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Zu Hause beim Landtagskandidaten der SPD: Volker Brockmann / Bio-Lehrer arbeitet im Landtags-Umweltausschuss

Passionierter Angler und begeisterter Norwegen-Fan

Halvestorf. Ins Jahr 2008 ist Volker Brockmann genauso gestartet wie in jedes andere Jahr auch: mit selbst gemachtem Heringssalat. Immer zu Neujahr schnibbelt der Halvestorfer ganze Berge von Matjesfilets, Gewürzgurken, Eiern, Roter Bete und anderen guten Sachen. Davon bekommen die Nachbarn dann alle eine große Schüssel, und auch beim traditionellen "Angrillen" am 1. Januar unter dem Carport der Brockmanns am Halvestorfer Wördesiek findet der deftige Salat reißen den Absatz. "Ich koche gern", sagt der Direktkandidat der SPD im Landtagswahlkreis Rinteln/Hessisch Oldendorf/Hameln. "Wenn Zeit dazu ist."

veröffentlicht am 23.01.2008 um 00:00 Uhr

Volker und Inge Brockmann entspannen gerne beim Kartenspielen. "

Autor:

Christiane Riewerts

Im Brockmannschen Wohnzimmer bollert der weiße Kachelofen vor sich hin, im Hintergrund läuft leise das Radio. Der Hausherr bewährt sich als Hausmann: Sorgsam deckt er Sets auf den Couchtisch, stellt Kekse hin, serviert Tee. "Den habe ich aus Hannover mitgebracht", erzählt er, der braune Zucker kommt aus dem Grünen Laden. Nicht nur beim Zucker scheint Brockmanns Umweltbewusstsein durch: Als studierter Biologe ist der Landtagsabgeordnete Mitglied im Umweltausschuss des Landtags, Themen wie die Zukunft des Messingsbergs und der Kampf gegen die Weserversalzung liegen dem Sozialdemokraten am Herzen. 1976 ist Volker Brockmann in die SPD eingetreten. Wegen Willy Brandt, der ihn wie damals viele junge Leute prägte: "Seine Politik und seine Persönlichkeit haben mich stark beeindruckt." Auch seine Frau Inge liebäugelte mit den Sozialdemokraten, knüpfte ihren Parteieintritt jedoch an eine Bedingung: "Wenn Ihr es schafft, in Halvestorf einen Kinderspielkreis aufzumachen, dann trete ich ein." Die Wette galt. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom eigens gegründeten Elternverein setzte sich Brockmann für die Interessen junger Familien ein und erreichte trotz einiger Widerstände die Einrichtung einer Kindergruppe im kleinen Hamelner Ortsteil. Und entdeckte dabei sein Verständnis von Politik: "Alle haben gemault - wir wollten was verändern." So entstand der Anbau an die Grundschule, in der Brockmann als gebürtiger Halvestorfer Jahre zuvor selber die Schulbank gedrückt hatte. Den Kindergarten gibt es noch heute, mit mittlerweile zwei Gruppen. Und Inge Brockmann dürfte bald für 25-jährige Mitgliedschaft in der SPD geehrt werden. Über diesen erfolgreichen Einsatz für den Kindergarten hat Volker Brockmann den Weg in die Politik gefunden. "Es war viel Idealismus dabei, aber auch die Erkenntnis: Man kann was bewirken." Das hat ihn geprägt. 1981 wurde er erstmals in den Ortsrat seines Geburtsortes gewählt, seit 1986 sitzt er auch im Stadtrat von Hameln. Und vor fünf Jahren schließlich schaffte er den Sprung von der Kommunal- in die Landespolitik: Über die Liste rückte Brockmann erstmals in den Landtag ein. Auf dem Parkettboden im roten Backsteinhaus liegen Orientteppiche, auf der weißen Sitzgruppe rote Kissen. Die Bücherwand ist ein buntes Sammelsurium. Bunte Kinderbücher oben links, John Grishams "Die Firma" unten rechts, mittendrin die Bibel. Und jede Menge Familienfotos. Sohn Christian (28) hat als studierter Wirtschaftspädagoge gerade sein erstes Buch zur "lernförderlichen Arbeitsorganisation" veröffentlicht, Tochter Mareike (27) arbeitet bei VW in Hannover im Personalmanagement. "Stolz und zufrieden" spricht der Papa von seinen Kindern. Und bekennt offen, in der Schule selber eher ein Hinterbänkler gewesen zu sein: "Ich war ein sehr mittelmäßiger Schüler, Schule hat mich irgendwie sehr gestört." Umso wichtiger ist ihm später der eigene Lehrerberuf geworden: "Man wollte es ja irgendwie besser machen..." Und so studierte er nach dem Abitur am Hamelner Schiller-Gymnasium in Göttingen Biologie, Geographie und Sport auf Lehramt. Bevor er Anfang der Achtziger bis zu seinem Einzug in den Landtag ans Hamelner Schulzentrum Nord ging, war er vier Jahre lang Fachleiter für Biologie an der Bückeburger Graf-Wilhelm-Schule. "Bückeburg war eine richtig schöne Zeit", sagt Brockmann heute. Beinahe wäre er sogar nach Uchtdorf gezogen - aber dann wurde es doch wieder Halvestorf. Von der Essecke im großen Wohnraum geht der Blick durch die Sprossenfenster in den winterlichen Garten. Brockmann mag die Arbeit in seinem Garten. Und die Erzeugnisse aus seinem Garten: 35 Liter Apfelsaft hat er im letzten Jahr gewonnen, gepresst von einer Mosterei: "Schmeckt prima!" Hier im Garten bastelt Brockmann seit anderthalb Jahren an seinem Lieblingsprojekt: Ein finnisches Blockhaus entsteht hier Schritt für Schritt, das Fundament hat Brockmann selber gelegt, die Dachschindeln liegen bereit, in diesem Jahr noch soll das kleine Bauvorhaben fertig werden. "Da mache ich meine Angelhütte draus", schmiedet Brockmann schon konkrete Pläne, "da sollen die Norwegen-Sachen rein." Denn Brockmann ist ein großer Norwegen-Fan und passionierter Angler. Mit einer Männertruppe war er vor Jahren erstmals zum herbstlichen Angeln in Fjordnorwegen, mittlerweile reist er regelmäßig mit seiner Frau in das skandinavische Land. "Norwegen, das ist meine heimliche Liebe", schwärmt Brockmann, "die enorme Ruhe ist einfach wunderbar." In der Tiefkühltruhe liegt noch eine Erinnerung an Norwegen. Schollen, im letzten Urlaub selbst gefangen und ausgenommen. Vor ein paar Wochen waren es noch ein paar mehr: Denn vor dem Heringssalat zu Neujahr gab es zu Silvester Scholle...

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