weather-image
15°
Rintelner Bernd S. soll seine Nachbarin vergewaltigt und mit bloßen Händen erwürgt haben

Pagacz-Znoj: Mordprozess nach den Ferien

Rinteln/Bückeburg (ly). Nach den Sommerferien beginnt vor dem Schwurgericht in Bückeburg der Indizienprozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Polin Krystyna Pagacz-Znoj (48). Ein genauer Termin stehe noch nicht fest, wie die Pressestelle der Justiz gestern auf Anfrage mitteilte. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 30 Jahre alten Bernd S. Anklage wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit Mord erhoben. In einem weiteren Fall, dem brutalen Angriff auf eine Eisbergerin, geht es um gefährliche Körperverletzung.

veröffentlicht am 25.06.2008 um 00:00 Uhr

Zum Zeitpunkt des Mordes hatten der Mann und das spätere Opfer Krystyna Pagacz-Znoj als Nachbarn im selben Rintelner Mehrfamilienhaus gelebt. Laut Anklageschrift hat der gelernte Koch die Frau am 10. November 2000 oder einige Tage vorher vergewaltigt und anschließend mit bloßen Händen erwürgt. Danach soll Bernd S. die Leiche neben einem Waldweg am Hohenroder Ortsausgang Richtung Rumbeck unter Zweigen und Laub versteckt haben. Am 12. November fanden Spaziergänger die Tote. Das Mordmerkmal sieht die Staatsanwaltschaft in der Verdeckung einer Straftat, nämlich der mutmaßlich vorausgegangenen Vergewaltigung. Während des Sexualverbrechens soll der Rintelner, der zuletzt in Lindhorst lebte, das Opfer auf den Kopf geschlagen haben. Den Angaben zufolge hatte die Leiche außerdem sogenannte Abwehrverletzungen an beiden Armen. Einziges Indiz für die Täterschaft des wiederholt vorbestraften Mannes, der im Januar 2002 nach Überfällen auf Sparkassen in Eisbergen und Rehren zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden war, sind Spuren von S. an der Kleidung beider Opfer. Durch einen routinemäßigen DNA-Abgleich waren Experten auf die Spur von Bernd S. gekommen. Wegen anderer Straftaten war dessen genetischer Fingerabdruck zwischenzeitlich in der Datenbank des Landeskriminalamtes Niedersachsen gespeichert worden. Ob ein von der Justiz bestelltes Gutachten die Ergebnisse des DNA-Abgleichs unterdessen bestätigt hat, wollte die Pressestelle am Landgericht derzeit nicht mitteilen. Zur Last gelegt wird dem Angeklagten außerdem der hinterlistige Überfall auf eine Eisbergerin. Im September 2001 war die damals 58 Jahre alte Frau, die gegen 5.30 Uhr mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit war, niedergeschlagen und schwer am Kopf verletzt worden. Ein Autofahrer hatte das blutende Opfer an der Dankerser Straße zwischen Eisbergen und Rinteln entdeckt. Nach Erkenntnissen der Anklage hat der Täter mit einem Knüppel oder einem anderen Werkzeug zugeschlagen. Das Opfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und schwebte in Lebensgefahr. Seelisch und auch körperlich leidet die Frau bis heute unter den Folgen der Gewalttat. Auf dem linken Ohr ist sie taub, auf dem rechten hörbehindert. Bernd S. wird von zwei Rechtsanwälten verteidigt und sitzt seit März in Untersuchungshaft, nachdem er in einem Bückeburger Kaufhaus verhaftet worden war. Bisher schweigt der 30-Jährige zu den Vorwürfen. Dies deutet auf einen längeren Prozess hin, der sich über mehrere Monate hinziehen kann. Die Taten müssen anhand von Indizien nachgewiesen werden. Bei Mord gibt es im Falle eines Schuldspruchs keinen Strafrahmen, sondern eine Strafe, nämlich lebenslange Haft. Diese kann jedoch gemildert werden, etwa bei verminderter Schuldfähigkeit.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt