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Überraschender Vorstoß: Vorsitzende unterliegt in geheimer Wahl

Palastrevolte im Tierschutzverein

Stadthagen (lmh). Gänzlich überraschend ist die langjährige Vorsitzende des Tierschutzvereins Stadthagen, Lieselotte Münster (71), während der Jahresversammlung in einer in geheimer Wahl durchgeführten Kampfabstimmung ihrer Gegenkandidatin Kerstin Kassner (38) unterlegen. Die Art und Weise des Wechsels in der Vereinsspitze kam etlichen Teilnehmern wie eine Palastrevolution vor.

veröffentlicht am 13.11.2008 um 00:00 Uhr

Anders als gedacht: Kerstin Kassner (M.) ist neue Vorsitzende de

Die Wahlen, die turnusmäßig auf der Agenda standen, begannen vollkommen unauffällig. Heinz-Gerhard Erich, der die Wahlleitung übernommen hatte, fragte nach Vorschlägen. "Wiederwahl", forderte ein Mitglied im Tonfall der Selbstverständlichkeit. Andere nickten. Korrekt fragte Erich: "Gibt es weitere Vorschläge?" Und als er schon Luft holen und um das Handzeichen der Wahlberechtigten bitten wollte, meldete sich eine Stimme aus der zweiten Reihe des mit 30 Vereinsmitgliedern voll besetzten Sitzungszimmers im Schützenhaus. Angela Renner, zuletzt als Schatzmeisterin gewählt und aus Zeitgründen jüngst zurückgetreten, sagte: "Ich schlage Kerstin Kassner vor." Gemurmel erhob sich, und die halblaute Frage: "Wer ist Frau Kassner?" stand im Raum. "Ich glaube, alle kennen mich nicht", ergriff die Herausfordererin das Wort und stellte sich als Verkäuferin aus Rodenberg vor. Neue Ideen habe sie, wie man "Geld reinkriegen" könnte. "Ich glaube, ich würde das ganz gut hinkriegen." Am Vorstandsende des Tisches herrschte betretenes Schweigen, im Rest des Raums verbreitet Verwirrung über diesen völlig überraschenden Vorstoß. "Und was machen wir jetzt?" fragte ein Mitglied irritiert. Renner beantragte die geheime Wahl und zog sogleich offenkundig bereits vorbereitete Wahlzettel aus der Tasche. Um Haltung bemüht verkündete Erich wenige Minuten später das Ergebnis: Von den 30 wahlberechtigten Mitgliedern hatten 12 für Münster, 18 für Kassner gestimmt. "Das hatte ich mir ein bisschen anders gedacht", kommentierte Münster ihren Abtritt trocken. Die murmelnd Protestierenden rief Erich zur Ordnung: "Die Wahl ist richtig abgelaufen, da geht jetzt kein Weg dran vorbei." Die Tagesordnung sah als nächstes die Neubesetzung von Renners Posten als Schatzmeisterin vor. "Denk an den Verein, denk an die Tiere, nicht an Personen", ermunterten einzelne Mitglieder Münster, sich für dies Amt zur Verfügung zu stellen. Mit deutlichem Zögern nahm die ehemalige Vorsitzende den Vorschlag an und stellte sich zur Wahl, in der sie einstimmig in das neue Amt gewählt wurde. Edda Müller wurde als Schriftführerin bestätigt. "Ich war ein bisschen geschockt", sagte Erich später im Pressegespräch. "So etwas habe ich im Verein noch nie erlebt. Da waren wohl Seilschaften am Werk." Bürgermeister Bernd Hellmann hatte sich zu Beginn der Versammlung für die gute Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Unterstützern des Tierheims, insbesondere bei Münster, bedankt. "Ich finde es gut, dass Sie nie klagend ankommen wie manch' andere Zeitgenossen, die gleich an die Presse gehen undöffentlichen Druck machen", sagte Hellmann mit Blick auf Münster.



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