen "Hessische Löwen". Die auf Nato-Marschbefehl Reisenden erwartet eine Situation, die im offiziellen Sprachgebrauch als "ruhig, aber nicht stabil" bezeichnet wird. Derzeit drehen sich internationale Verhandlungen um den zukünftigen Status des Gebiets. Die Mehrheit der Bevölkerung, überwiegend Kosovo-Albaner, strebt die Unabhängigkeit an, was Serbien als Eingriff in seine territoriale Integrität betrachtet. Für die gegenwärtig insgesamt etwa 16 000 aus 35 Nationen stammenden KFOR-Soldaten lautet der Auftrag "Aufbau eines multi-ethnischen, friedlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Umfeldes mit autonomer Selbstverwaltung sowie deren militärische Absicherung". "Das hat nichts mit "Holiday on Ice" zu tun", rückt Breuer die Lage zurecht. Die Situation könne sich schlagartig ändern; Schutzweste zu tragen, sei Pflicht, der Helm immer dabei. Trotz möglicher Gefahren für sein persönliches Wohlergehen gilt das Hauptaugenmerk des Geistlichen der Seelenlage seiner tarnfarbenen Gemeinde. Erfahrungsgemäß leiden viele Soldaten unter der Trennung von ihren Angehörigen. Während der jeweils viermonatigen Stationierung gehen überdurchschnittlich viele Beziehungen in die Brüche. Da trifft es sich gut, dass der Gottesmann in seiner Hauptunterkunft mit Rechtsberatern und Truppenpsychologen auf einem Flur wohnt. Dass Breuer mit dem Segen von Landesbischof Jürgen Johannesdotter unterwegs ist, stärkt dem Militärseelsorger ebenso zusätzlich den Rücken wie "Lieblingsmitarbeiter" Dieter Damaschke, der während des Auslandseinsatzes in Bückeburg die Stellung hält. "Wir sind ein ausgezeichnetes Team und können uns einhundertprozentig aufeinander verlassen." Der Bückeburger ist ungeachtet aller Unwägbarkeiten der festen Überzeugung, im September "gesund an Leib, Seele und Leben" in die Heimat zurückzukehren. Schließlich habe er auch Brüllerei, Beschimpfung und Geiselnahme unbeschadet überstanden - und zwar "mit Bravour". Und mit einer geziemenden Entschuldigung bei dem für seinen Hass mitverantwortlichen Übungsteilnehmer.

Evangelische Militärseelsorger tragen Schulterklappen ohne Winke
  • Evangelische Militärseelsorger tragen Schulterklappen ohne Winkel und Sterne.


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