weather-image
×

Party-Spaß unter Polizeibewachung

Um es gleich vorwegzunehmen: Einen vergleichsweise entspannten Verlauf hat in diesem Jahr die traditionelle Vati-Party am Rusbender Hafen genommen. Bis in die frühen Abendstunden hatten Polizei und Veranstalter keine besonderen Vorkommnisse zu verbuchen. Dabei füllte sich das Veranstaltungsgelände trotz geradezu kaiserlichen Himmelfahrtswetters in den ersten Stunden eher schleppend. Vielfach waren die typischen Vatertags-Ausflügler auf Fahrrädern oder in fußläufigen Gruppen mit Bollerwagen erst stundenlang unterwegs und genossen den Sonnenschein, bevor sie am Ort des Partygeschehens eintrudelten. Und hier erwartete sie, neben flotter Musik, ein Großaufgebot an Polizeibeamten und Security-Mitarbeitern des Veranstalters.

veröffentlicht am 03.06.2011 um 00:00 Uhr

Autor:

Mit einem Aufgebot von 40 Einsatzkräften wurde die diesjährige Vati-Party allein von der Polizei Bückeburg begleitet. Diese gehörten dabei sowohl dem Polizeikommissariat Bückeburg als auch der Bereitschaftspolizei an, erklärte Einsatzleiter Polizeihauptkommissar Arno Hansing. „Die Beamten stehen überall auf dem Gelände und darum herum und haben die Lage im Blick.“

Die Vorsicht der Ordnungshüter resultiert vor allem aus den Erfahrungen des Jahres 2007: Damals war es in den frühen Abendstunden nicht auf, aber rund um die Vati-Party (die damals noch nicht am Rusbender Hafen, sondern direkt am „Schäferhof“ stattfand) zu Rangeleien zwischen Polizei und alkoholisierten Jugendlichen, Sachbeschädigungen sowie Raub- und Diebstahlsdelikten gekommen. „Wir haben noch nie so viele betrunkene Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einem Ort gesehen“, hatten damals Bückeburgs Polizei-Chef Werner Steding und seine Kollegen wörtlich gegenüber der Presse zu Protokoll gegeben.

In den Jahren danach war die Situation jedoch aufgrund einer erheblichen Präsenz von Polizei und privatem Sicherheitspersonal nie wieder so sehr eskaliert wie 2007. Auch in diesem Jahr hatten sich die Ordnungshüter intensiv auf den Himmelfahrtstag vorbereitet, um mit ausreichend Einsatzkräften die einschlägig bekannten Veranstaltungen in Rusbend, Wennenkamp, Bad Hiddenserborn und Haste zu flankieren. Dabei wollte man ein besonderes Augenmerk auf die jungen Vatertagsausflügler beim sogenannten „Vorglühen“ legen, hatte Polizei-Pressesprecherin Gabriela Mielke angekündigt.

Genau dieses in den letzten Jahren immer häufiger zu beobachtende Verhalten, sich bereits unterwegs dem Hochprozentigem zu widmen, ist es aber auch, das Marinus Kienzl, Chef der Firma BDT Music & Light und gemeinsam mit dem „Schäferhof“ Veranstalter der Rusbender Vati-Party, ziemlich quer im Magen liegt: Denn wer unterwegs bereits tief ins Glas, die Flasche oder den Plastikbecher schaut, der kommt häufig gar nicht erst bis zur anvisierten Zelt-Party, sondern feiert lieber irgendwo unter freiem Himmel weiter. „Das Vorglühen ist inzwischen auch für uns ein echtes Problem“, räumte Kienzl unumwunden ein.

Was sich am frühen Nachmittag des Himmelfahrtstages an der Frequentierung der Vati-Party deutlich ablesen lässt: Beim Auftritt der ersten Band des Tages, der Brüder Kluwe aus Rinteln, ist die Bezeichnung „überschaubar“ für den Besuch des Festzelts am Rusbender Hafen noch vergleichsweise freundlich. Zur gleichen Zeit bewegen sich bereits dichte Pulks von Vatertagsausflüglern über die Meinser Straße in Richtung Mittellandkanal. Da sie aber keinerlei Getränke auf die Vati-Party mitnehmen dürfen – am Einlass erfolgt eine penible Taschenkontrolle – feiern nicht wenige rund um die Hafenstraße außerhalb des Veranstaltungsgeländes ihre eigene private Vati-Party.

Vergleichsweise entspannt sieht Gabriela Dehne vom Kriminalermittlungsdienst der Polizei Bückeburg dem Abend entgegen. In Zivil, aber durch Aufschrift auf ihrem T-.Shirt eindeutig als Polizeibeamtin zu erkennen, sorgt sie sich mit ihrer Kollegin um ein möglichst friedliches und konfliktfreies Vatertagsgeschehen rund um das Partygelände. „Unserer Priorität ist dabei der Jugendschutz“, beschreibt die Beamtin ihre Aufgabe, „denn erfahrungsgemäß hat man es hier am häufigsten mit alkoholbedingten Ausfallerscheinungen bei Jugendlichen zu tun.“ In den vergangenen Jahren sei es aber überwiegend ruhig zugegangen: „Meist waren es nur die üblichen kleinen Pöbeleien und Rangeleien.“

Dabei müssen die beiden Beamtinnen vor allem außerhalb des eigentlichen Partygeländes aktiv werden, beispielsweise, um das Verschmutzen privater Vorgärten zu verhindern. Auf dem Veranstaltungsgelände selbst würden schwierige Situationen meist von der dort tätigen Security bereits im Keim unterbunden, lobt Gabriela Dehne. „Die arbeiten sehr aufmerksam und effektiv mit uns zusammen.“

Gegen 18 Uhr haben sich Zelt und Veranstaltungsgelände gefüllt, zu den Live-Klängen der Mindener Band „Steam“ beginnt die Stimmung zu kochen. Zwischenfälle? Fehlanzeige. „Alles ruhig bislang“, meldet Einsatzleiter Arno Hansing. Und Kollegin Gabriela Dehne bestätigt: „Super Stimmung und alles friedlich.“

Natürlich wird dem Alkohol zugesprochen – und das oftmals nicht zu knapp. Doch es bleibt zu betonen: Es sind die wenigen, stark alkoholisierten Jugendlichen, die das negative Aufsehen erregen. Das Gros der Vatertagsbummler will hingegen feiern und sich nicht ins Koma saufen.

„Wir kennen unsere Grenzen“, meint die 20-jährige Paula aus Bückeburg. „Wer die nicht einschätzen kann, sollte nicht hierher kommen.“ Und die 17-jährige Carolin bestätigt: „Nach ein paar Schlucken Alkohol würde ich so schlimme Kopfschmerzen bekommen, dass ich gar keine Lust mehr zum Feiern hätte.“

„Freunde wiedersehen und gemeinsam unter freiem Himmel etwas erleben“, hat sich das Damen-Trio Anna, Annika und Elena aus Bückeburg und Stadthagen zum Ziel gesetzt. „Das Schönste am Vatertag ist, dass man frei hat“, meinen der 23-jährige Pascal und die 21-jährige Bona aus Bückeburg. Und für den 26-jährigen Thomas steht fest: „Es ist einfach geil, dass man an diesem Tag das Himmelfahrtskommando von Christus so nachempfinden kann.“

Wenn vom Himmelfahrtstag die Rede ist, denken viele überhaupt nicht mehr an den hohen kirchlichen Feiertag. Für sie ist Spaß angesagt, mit der Familie oder besser noch mit Freunden. Doch die klassische „Vatertagstour“ hat sich gewandelt: Immer mehr junge Leute, auch Frauen, sind mit und ohne Bollerwagen unterwegs. Aber fast immer im Gepäck: Alkohol. Eine Herausforderung nicht nur für die Sicherheitskräfte. Ein Blick hinter die Kulissen der Vati-Party in Rusbend am Kanal, traditionell Anlaufpunkt vieler Vatertags-Ausflügler.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige